IBM - Supercomputer für die Universität

Das IBM Forschungslabor Zürich schenkt der Universität Zürich ihren früheren Supercomputer SP 3. Der vierjährige Rechner wird am Organisch - Chemischen Institut in erster Linie für die Simulation von molekularen Strukturen eingesetzt. Diese moderne Art von Strukturforschung, wie sie beispielsweise bei der Entwicklung von Medikamenten eingesetzt wird, benötigt eine gewaltige Rechenkapazität.

Christoph Schumacher

von links: Wanda Andreoni, Leiterin der Gruppe Computational Biochemistry and Materials Science im IBM-Labor; Jay Siegel, Professor am Organisch-Chemischen Institut; Kim Baldridge, neue Professorin am Organisch-Chemischen Institut; Paul Seidler, Leiter Science and Technology beim IBM-Labor; John Robinson, Direktor des Organisch-Chemischen Institutes und Kurt Egli, Leiter Forschungsdienste, IBM-Labor. (Bild: Christoph Schumacher)

Erst vier Jahre alt ist der IBM-Grossrechner, der nun am Organisch-Chemischen Institut der Universität seinen Dienst verrichten wird. In Computerzeitaltern gedacht sind diese vier Jahre eine lange Zeit. Doch vor vier Jahren repräsentierte der 100 Giga-Flops-Rechner in der Schweiz die Spitze in Sachen Rechenleistung und gehörte auch weltweit zu den hundert schnellsten Computern. Die Leistung von 100 Giga-Flops entspricht ungefähr der Leistung von einhundert modernen Desktop-PCs.

Ein schwergewichtiges Elektronenhirn

Auch rein räumlich sind die Masse des Supercomputers beeindruckend: Vier Türme von je zwei Metern Höhe und beinahe vier Tonnen Gesamtgewicht beherbergen insgesamt 128 Prozessoren, welche parallel arbeiten. Diese enorme Rechenleistung wird in erster Linie dazu eingesetzt, um komplexe Simulationen von chemischen Reaktionen durchzuführen. Die verwendete Ab-Initio-Methode simuliert dabei die vielfältigen Eigenschaften der Atome und ihrer chemischen Verbindungen. Im Computerexperiment können so beispielsweise Eigenschaften von unbekannten und noch nicht vorhandenen Molekülen und die Interaktion mit anderen Molekülen erforscht werden. Dank dem Geschenk des IBM-Forschungslabors steht der Universität Zürich nun einiges mehr Rechenleistung für solch rechenintensive Simulationen zur Verfügung, - heutzutage ein rares Gut.

Zielorientierte Grundlagenforschung

Die Anwendungen aus dieser Forschung werden in den verschiedensten Gebieten eingesetzt. «Wir entwerfen hier sozusagen die Ziegelsteine, aus denen Andere dann beispielsweise ein neues Medikament oder ein neuartiges Material entwickeln.», erklärt Jay Siegel, Professor am Organisch-Chemischen Institut, «Es geht eigentlich um Grundlagenforschung, doch es ergeben sich viele praktische Anwendungsmöglichkeiten», sagt er.

Aktive Zusammenarbeit zwischen der Universität und dem IBM-Labor

Die Universität und das IBM-Labor planen in Zukunft eine engere Zusammenarbeit. Lernangebote für Postdoc- und Predoc-Studierende sollen einen regen Austausch zwischen den zwei Institutionen ermöglichen. IBM möchte vermehrt in den Bereich den Life-Sciences vordringen, da dies ein immer wichtiger werdender Forschungszweig sei. Vor allem Wanda Andreoni, Leiterin der Gruppe Computational Biochemistry and Materials Science bei IBM und Kim Baldridge, die ihre Tätigkeit als Professorin an der Universität Zürich im Herbst aufnehmen wird, planen eine enge Zusammenarbeit. Kim Baldridge, gegenwärtig noch als Direktorin von Computational Science am San Diego Supercomputer Center tätig, ist eine Spezialistin auf dem Gebiet der Simulation von molekularen Strukturen mit Hilfe der Quantenmechanik.

Christoph Schumacher ist Mitarbeiter von unipublic, freier Fotograf und Journalist.