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Neue Universitätsbibliothek

«Bei meiner Arbeit geht es um Menschen»

Seit einem Jahr wirkt Rudolf Mumenthaler bereits hinter den Kulissen am Aufbau der neuen Universitätsbibliothek (UB Zürich) mit. Ab 2022 wird er die UB Zürich als Direktor leiten. Im Interview spricht er über seine Arbeitserfahrungen, die dringlichsten Aufgaben und über sein Verhältnis zum Buch
Nathalie Huber

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Rudolf Mumenthaler sagt: «Die Kommunikation in alle Richtungen und das Ernstnehmen der Beteiligten ist enorm wichtig.»

Herr Mumenthaler: Was ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Erfolgsfaktor einer modernen Bibliothek?

Dass sie sich an den Wünschen und Bedürfnissen ihrer Zielgruppen ausrichtet und sich entsprechend weiterentwickelt. Dazu braucht es motivierte, mitdenkende und engagierte Mitarbeitende.

Welchen Anforderungen muss denn die UB Zürich gerecht werden?

Interessant ist, dass die Ansprüche an die UB je nach Fachbereich sehr unterschiedlich sind. Es gibt nicht eine Lösung, die man dann für alle ausrollen kann. Entscheidet man etwa, alle Bücher zu digitalisieren, ist das für die Geisteswissenschaften nicht ideal, da das physische Buch für sie nach wie vor ein zentrales Arbeitsinstrument ist. Neben einer passenden Informationsversorgung spielt auch die Umgebung eine immer wichtigere Rolle. So wollen Studierende eine gute Infrastruktur, Räume, in denen sie in Ruhe lernen können, von anderen Studierenden umgeben sind oder auch in Gruppen zusammenarbeiten können. Wesentlich ist dabei, dass sich diese Anforderungen ständig verändern und wir uns als Bibliothek entsprechend weiterentwickeln werden.

2017 haben Sie die Direktion der Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern übernommen und dort eine Strategie- und Organisationsentwicklung durchgeführt. Inwiefern nützen Ihnen diese Erfahrungen für Ihre Aufgabe an der neuen UB?

An der ZHB Luzern konnte ich verschiedene Konzepte und Ansätze ausprobieren. Dabei habe ich erfahren, dass es sehr gut funktioniert, wenn die Mitarbeitenden aktiv einbezogen werden und sich einbringen können. An der UB Zürich konnte und kann ich auf diesen Erfahrungen aufbauen.  

Seit einem Jahr wirken Sie mit am Aufbauprojekt der neuen Universitätsbibliothek. Welches sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse aus dem vergangenen Jahr?

Die Kommunikation in alle Richtungen und das Ernstnehmen der Beteiligten ist enorm wichtig. Das gilt sowohl für die Mitarbeitenden in einer persönlich sehr unsicheren Situation wie auch für die Universitätsangehörigen, die sich Sorgen über die Zukunft «ihrer» Bibliothek machen. Meine wichtigste Aufgabe war bis anhin, den Menschen zuzuhören, ihre Wünsche und Sorgen zu verstehen und darauf einzugehen – immer mit dem Blick auf das grosse Ganze. Es geht nicht darum, Partikularinteressen durchzusetzen, sondern gemeinsam eine neue Universitätsbibliothek aufzubauen – und dies in enger Koordination mit der ZB.

Die rund 150 Mitarbeitenden der verschiedenen Bibliotheken der UZH haben seit Jahresbeginn neue Arbeitsbedingungen, bei einigen verändert sich auch ihr Arbeitsbereich. Wie haben Sie all Ihre Mitarbeitende ins Boot geholt?

Es wäre wohl anmassend zu sagen, ich hätte alle Mitarbeitenden ins Boot geholt. Aber ich stelle mit Freude fest, dass sich die allermeisten auf diese gemeinsame Reise eingelassen haben. Nicht alle mit derselben Begeisterung, aber ich kann die Skepsis durchaus verstehen. Es ist wichtig, dass Kritik und Vorbehalte ernstgenommen werden. Die Mitarbeitenden kennen die Situation vor Ort am besten und die Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer. Diese Stimmen wollen wir in die Entwicklung der UB einfliessen lassen.

Persönlich sehr gefreut hat mich, dass beim Stellenbesetzungsverfahren alle Mitarbeitenden mit ihren zukünftigen Stellenprofilen einverstanden waren und diese unterzeichnet haben. Das werte ich als grossen Erfolg.

Welches sind die dringlichsten Aufgaben, die Sie jetzt mit Start der neuen UB anpacken werden?

Erste Priorität hat die Umsetzung des Standortkonzepts. Die bisherigen kleinen Einheiten der Institutsbibliotheken gehen in etwas Grösserem auf. Wir konzentrieren die Medienbearbeitung auf Teams, die sich darin professionalisieren sollen. Und die Benutzung wird neu organisiert. Das bedingt intern grössere Umstellungen. Auch das Mindset der Beteiligten darf sich noch etwas verändern, in diesem Sinne, dass man sich als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter der UB Zürich als Ganzes versteht.

Wie wollen Sie diese Einstellung verändern?

Man muss das auf allen Stufen vorleben und mit den Mitarbeitenden sprechen. Wir haben bereits verschiedene Massnahmen zur Teamentwicklung ergriffen. Ein wichtiger Aspekt dabei wird die zukünftig engere Zusammenarbeit mit der Zentralbibliothek (ZB). Wir haben beispielsweise bereits gemeinsam einen Produktkatalog für die UZH entwickelt und die Service Level Agreements im Namen beider Bibliotheken mit den Fakultäten abgeschlossen. Auch die sogenannten Liaison Librarians werden eine entscheidende Rolle spielen. Durch diese neue Funktion entstehen gemischte Teams – aus Mitarbeitenden der UB und der ZB. Das ist ein grosser Schritt für viele.

Was für ein Verhältnis haben Sie zum Buch?

Ein entspanntes: Ich lese gerne. Aber die Frage irritiert mich schon etwas: Weshalb sprechen Sie mich auf das Buch an?

Nun, Sie arbeiteten an und für diverse Bibliotheken und waren an der Fachhochschule Graubünden Professor für Bibliothekswissenschaft. Bücher spielen in Ihrem Leben doch eine zentrale Rolle – oder?

Ja, aber ich hatte meistens Funktionen in Bibliotheken inne, bei denen ich nicht mit Büchern zu tun hatte – beispielsweise Spezialsammlungen oder Innovationsmanagement. Ausserdem befasste ich mich bereits früh mit der Digitalisierung und kümmerte mich um Neuerungen für Bibliotheken. Ich würde es so fassen: Bei meiner Arbeit geht es weniger um Bücher, sondern um Menschen. Und zu diesen habe ich ein sehr gutes Verhältnis. Sie interessieren mich, faszinieren mich, und ich lerne ständig dazu.

Was findet sich in Ihrer privaten Bibliothek?

Von einer Bibliothek zu sprechen, wäre etwas vermessen. Da ich mich beruflich viel in Bibliotheken aufhalte, habe ich nicht das Bedürfnis auch privat eine solche anzulegen. Ich habe schon Bücher zu Hause, aber ich sammle sie eigentlich kaum. Jedoch ist die inhaltliche Bandbreite gross: vom botanischen Sachbuch, etwa der Flora Helvetica, über Krimis bis hin zu eher philosophischen Werken. Das Thema Mann-Sein in unserer Gesellschaft interessiert mich beispielsweise sehr.

Verraten Sie uns Ihre drei Lieblingsbücher? 

Als Klassiker: «Der Meister und Margarita» von Michail Bulgakow. Mit diesem Buch habe ich mich bereits in meinem Studium und für die Lizentiatsprüfung in Russistik an der UZH befasst – es fasziniert mich noch immer. Bei den Kriminalromanen gefällt mir der schwedische Autor Hakan Nesser am besten, insbesondere die Kommissar Van Veeteren-Reihe mit dem Schluss «Sein letzter Fall». Fasziniert hat mich auch Haruki Murakamis «Kafka am Strand». 

Buch, iPad oder E-Reader?

iPad und Buch, in dieser Reihenfolge: Das iPad mit der Kindle-App nutze ich, um Romane sowie Sachbücher für den Alltag unterwegs zu lesen. Gedruckte Bücher mit besonderen Inhalten sind für das Lesen zu Hause auf dem Sofa – und fürs Büchergestell. E-Reader habe ich einige ausprobiert, aber das iPad ist für mich am bequemsten, weil es immer dabei ist und ich auch andere Inhalte mobil konsumieren kann.

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