Friedrich Götz-Preis

Fortschritte in der Erforschung von Hirntumoren und Arteriosklerose

Der diesjährige Friedrich Götz-Preis wurde gestern, Donnerstag, 23. Oktober, an zwei Forscher der Universität Zürich verliehen: Michael A. Grotzer vom Kinderspital Zürich und Frank Ruschitzka vom UniversitätsSpital Zürich. Beide erforschen Krankheiten, die noch immer nicht vollständig geheilt werden können. Ihre Forschungsresultate helfen, das genaue Verständnis für die im Körper ablaufenden Prozesse zu fördern.

Christoph Schumacher

Die beiden Preisträger: PD Dr. med. Michael A. Grotzer (links) und PD Dr. med. Frank Ruschitzka (Bild: Christoph Schumacher)

Hirntumore gehören zu den Krebsarten, die bis heute eine schlechte Heilungschance haben. Michael A. Grotzer, Privatdozent am Kinderspital Zürich, beschäftigt sich mit Hirntumoren bei Kindern. Für die Betroffenen hat die Erkrankung meist gravierende Folgen; oft sind es die Nebenwirkungen der Behandlung, die den Kindern erst recht zusetzen. Häufigsind nicht nur körperliche Folgeschäden und Unterentwicklung die Folge, auch die psychische und soziale Entwicklung wird in Mitleidenschaft gezogen. Die bisherigen Methoden Operation, Radiotherapie (Bestrahlung) und Chemotherapie zeigen häufig erst in der Kombination eine Wirkung.

Die biologischen Funktionen kennen lernen

Ziel der Forschungsgruppe um Michael Grotzer ist es, die biologischen Funktionen innerhalb eines kindlichen Hirntumores so zu verstehen, dass eine Behandlung gezielt erfolgen kann. Aufgrund von Prognosefaktoren soll bestimmt werden, welcher Patient welche Behandlung braucht. Jede der genannten Therapieformen birgt Risiken und erzeugt Folgeschäden. In einer guten Therapie versucht man deshalb, nur die wirksamen Methoden einzusetzen. So können Langzeitschäden reduziert werden, und dies trägt in grossem Mass zur Lebensqualität der Betroffenen bei. Ein weiteres Ziel ist, durch das genauere Verständnis des Tumors neue Behandlungskonzepte entwickeln zu können, um in Zukunft auch diejenigen Patienten heilen zu können, bei denen die bisher entwickelten Heilungskonzepte versagten.

Apoptose als Schlüsselmechanismus?

Ein Faktor, der zum Erfolg führen könnte, ist die gezielte Auslösung von Apoptose in den Tumorzellen. Apoptose, der programmierte Zelltod, ist ein für die Entwicklung und Aufrechterhaltung eines vielzelligen Organismus lebenswichtiger Mechanismus. Nur wenn die Neubildung und die Eliminierung der Zellen im Gleichgewicht stehen, bleibt der Organismus gesund. Krebszellen unterscheiden sich von anderen Zellen insbesondere dadurch, dass sie sich ungehemmt vermehren. Eine Veränderung im genetischen Code hat diese Zellen sozusagen «unsterblich» gemacht. Die mutierten Gene haben oft mit der Apoptoseregulation zu tun. Wenn es nun gelingen würde, die Apoptose gezielt und koordiniert auszulösen, könnte dies ein Schritt in Richtungeines neuen Therapieansatzes werden.

Blick in ein krankes Blutgefäss. Im Hintergrund ist die starke Verengung zu sehen. (Bild: Christoph Schumacher)

Das Donut-Problem

Was haben ein Donut und Herz-Kreislaufprobleme miteinander zu tun? Mit dieser Frage weckte Frank Ruschitzka, Privatdozent am UniversitätsSpital Zürich, die Neugier des Publikums. Wer nun an Cholesterin und Übergewicht dachte, lag zwar fachlich nicht falsch, war aber trotzdem daneben. Ruschitzka benützt den Donut als Symbol eines Arterienquerschnittes. Ihn interessiert aber nicht in erster Linie der Innendurchmesser der Arterie - der, wird er zu klein, zu einem Herzinfarkt führen kann. Ihn interessieren die Vorgänge im Endothel.

Das Endothel ist das grossflächigste Organ des menschlichen Körpers: Seine Gesamtoberfläche entspricht den Ausmaßen von sechs Tennisplätzen und sein gesamtes Zellvolumen dem von fünf Herzen. Es ist eine dünne Zellschicht, welche die Blutgefäße innen auskleidet, also die trennende Schicht zwischen Blut und Gewebe darstellt. Früher dachte man, das Endothel habe lediglich eine Barrierefunktion. Doch die Forschungstätigkeit der letzten Jahren brachte ans Licht, dass das Endothel weitreichende Aufgaben im Organismus erfüllt: Für die revolutionäre Entdeckung, dass ein vom Endothel produziertes Molekül - Stickstoffmonoxid - eine wichtige Regelfunktion im Herz-Kreislauf System hat, wurden die Forschungsarbeiten von Robert F. Furchtgott, Ferid Murad und Louis Ignarro 1998 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Zusammenhänge zwischen Arthritis und Arteriosklerose

Das Team um Ruschitzka fand nun heraus, dass rheumatoide Arthritis ein wichtiger Risikofaktor für Arteriosklerose darstellt. Diese Erkenntnis ist neu, bisherige bekannte Ursachen sind Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, genetische Disposition, Stress, etc. «Mittlerweile betrachten wir die Artheriosklerose als eine Entzündungskrankheit», erklärt Ruschitzka. Noch fehlen die klinischen Grossstudien, welche genauere und verlässlichere Aussagen ermöglichen werden. Doch auch hier wird in Zukunft eine spezifischere und effizientere Behandlung möglich sein.

Christoph Schumacher ist Mitarbeiter von unipublic, freier Fotograf und Journalist.