Potenzielle Energiemangellage

Gut vorbereitet

Auch im Falle eines Energiedefizits will die UZH Lehre und Forschung so lange wie möglich aufrecht erhalten. Doch wie kann ihr das gelingen?

Patrizia Widmer

Studierende vor dem Hauptgebäude der UZH.
Was der UZH momentan in die Hände spielt: Sie hat sich in den letzten Jahren bereits intensiv mit ihrem Energieverbrauch auseinandergesetzt. (Bild: Pascale Albrecht)


«Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Energiemangellage eintritt, ist im Moment vielleicht nicht sehr hoch, aber eben nicht null. Darum müssen wir uns darauf vorbereiten», erklärt Steve Jürkel, Leiter des Mangellagen-Managements der UZH.

Analog zum Management während der Corona-Pandemie hat die UZH ein Team zur Steuerung eines möglichen Energieengpasses aufgebaut. Steve Jürkel leitete bereits während der Corona-Pandemie das Krisen-Management und übernimmt diese Aufgabe auch im Fall der Energiekrise. Zusätzlich wurde eine wissenschaftliche Begleitgruppe gebildet, die sich aus Sicht der Forschung dem Energieproblem widmet.

Einerseits will die UZH drastische Massnahmen vermeiden und spart bereits jetzt Energie. Andererseits bereitet sich die Universität auf den Fall von Kontingentierungen und Netzabschaltungen vor, um materielle, immaterielle und finanzielle Schäden weitgehend zu vermeiden.

Die bisherigen Massnahmen

Als kantonale Institution setzt die UZH die Energiesparmassnahmen des Zürcher Regierungsrates um. Zusammengefasst bedeutet das: Die Aussen- und Innenbeleuchtung der UZH wird reduziert, soweit sie nicht sicherheitsrelevant ist. Vorhandene Zweistoffanlagen werden mit Öl betrieben anstatt mit dem knappen Gas. Und die Zieltemperatur in Liegenschaften beträgt 20° C.

Zudem werden alle UZH-Angehörige seit September zu individuellen Sparmassnahmen aufgefordert: «Sparen Sie ein, wo es nicht weh tut», empfiehlt Steve Jürkel. Geräte sollen nicht im Standby-Modus laufen, Kühl- und Tiefkühlschränke sollen wo möglich gemeinsam genutzt werden, um vielleicht einige Geräte abschalten zu können. Ausserdem spart es grundsätzlich Energie, wenn Kühlgeräte regelmässig abgetaut werden. «Mit solchen kleinen Massnahmen hat man schon einen grossen Hebel», betont der Leiter des Krisen-Managements.

Was der UZH momentan in die Hände spielt: Die UZH hat sich in den letzten Jahren bereits intensiv mit ihrem Energieverbrauch auseinandergesetzt. Daraus resultierten wichtige Effizienzsteigerungen. Neue Forschungsgeräte benötigen weniger Strom als vergleichbare Altgeräte. Zudem wurden in den letzten fünf Jahren ein Grossteil der Glühbirnen durch energiesparende LEDs ersetzt.

Falls sich die Lage zuspitzt

Die Gewährleistung der Energieversorgung hängt davon ab, wie kalt der Winter wird, wieviel Strom und Gas importiert werden kann und ob unerwartete Ereignisse dazukommen. Das Krisenmanagement erstellte verschiedene Szenarien, je nachdem wieviel Strom noch verfügbar wäre. Die einzusparende Energiemenge würde durch die kantonalen Energieversorger angeordnet werden. Die Sparszenarien wurden darauf ausgerichtet, dass das Kerngeschäft der UZH – Lehre, Forschung und klinische Versorgung – soweit und so lange wie möglich geschont und aufrechterhalten werden kann.

Würde sich die Lage zuspitzen und käme es zu Kontingentierungen, wären als erstes Einsparungen bei den Sporteinrichtungen und beim Parkhaus denkbar. Ausserdem könnten ganze Gebäude im Verwaltungsbereich geschlossen werden. Klar ist: Kontingentierungen würden weitere Einschränkungen erforderlich machen. «Im Moment sind wir aber noch weit von solchen Massnahmen entfernt», relativiert Steve Jürkel.

Wenn tatsächlich das Licht ausgehen sollte

Das letzte Mittel des Bundes nach den Kontingentierungen des Stromverbrauchs für Grossverbraucher wie die UZH, wäre die zyklische Abschaltung des Stromnetzes für alle. Auch auf diesen Ernstfall bereitet sich die UZH vor.

Würde es tatsächlich zu zyklischen Abschaltungen kommen, wäre eine massive Beeinträchtigung des Kernbetriebs unvermeidbar. Es würde vor allem darum gehen, Schäden für die UZH abzuwenden. In diesem Ernstfall könnte aber der Campus Irchel als Notfall-Campus weiterbetrieben werden. «Wir haben auf dem Irchel vier Notstrom-Generatoren, die in der Lage sind, den Campus komplett zu versorgen», sagt Jürkel. Kraftstoffreserven seien schon in grossen Mengen eingekauft worden und die Notstrom-Aggregate wurden getestet. Forschende könnten dann zum Beispiel ihre Proben zur sicheren Kühlung an den Irchel bringen, um Schäden zu vermeiden.

Die Tücken des Energiesparens

An der UZH ist die Regelung der Gebäudetemperatur auf genau 20°C gar nicht so einfach. Besonders bei älteren Gebäuden sei es technisch unmöglich, alle Räume exakt zu regeln, erklärt Jürkel.

Eine weitere Knacknuss ist zudem, dass 75 - 80% des Stromverbrauchs der UZH sogenannter Betriebsstrom ist, der also aktiv für den Betrieb der Universität genutzt wird. Dieser wird vor allem in der Forschung verbraucht, etwa für Forschungsgeräte, Lüftungen und Gefrierschränke. Soll die Forschung im gewohnten Umfang weiterlaufen, kann in diesem Bereich kaum gespart werden.

«In der Forschung gibt es tatsächlich Maschinen, die man faktisch kaum abschalten kann. Zum Beispiel Magnetresonanztomographen (MRT)», sagt Steve Jürkel. Würde man sie unkontrolliert abschalten, würde das grosse finanzielle Schäden verursachen. Würde es zu zyklischen Abschaltungen kommen, bräuchten einige Geräte eine unterbrechungsfreie Stromversorgung durch Batterien oder Generatoren.

Alle sind gefragt

Steve Jürkel ermutigt Forschende, Initiative zu ergreifen und Massnahmen eigenständig umzusetzen. So könnten sich Teams mit benachbarten Labors einen Kühlschrank teilen, wenn der eigene nicht vollständig genutzt wird oder auch andere Forschungsgeräte gemeinsam nutzen. Autoklaven zum Sterilisieren von Instrumenten könnten weniger häufig und nur vollständig gefüllt in Betrieb genommen werden.

In der Lehre sieht Jürkel neben den bereits allgemein bekannten Tipps weniger Sparmöglichkeiten: Licht löschen, Geräte ausschalten, richtig lüften, Türen schliessen, Treppen benutzen und Heizung runterdrehen.

«Energiesparen ist ein gesamtgesellschaftliches Thema», unterstreicht der Leiter des Krisen-Managements. Alle wären betroffen, wenn es zu zyklischen Abschaltungen kommen würde. Diese würden nämlich nicht nur die UZH, sondern auch die Privathaushalte treffen. Deswegen zählt jeder Beitrag, wie klein er auch sein mag.

Wäre es angesichts der Energiesparvorgaben sinnvoll, wenn sich Studierende ins Homeoffice zurückziehen würden? «Nein. Zieht euch warm an, aber kommt an die Universität, so lange es möglich ist. Das ist euer Recht.», empfiehlt Jürkel.

Patrizia Widmer, Redaktorin UZH Kommunikation