Negative Auswirkungen von UMTS-Strahlung nicht bestätigt

Sind Menschen für eine kurze Zeit der Strahlung einer Mobilfunkantenne ausgesetzt, so hat dies keinen nachweisbaren Einfluss auf ihr Wohlbefinden oder ihre kognitiven Fähigkeiten. Dies zeigt eine Studie einer Schweizer Forschergruppe unter der Leitung von Peter Achermann vom Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Zürich. Frühere Befunde einer niederländischen Studie zur gleichen Fragestellung konnten damit nicht bestätigt werden.

Brigitte Blöchlinger

Die Schweizer Studie untersuchte den Einfluss von elektromagnetischer Strahlung vom Typ einer UMTS-Mobilfunkbasisstation auf das Wohlbefinden und die kognitiven Fähigkeiten (Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis). Es wurden 33 elektrosensible und 84 nicht-elektrosensible Personen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren untersucht. Sie wurden während 45 Minuten einer elektromagnetischen Strahlung ausgesetzt. Um eine allfällige Beziehungen zwischen der Dosis und der Wirkung festzustellen, wurden zwei verschiedene Feldstärken gewählt, sowie eine Kontrollbedingung ohne Strahlung.

In der ganzen Forschung über elektromagnetische Strahlung im Bereich des Mobilfunks sind noch viele Fragen offen: Studienleiter Peter Achermann. (Bild: Marita Fuchs)

Weder die Versuchspersonen noch die Versuchsleitung wussten, zu welchem Zeitpunkt eine Person einer Strahlung ausgesetzt wurde. Wie die Schweizer Forscher herausfanden, führte verglichen mit der Kontrollbedingung keine der beiden Feldstärken zu einer Veränderung des Wohlbefindens. Auch konnte kein konsistenter Einfluss auf die kognitiven Leistungen nachgewiesen werden. Die Versuchspersonen waren zudem nicht in der Lage, die UMTS-Strahlung wahrzunehmen. Unipublic sprach mit Peter Achermann über die Studie und ihre Bedeutng für die Praxis.

Ihre Studie ist eine Nachfolgestudie einer holländischen Untersuchung aus dem Jahre 2003; das holländische Forscherteam hatte damals negative Auswirkungen der Strahlung von Mobilfunkantennen auf das Wohlbefinden der Menschen herausgefunden. Worin bestand das Problem der holländischen Studie?

Achermann: Die niederländische Studie wurde in Bezug auf Schwächen im Design, der Methodik und der Auswertung verschiedentlich bemängelt. Dies hat zu einer Verunsicherung und anhaltenden Debatte in der Öffentlichkeit und unter Wissenschaftlern geführt und eine Überprüfung der Resultate erfordert, zumal die Studie bis anhin in keiner wissenschaftlichen Fachzeitschrift veröffentlicht wurde.

Sie hatten den Lead in der neuen Untersuchung, an der auch die Universität Bern und die IT’IS Foundation beteiligt waren. Welche Bereiche haben Sie genauer untersucht?

Die drei beteiligten Forschungsgruppen waren gemeinsam für das Design der Studie und die Interpretation der Ergebnisse verantwortlich. Das Expositionssetup und die dosimetrischen Berechnungen wurden von der IT’IS Foundation unter Niels Kuster ausgeführt, für die Erfassung des Wohlbefindens war Martin Röösli von der Universität Bern zuständig.

Meine Arbeitsgruppe war verantwortlich für das Projektmanagement, die Rekrutierung der Versuchspersonen, die Durchführung der Experimente und die Auswertung der kognitiven Tests.

Wie haben Sie die Versuchspersonen für die Studie gefunden?

Die meisten Personen kontaktierten uns telefonisch oder per E-Mail aufgrund eines Inserates in der Tageszeitung «20 Minuten». Sie wurden in Bezug auf eine Vielzahl von Einschluss- und Ausschlusskriterien (z.B. Alter, Händigkeit) befragt und dann ausgewählt.

Einige Gemeinden warten mit dem Bau von Mobilfunkantennen zu, bis gesicherte Daten zur Wirkung von UMTS-Strahlung greifbar sind. Welche Aussagekraft hat die neue Studie für die Praxis?

Unsere Resultate lassen nur eine Aussage über den Zusammenhang zwischen einer kurzfristigen Exposition mit einem UMTS-Basisstationssignal und der unmittelbaren Beeinträchtigung des Wohlbefindens oder der kognitiven Fähigkeiten zu. Wir können keine Rückschlüsse auf andere kurzfristige Effekte oder einen Zusammenhang zwischen einer langfristigen, chronischen Bestrahlung durch UMTS-Basisstationen und einem allfälligen Gesundheitsrisiko ziehen. Für eine abschliessende Beurteilung, sowie für die Einschätzung allfälliger längerfristiger nachteiliger Folgen durch UMTS-Strahlung müssen weitere Forschungsarbeiten abgewartet werden.

Wie geht es nun weiter mit der UMTS-Forschung?

Nicht nur in der UMTS-Forschung, sondern in der ganzen Forschung über elektromagnetische Strahlung im Bereich des Mobilfunks gibt es viele offene Fragen. Wichtig ist vor allem, die Wirkungsmechanismen zu ergründen, um die Frage nach möglichen negativen gesundheitlichen Auswirkungen zu beantworten. So werden sich in den nächsten Jahren in der Schweiz das neue nationale Forschungsprogramm «NFP 57 – Nichtionisierende Strahlung und Umwelt», die Forschungsstiftung Mobilfunk (FSM) und die IT’IS Foundation umfassend mit dieser Thematik befassen.

Die Studie «UMTS Base Station-Like Exposure, Well Being an Cognitive Performance» wurde in der Zeitschrift «Environmental Health Perspectives»veröffentlicht.

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic

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