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UZH Sustainable

Ein Zürichsee voller Diamanten

Nachhaltigkeit ist längst keine Option mehr, sondern eine konkrete Handlungsaufforderung. Wie die Universität Zürich Verantwortung übernimmt – im Betrieb, in der Lehre, in der Forschung und in der internationalen Klimadebatte – zeigte die Veranstaltung «UZH Sustainable».
Marita Fuchs
Michael Schaepman, Katharina Michaelowa, Gabriele Siegert, Christian Huggel und Zacharias Sautner
Rektor Michael Schaepman, Dekanin Katharina Michaelowa, Vize-Rektorin Gabriele Siegert, Umwelt- und Klimawissenschaftler Christian Huggel und Finanzwissenschaftler Zacharias Sautner (v.l.n.r.) präsentierten den aktuellen Stand der Nachhaltigkeit an der Universität. (Bild: Natalie Fasnacht)

Der jährliche CO₂-Anstieg in der Atmosphäre entspricht umgerechnet 3,6 Gigatonnen Kohlenstoff – eine abstrakte Zahl. Solche Dimensionen lassen sich bisweilen nur mit Bildern begreifen, wie der Rektor der Universität Zürich (UZH), Michael Schaepman, in seiner Begrüssungsansprache am letzten Mittwoch eindrücklich veranschaulichte: Würde man diesen Kohlenstoff zu Diamanten pressen, würden 18 Billiarden Karat entstehen. In den Zürichsee geschüttet, wäre dieser in vier Jahren mit Diamanten aufgefüllt.

Der Event «UZH Sustainable» fand am Mittwoch vergangener Woche in der Aula der UZH statt. Er zeigte den aktuellen Stand der Nachhaltigkeit an der Universität und zog ein interessiertes Publikum an. Studierende wie Vertreter:innen aus Politik und Wirtschaft diskutierten engagiert und stellten viele Fragen.

Nachhaltige Verpflegung

Mit ihrer im Jahr 2019 verabschiedeten Sustainability Policy bekannte sich die UZH zu nachhaltiger Entwicklung. Die Umsetzungsstrategie 2030 definiert konkrete Ziele für die Bereiche Betrieb, Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Austausch, erklärte Vize-Rektorin Gabriele Siegert.

Auch im Alltag wird Nachhaltigkeit sichtbar: In den Mensen und Cafeterias sind vegetarische und vegane Menüs dank eines Preisvorteils von 19 Prozent besonders gefragt. Bis 2024 sanken die Treibhausgasemissionen der Verpflegung bereits um 18 Prozent, so Siegert.

Gabriele Siegert

Die Umsetzungsstrategie 2030 definiert konkrete Ziele für die Bereiche Betrieb, Forschung, Lehre und gesellschaftlicher Austausch.

Gabriele Siegert
Prorektorin Lehre und Studium

In der Lehre setzt die UZH ebenfalls auf nachhaltige Entwicklung: Studiengänge wie der Minor Sustainable Finance, der Bachelor in Sustainability oder das Studienprogramm «Biodiversität» vermitteln relevante Kompetenzen. Im Vorlesungsverzeichnis der UZH werden mit der Funktion «Green VVZ» Lehrveranstaltungen mit Nachhaltigkeitsbezug angezeigt.

Ergänzend fördert die School for Transdisciplinary Studies Formate wie «Sustainability Now!», welche die Studierenden befähigen, gesellschaftliche und technologische Herausforderungen aktiv mitzugestalten.

Eisberge und Bankkonten

Auch in der Forschung bündelt die UZH ihre Aktivitäten systematisch: Ein universitäres Schwerpunktprogramm, fünf Kompetenzzentren und 17 weitere Netzwerke bringen Expertise aus den unterschiedlichsten Disziplinen zusammen.

Am Abend berichteten zwei Forschende exemplarisch über ihre Arbeit: Christian Huggel, Professor für Umwelt und Klima, zeigte auf, welche Auswirkungen Gletscherschmelze, Permafrost-Rückgang und zunehmende Hitzewellen in Städten auf die Umwelt haben und was dagegen unternommen werden kann.

Zacharias Sautner beim Vortrag
Nachhaltiges Investieren könne diese Risiken abfedern und sei zudem wirtschaftlich attraktiv, erklärte Zacharias Sautner. (Bild: Natalie Fasnacht)

Zacharias Sautner, Professor für Sustainable Finance, verdeutlichte, dass Umweltveränderungen direkte Finanzrisiken bergen, etwa durch Regulierung oder ein verändertes Investorenverhalten. Nachhaltiges Investieren könne diese Risiken abfedern und sei zudem wirtschaftlich attraktiv. Beide Vorträge standen stellvertretend für die Vielzahl von Projekten, die Nachhaltigkeit an der UZH interdisziplinär erforschen und praxisorientiert umsetzen.

Nachhaltig unterwegs

Internationalität gehört zur Forschung – und damit auch das Fliegen. 2022 legte die UZH fest, dass die CO₂-Emissionen aus Flugreisen höchstens 60 Prozent des Niveaus von 2018/19 erreichen dürfen. Mit einer jährlichen Senkung von mindestens drei Prozent soll bis 2030 eine Gesamtreduktion von mindestens 53 Prozent angestrebt werden.

Katharina Michaelowa, Dekanin der Philosophischen Fakultät, beim Vortrag
Bei Reisen innerhalb Europas wählen Angehörige der Philosophischen Fakultät zunehmend nachhaltige Verkehrsmittel, sagte Dekanin Katharina Michaelowa. (Bild: Natalie Fasnacht)

Um dieses Ziel zu erreichen, entwickeln die Fakultäten der UZH eigene Instrumente. Die Philosophische Fakultät führte unter anderem eine Lenkungsabgabe von 130 CHF pro Tonne CO₂ sowie einen Fonds zur Förderung klimafreundlicher Reisen ein, wie Dekanin Katharina Michaelowa erläuterte. Erste Effekte zeigen sich bereits: Innerhalb Europas wird deutlich häufiger auf Zug oder Bus umgestiegen – selbst wenn das Reiseziel Griechenland oder Norwegen heisst.

Blick über die UZH hinaus

Die Veranstaltung öffnete den Blick auf die globale Dimension der Nachhaltigkeit, der über die universitären Massnahmen hinaus ging. Unter der Moderation von UZH-Professor Owen Petchey diskutierten der Klimaforscher David Schimel vom NASA Jet Propulsion Laboratory, die ETH-Professorin Sonia I. Seneviratne vom Institut für Atmosphäre und Klima sowie Marco Lambertini, Leiter der Nature Positive Initiative.

David Schimel, Sonia Seneviratne und Marco Lambertini auf dem Podium
Forderten einen Systemwechsel: David Schimel, Sonia I. Seneviratne und Marco Lambertini (v.l.n.r.). (Bild: Natalie Fasnacht)

Lambertini forderte einen grundlegenden Systemwechsel: Trotz klarer Fakten halte die Welt an einem naturzerstörenden Wirtschaftsmodell fest. Wohlstand sei aber ohne intakte Natur nicht denkbar. Seneviratne argumentierte nüchtern: Rund 90 Prozent der CO₂-Emissionen stammen aus fossilen Energien. Der Umstieg auf erneuerbare Energien sei ökologisch notwendig – und zunehmend wirtschaftlich günstiger. Schimel ergänzte selbstkritisch, dass die Wissenschaft sowohl die Dynamik technologischer Fortschritte als auch die Kosten der Klimaschäden unterschätzt habe. Heute zeige sich: Klimaschutz sei kein Verlustgeschäft, sondern Ausdruck ökonomischer Vernunft.