Ranking

Ökonomie an der Universität Zürich international führend

Die Volkswirte der Universität Zürich haben in den europäischen Rankings einen grossen Sprung nach vorne gemacht. Besonders erfreulich: Im deutschen Sprachraum belegt Zürich den 2. Platz und lässt damit sämtliche Schweizer Konkurrenten hinter sich.

Sascha Renner

Nach Professor Hans Peter Wehrli, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich, liefern Rankings sinnvolle Informationen. Sie seien aber auch oft unvollständig. Umso mehr ist er stolz auf das Glanzresultat der Universität Zürich. «Ein sehr breit abgestütztes Ranking, das ernst zu nehmen ist», beurteilt Wehrli die Evaluation der European Economic Association, die im vergangenen Dezember veröffentlicht wurde. Die Berücksichtigung mehrerer Bewertungskriterien und Gewichtungsschemata gibt dem Ranking in diesem Fall besondere Aussagekraft. Nach verschiedenen Methoden wurden insgesamt 15 Ranglisten über die Forschungsstärke der einzelnen Institutionen erstellt. Gemessen wurde dafür die Publikationsleistung der 22'271 Mitglieder von 600 volkswirtschaftlichen Instituten in 18 europäischen Ländern (EU, Israel, Norwegen, Schweiz, Türkei).

Im Vergleich von 600 volkswirtschaftlichen Instituten in 18 europäischen Ländern hält die Universität Zürich einen Spitzenplatz. (Bild: Fran BrUEderli)

Für die Universität Zürich ergibt sich ein ausserordentlich positives Bild: Sie nimmt viermal den 1. Rang unter allen deutschsprachigen Hochschulen ein (nach Bonn mit 5 ersten Plätzen im Zeitraum 1996–2000). Damit liegt sie vor den renommierten Instituten der Universitäten München und Mannheim. Schaut man nur auf die Schweiz, dann belegt Zürich zehnmal den Spitzenplatz. An zweiter Stelle folgt das International Center for Monetary&Banking Studies (ICMB) in Genf (vier erste Plätze), auf dem dritten Platz das Graduate Institute of International Studies (GIIS) in Genf (ein erster Platz).

Erfolgreiche Berufungspolitik

Das Ranking zeigt auch, dass die Volkswirtschaft in Zürich insbesondere in den letzten Jahren einen grossen Sprung nach vorne gemacht hat. Um die Dynamik der einzelnen Institute zu messen, wurde die Produktivität im Zeitraum 1996–2000 mit jener der Periode 1971–2000 verglichen. Daraus wird ersichtlich, dass die Universität Zürich zwischen den beiden Perioden durchschnittlich um 10,5 Ränge aufgestiegen ist. Hingegen ist der Spitzenreiter Bonn um 4,5 Ränge zurückgefallen, St. Gallen um 3, Genf um 27. Nur München hat sich ähnlich wie Zürich nach vorne bewegt, allerdings nur um 7 Ränge.

Wie lässt sich ein solcher Exploit erklären? «Wir legen grossen Wert auf die Berufung exzellenter Forscher», erklärt Dekan Wehrli, «eine unerlässliche Voraussetzung, um die Fakultät im nationalen und internationalen Konkurrenzumfeld erfolgreich zu positionieren.» Die Mitglieder der Fakultät hätten sich gefunden und die richtigen Neuberufungen vornehmen können. Dadurch sei es zu einer Bündelung der Kräfte in verschiedenen Schwerpunktbereichen gekommen. Ausserdem biete man ein im europäischen Vergleich sehr attraktives Forschungsumfeld. Der Schneeballeffekt tue ein Übriges: «Gute Kollegen ziehen weitere gute Kollegen an». Die Neuberufungen der letzten Jahre hätten die Zürcher Ökonomen noch wesentlich gestärkt. Wehrli geht deshalb davon aus, dass sich der Aufwärtstrend auch weiterhin fortsetzen wird.

Wieviel publizieren Oekonomen?

Neben den Rankings gibt die Studie auch interessante Einblicke in das Publikationsverhalten der Ökonomen. So publiziert der durchschnittliche Volkswirt einmal alle fünf Jahre in einem Fachjournal, während das aktivste Prozent aller Wissenschaftler zwei Veröffentlichungen pro Jahr schafft. 60 Prozent aller Ökonomen haben gar keine (oder noch keine) Publikation in ihrer Laufbahn vorzuweisen. Mindestens 33 Artikel sollte hingegen verfasst haben, wer sich zum produktivsten Prozent zählen will.

Misst man den Gesamtausstoss an Publikationen, so hat Grossbritannien mit Abstand die fleissigsten Schreiber. An zweiter Stelle folgt Frankreich, dann Deutschland, Italien und Israel. Betrachtet man hingegen die Pro-Kopf-Produktivität, schwingt Israel weit oben aus. Als die produktivsten europäischen Zentren im Zeitraum 1996–2000 gehen aus dem Ranking hervor: London School of Economics und Université de Toulouse 1 im ersten Rang; auf dem dritten Platz folgen ex aequo die OxfordUniversity und das University College London. Misst man die Produktivität pro Anzahl Forscher eines Instituts, ergibt sich ein anderes Bild: Institut d'Anàlisi Econòmica (Barcelona) und Tel Aviv University vor European University Institute (Florenz) und Israel Institute of Technology sowie Delta in Paris.

Sascha Renner ist unijournal-Redaktor und freier Journalist.