«Ein gar nicht so junges Fach»

Zeit zum Feiern: Die Medienforschung an der Universität Zürich wird 100. Am Freitagabend wurden die zahlreichen Aktivitäten zu diesem Anlass festlich eröffnet. Der Blick zurück versöhnte die Anwesenden nach den vergangenen Turbulenzen.

Sabine Witt

Im Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung war in der letzten Zeit einiges los. Querelen gab es um die Betreuungsverhältnisse, Numerus clausus und Sistierung des ersten Nebenfaches. Ausserdem musste ein grosser Umzug nach Oerlikon an die Andreasstrasse 15 bewältigt werden. Doch nun wird nach der vielen Arbeit endlich gefeiert: Am Freitagabend wurden in der vollbesetzten Aula die Feierlichkeiten zum Jubliäum «100 Jahre Medienforschung an der Universität Zürich» eröffnet.

Zur Einstimmung auf den festlichen Anlass wurden die 100 Jahre in einer dreiminütigen Fotoshow rekapituliert und dabei musikalisch bewegend untermalt. Fotos aus den Anfängen der Medienforschung in Zürich wurden projiziert sowieBilder davon, wie Handwerker die letzten Arbeiten an der Andreasstrasse erledigten und wie die Angehörigen des Instituts sich allmählich in den neuen Räumen einrichteten.

Otfried Jarren blickt mit Stolz auf 100 Jahre Medienforschung in Zürich. (Bild: Sabine Witt)

Als erster der vier Redner ergriff Institutsleiter Professor Otfried Jarren das Wort. Er erinnerte an die Leistungen seiner Vorgänger, besonders den anwesenden Professor Christian Doelker, der die Grundmauern des heute prosperierenden Faches errichtet habe. Das Fach Journalistik an der Universität Zürich begründet hat aber der Privatdozent Oscar Wettstein. Er nahm 1903 den Lehrbetrieb auf. Sein Hauptanliegen war, den Journalismus in der Schweiz zu verbessern. Das Fach sei also gar nicht so jung, wie es oft heisse, fügte Jarren hinzu. Später haben Christian Padrutt und Ulrich Saxer neue Methoden eingeführt, so dass die Publizistik im gesamten deutschsprachigen Raum Impulse aus der Schweiz erhalten habe.

Zum heiklen Thema der Zulassungsbeschränkungen äusserte sich Jarren dezidiert: Zugunsten einer hohen Qualität in Lehre und Forschung seien sie nötig. Ferner gab der Publizistikforscher bekannt, dass am IPMZ dieser Tage eine Alumni-Organisation gegründet und ein Fonds zur Nachwuchsförderung eingerichtet worden sei. Zum Schluss drohte Jarren der Universitätsleitung scherzhaft, dass die Medienforschung auch weiterhin für Traktanden sorgen werde.

Dekan Franz Zelger erinnert an die beengten Platzverhältnisse von früher. (Bild: saw)

Auch Dekan Professor Franz Zelger zeichnete den historischen Weg von der Ausbildung in Journalistik bis hin zu den Kommunikationswissenschaften nach. Er erinnerte daran, dass das gesamte Seminar mit Dozierenden und Studierenden nur einen einzigen Raum zur Verfügung hatte, bis es in den 1970er-Jahren eine geräumigere Bleibe an der Beckenhofstrasse fand. Er würdigte besonders den Einsatz von Otfried Jarren als produktiver und engagierter Professor.

Der Berner Professor Roger Blum brachte den Schnaps zum Feiern mit. (Bild: saw)

Einen launigen Vortrag hielt Professor Roger Blum, Direktor des Instituts für Medienwissenschaft der Universität Bern. Er kokettierte vor allem mit den Lieb- und Feindschaften zwischen den Schweizer Städten und Kantonen. Zum Feiern schenkte er den Zürchern für jeden ihrer ehemaligen Professoren eine Flasche Schnaps aus dessen Herkunftsgebiet.

Prorektor Udo Fries ist froh, dass sich die Betreuungsverhältnisse etwas gebessert haben. (Bild: saw)

Als offizieller Vertreter der Universitätsleitung redete Prorektor Professor Udo Fries. Er begann mit einer ganz persönlichen Impression aus seinem Arbeitsalltag: Am Abend eines langen Arbeitstages, erzählte er augenzwinkernd, habe er bei dem Stichwort Publizistik wegen des Ansturms der Studierenden manchmal an eine Heuschreckenplage denken müssen. Doch sei mit der Gastprofessur und einer neuen Ordentlichen Professur die Situation nun etwas verbessert.

Ein weiteres Anliegen war ihm die positive Seite des Bologna-Prozesses. Man solle auch in der Publizistik die Chance nutzen, den Studiengang zu überdenken, eventuell zu entstauben und das erste Studienjahr als Assessmentstufe einzurichten. Bologna bringe sehr wohl mehr Arbeit, die man aber mit so genanntem «Blended-Learning» im erträglichen Mass halten könne.

Jarren und Fries dankten einander und zeigten sich trotz der früheren harten Auseinandersetzungen um die Mittelvergabe ans IPMZ in einer einvernehmlichen und aufgeräumten Stimmung. Mit der konnte sich die Redner und das Publikum getrost zum Apéro begeben.

Nach so viel Reden war der Appetit gross. (Bild: saw)

Der Andrang auf Sandwiches, Wein und Saft im neuen Foyer unterhalb des Lichthofes war enorm. Denn gleichzeitig hatte das IPMZ eine internationale Fachtagung organisiert und die Studierenden der Fachschaft zudem einen europäischen Fachschaftskongress. Hier beim Apéro kamen sie alle versöhnt zusammen: die Zürcher Forschenden und ihre Gäste, darunter auch die ehemaligen Professoren Ulrich Saxer und Christian Doelker, Studierende der Medienwissenschaften aus Zürich und von anderen Schweizer Universitäten sowie aus europäischen Ländern.

Sabine Witt ist Redaktorin bei unicommunication.