Einweihung des Instituts für Nachhaltigkeit

Das «Center for Corporate Responsibility and Sustainability» (CCRS), zu deutsch: Zentrum für nachhaltige Unternehmens- und Wirtschaftspolitik, soll wissenschaftliche Pionierarbeit im Trendbereich «Nachhaltigkeit» leisten. Seinen repräsentativen Sitz hat es im wunderschönen Pavillon an der Künstlergasse 15a. Am kommenden Dienstag, 16. September 2003, findet die Eröffnungsfeier statt.

David Werner

Wirtschaftsführer haben durch die Firmenskandale der letzten Jahren viel an Vertrauen verloren. Die neoliberalen Ideen der 90er Jahre sind seit dem Platzen der Börsenblase weitgehend diskreditiert. Und der Begriff des«shareholder value» scheint vorerst als Leitidee ausgedient zu haben. An seine Stelle könnte nun das Konzept der Nachhaltigkeit treten. Von Nachhaltigkeit ist in den Wirtschaftswissenschaften international zunehmend die Rede. Dennoch hat sich der betreffende Forschungszweig akademisch noch wenig etabliert. Das CCRS darf man deshalb getrost als Pionierprojekt bezeichnen. Die Erwartungen sind gross: «Für die Universität Zürich besteht jetzt die Chance, eine internationale Vorreiterrolle in der Nachhaltigkeitsdiskussion zu übernehmen», sagt sichtlich stolz Peter Buomberger, Direktor des CCRS.

Leitet das neue Zentrum für Nachhaltigkeit: Dr. Peter Buomberger. (Bild: David Werner)

Aber was verstehen Ökonomen überhaupt unter Nachhaltigkeit? «Nachhaltiges Management bedeutet, dass Ressourcen nur soweit aufgebraucht werden, als man sie erneuern kann», erklärt Buomberger. «In der letzten Zeit hat man immer mehr erkannt, dass zu diesen Ressourcen nicht nur das Finanzkapital zählt,sondern auch die sogenannt weichen Faktoren wie Glaubwürdigkeit oder Zuverlässigkeit der Firmenleitung, Zufriedenheit der Mitarbeitenden und verantwortungsvolles Verhalten der Unternehmung gegenüber der Gesellschaft. Wir fassen all diese Faktoren unter dem Begriff des 'social capital' zusammen. Nachhaltiges Wirtschaften bedeutet dann, dass man verantwortungsvoll auch mit dem 'social capital' umgeht und es nicht zugunsten kurzfristiger finanzieller Rendite ausbeutet.»

Im Pavillon an der Künstlergasse 15a findet das CCRS einen repräsentativen Sitz. (Bild: Christoph Schumacher)

Schon seit Jahren beschäftigt sich Buomberger mit dem Thema Nachhaltigkeit, insbesondere mit den umsetzungsorientierten Aspekten. So setzte er sich beispielsweise als Präsident der wirtschaftspolitischen Kommission der CVP Schweiz für eine nachhaltige Wirtschaftspolitik ein. Ausserdem arbeitete er in den letzten vier Jahren als Chefökonom der UBS daran, den public responsibility-Gedanken institutionell in der Grossbank zu verankern. Inzwischen widmet sich Buomberger jedoch vollzeitlich dem Aufbau des CCRS, der voraussichtlich bis Ende 2004 abgeschlossen sein wird. Etwa zehn senior-Forscher sollen dannzumal beschäftigt werden. Wichtig ist Buomberger die Vernetzung des Instituts. Wissenschaftliches Know-how soll überall angezapft werden, wo es vorhanden ist. Neben der Universität Zürich ist die Hochschule Winterthur ein wichtiger Partner, ferner sind Gespräche mit der ETH, der Columbia University und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) im Gang.

Finanziert wird das CCRS momentan etwa je zur Hälfte von staatlichen Geldern und von einer privaten Stiftung. Träger dieser Stiftung ist der Verein TSF (The Sustainability Forum), welchem Unternehmen wie SwissRe, UBS und PriceWaterhouseCooper angehören. «Das Institut konnte dank der Stiftung schnell und unbürokratisch ins Leben gerufen werden», sagt Peter Buomberger.«Die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft war der pragmatischste und einfachste Weg.»

Das CCRS wird sich in einem ersten Themenschwerpunkt mit den Finanzmärkten und der Finanzindustrie auseinandersetzen. Weitere Themenschwerpunkte werden im Laufe der Zeit folgen. Wer diesbezüglich Ideen hat oder Erwartungen äussern will, ist eingeladen, sich an einer öffentlichen Diskussion anlässlich der Eröffnungsfeier zu beteiligen. Am Podiumsgespräch werden Peter Buomberger, Hans Weder (Rektor der Universität), Regierungsrätin Regine Aeppli, Werner Inderbitzin (Rektor der Hochschule Winterthur), Bruno Porro (Präsident des Trägervereins TSF und Mitglied der Geschäftsleitung derSwissRe) sowie Edgar Fluri (Verwaltungsratspräsident von PriceWaterhouseCooper) teilnehmen. Moderieren wird das Gespräch Peter Hartmeier, Chefredaktor des Zürcher Tagesanzeigers. Die Eröffnung findet am Dienstag, 16. September 2003 um 18.00 Uhr an der Universität Zürich, im Hörsaal KOH-B-10 statt; zum Apéro wird anschliessend um 19.30 Uhr im Lichthof geladen. Die Veranstaltung ist öffentlich.

David Werner arbeitet als freier Journalist.