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Inklusion

Sonnenblumen machen unsichtbare Behinderungen sichtbar

Seit 2026 ist die UZH Teil des globalen Netzwerks «Hidden Disabilities Sunflower». Menschen mit unsichtbaren Behinderungen und chronischen Erkrankungen machen dabei dank speziellen Schlüsselanhängern oder Armbändern mit Sonnenblumen auf ihre Bedürfnisse aufmerksam.
Studentin Laura Galli muss mindestens einmal am Tag erklären, dass sie nicht gut hört und von den Lippen ablesen muss. Mit dem grünen Sunflower-Schlüsselanhänger als Erkennungszeichen fallen die Erklärungen weg. (Bild: zvg)

Laura Galli ist ein Sonnenblumen-Fan der ersten Stunde. Kaum hatte die Universität Zürich die Sonnenblumen-Erkennungszeichen des globalen Netzwerkes «Hidden Disabilities Sunflower» ihren Mitarbeitenden und Studierenden an verschiedenen Abgabestellen zur Verfügung gestellt, holte sich die UZH-Studentin einen grünen Bändel mit gelben Sonnenblumen. Seit 2026 unterstützt die UZH mit solchen Aktionen Studierende und Mitarbeitende mit unsichtbaren Behinderungen oder chronischen Krankheiten im Hochschulalltag – unabhängig davon, ob sie diese formell offengelegt haben oder nicht.

Nicht mehr alles erklären müssen

Laura Galli selbst lebt mit einer Hörbeeinträchtigung und ADHS, was manche auf Anhieb gar nicht wahrnehmen würden. «Ich muss mindestens einmal am Tag erklären, dass ich nicht gut höre, von den Lippen ablesen muss und darauf angewiesen bin, dass mein Gegenüber nicht im Gegenlicht steht. Oder dass ich beim Zuhören alle paar Minuten abschweife, weil ich mich nicht lange am Stück konzentrieren kann», sagt die Studentin der Kunstgeschichte und Theologie. «Mit diesem grünen Schlüsselanhänger als Erkennungszeichen muss ich mich nicht mehr erklären. Meine Gesprächspartner:innen sollten dann wissen, dass ich eine unsichtbare Behinderung habe.»

Ziel des globalen Netzwerkes «Hidden Disabilities Sunflower» ist es, unsichtbare Behinderungen und chronische Krankheiten sichtbar zu machen, Vorurteile abzubauen und das Verständnis der Mitmenschen zu steigern. Zum Beispiel, dass nicht jede junge Person im Bus ihren Sitzplatz älteren Menschen freigeben kann, weil sie selbst vielleicht motorische Schwierigkeiten hat. Oder dass in einem Sitzungsraum das Licht etwas gedimmt werden sollte, damit es bei reizempflindlichen Personen nicht zu Reizüberflutungen kommt und sie sich besser konzentrieren können. Tragen solche Personen dann einen grünen Bändel mit Sonnenblumen, reicht es zu sagen: «Könntet ihr bitte das Licht etwas dimmen? Besten Dank!». Eine Begründung braucht es dann nicht mehr. «Es ist sehr kräftezehrend, sich immer erklären zu müssen», weiss auch Laura Galli.

Keine Stigmatisierung, sondern mehr Austausch

Aber stigmatisieren sich Menschen mit unsichtbaren Behinderungen oder chronischen Krankheiten nicht, wenn sie sich so offen zeigen? «Nein», findet Galli, «das Tragen eines solchen Erkennungszeichens ist ja freiwillig und sehr persönlich. Für mich ist es wichtig, weil ich damit signalisieren kann: Ich brauche in der jetzigen Situation gerade dies und jenes. Oder: Nehmt es bitte nicht persönlich, wenn ich vielleicht nicht ganz so reagiere, wie ihr es erwartet.» Für die Studentin ist der Sonnenblumen-Anhänger ein Mittelweg, um nicht ständig ihre Beweggründe erklären zu müssen. Sie hofft, dass irgendwann so viel Offenheit und Verständnis vorhanden sind, dass es die grünen Bändel gar nicht mehr braucht.

Gerne würde Galli auch sehen, dass mehr Leute in ihrem Umfeld ein weisses Band mit Sonnenblumen tragen würden – ein sogenanntes «Supporter»-Armband. Dieses signalisiert die Bereitschaft zur Unterstützung und ein gewisses Mass an Sensibilisierung. Voraussetzung für das Tragen des Supporter-Armbands ist, dass man vorgängig ein Trainingsvideo anschaut. «Wenn etwa Dozierende solche weissen Erkennungszeichen tragen würden, hätte ich auch weniger Hemmungen, nach der Vorlesung auf sie zuzugehen. Dann könnte ich ihnen sagen, dass es für mich sehr anstrengend ist, wenn sie in Richtung Tafel reden und nicht zum Publikum.» So käme man mehr in den Austausch, meint Galli, und könne auf seine Anliegen aufmerksam machen.

Mehr Offenheit und Respekt

Für Laura Galli sind die Sonnenblumen-Accessoires keine Stigmatisierung. Im Gegenteil, sie dienen als Impulsgeber für mehr Austausch und für einen respektvollen Umgang untereinander. Sie hofft, dass die Erkennungszeichen zu mehr Offenheit beitragen und helfen, Vorurteile gemeinsam abzubauen. So werden andere für die Anliegen von Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen sensibilisiert.