Coronavirus

Daten für ein flexibles Pandemie-Management

Corona-relevante Daten können dem Pandemie-Management der UZH während des Herbstsemesters zu einer besseren Übersicht verhelfen. Damit das gelingt, werden Studierende und Mitarbeitende gebeten, ihre Daten in anonymisierter Form zur Verfügung zu stellen. Die Informationen werden im Rahmen eines wissenschaftlichen Pilotprojekts ausgewertet.

Nathalie Huber

Datenspende
Datenspende
Studierende und Mitarbeitende können im Rahmen eines Pilotprojekts ihre Corona-relevanten Daten für das Pandemie-Management der UZH zur Verfügung stellen. (Bild: Datenkooperation CH)

 

Die Delta-Variante breitet sich in der Schweiz rasant aus und die Fallzahlen steigen täglich. Drohen bald wieder schärfere Corona-Massnahmen? Diese Frage beschäftigt auch die Universität Zürich. Vorderhand stehen die Ampeln auf Grün. Gemäss aktueller Planung werden die Lehrveranstaltungen im kommenden Herbstsemester im Präsenzunterricht stattfinden, und die Mitarbeitenden arbeiten ab Ende August mehrheitlich wieder vor Ort.

«Unser Ziel ist es, unter Einhaltung der kantonalen und nationalen Richtlinien, den Studierenden und Mitarbeitenden einen möglichst sicheren Lehrbetrieb und Arbeitsort zu bieten», sagt Steve Jürkel, Leiter Pandemie-Management UZH. Um das zu gewährleisten, und verlässliche Daten für die Planung zu finden, hat die Universitätsleitung Anne Scherer, Professorin für Quantitatives Marketing an der UZH, die mit der Stiftung Risiko-Dialog zusammenarbeitet, sowie das Pandemie-Management der UZH um Steve Jürkel beauftragt, wissenschaftlich zu untersuchen, ob und in welchem Umfang die Schweizer Bevölkerung dazu bereit ist, ihre Daten in Krisensituationen wie der gegenwärtigen Pandemie zur Verfügung zu stellen. Dazu haben sie bereits gemeinsam im Konsortium «Datenkooperation CH» eine Vorstudie durchgeführt. (siehe Kasten)

Win-win-Situation

Die Pandemie-Planung der UZH ist nun ein erstes reales Fallbeispiel, anhand dessen Anne Scherer die Resultate aus ihrer Vorstudie überprüfen wird. «Wir wollen in unserem Pilotprojekt herausfinden, ob im konkreten Fall UZH-Angehörige gewillt sind, freiwillig ihre Corona-relevanten Daten für das Pandemie-Management nutzbar zu machen.» Für Steve Jürkel, Leiter des Pandemie-Managements der UZH ist es wichtig, konkrete Daten für die Planung und Durchführung des kommenden Semesters zu bekommen. Eine Win-win-Situation.

Bis anhin standen der Universitätsleitung persönliche Corona-relevante Daten nicht zur Verfügung. Das kann sich jetzt ändern, indem UZH-Studierende und -Mitarbeitende ihre Daten im Rahmen des wissenschaftlichen Pilotprojekts zur Verfügung stellen. Diese Daten können annähernde Antworten geben auf konkrete Fragen: Können Lehrveranstaltungen vor Ort ohne Schutzmassnahmen durchgeführt werden? Mit welchen Benutzendenzahlen ist in den gemeinschaftlich genutzten Räumen wie Kantinen oder Cafeterias zu rechnen? Wie hoch ist die Durchimpfungsrate, und wie viele Personen zählen zu den Risikogruppen?

Keine Rückschlüsse möglich

Die von den UZH-Angehörigen eingereichten Daten werden dem dem Pandemie-Management der UZH ausschliesslich in aggregierter und anonymisierter Form zugestellt. «Es sind keine Rückschlüsse auf Personen möglich. Wir haben sehr viel Zeit investiert, um die datenschutzrechtlichen Bedingungen zu klären und die ethischen Anforderungen zu definieren», so Anne Scherer (zum Vorgehen siehe unten).

Der Situation angepasste Entscheidungen

Gestützt auf die im Pilotprojekt erhobenen Daten, kann sich das Pandemie-Management der UZH kontinuierlich ein möglichst genaues Lagebild über die Situation an der UZH machen und flexibler auf die pandemische Entwicklung reagieren. «Wir werden präzisere Entscheide treffen können – vorausgesetzt natürlich, dass sich eine repräsentative Zahl an Studierenden und Mitarbeitenden am Pilotprojekt beteiligt», sagt Steve Jürkel.

Wie kann ich die UZH mit meinen Daten unterstützen?

  • Mitarbeitende und Studierende haben von der UZH via Mail eine Einladung zur Teilnahme am Pilotprojekt «Daten für ein flexibles Pandemie-Management» erhalten.
  • Wer teilnimmt, füllt einen ersten achtminütigen Fragebogen aus und nimmt anschliessend regelmässig bis Ende Dezember an einer Online-Kurzbefragung teil. Diese dauert jeweils ca. vier Minuten. Erfragt werden Gesundheitszustand, Impfstatus sowie Aufenthalte an der UZH. Die Befragung wird vom externen Forschungsinstitut intervista durchgeführt.
  • Sämtliche Angaben des Fragebogens werden von intervista bearbeitet, nur in aggregierter oder anonymisierter Form analysiert und an die UZH übermittelt. Nach Projektende werden die Daten bei intervista gelöscht.
  • Teilnehmende haben absolute Transparenz darüber, was mit ihren Daten geschieht. Sie werden regelmässig über die Untersuchungsergebnisse informiert. Siehe: Teilnahmebedingungen und Informationen zum Datenschutz.

Vorstudie von Anne Scherer

Die empirische Vorstudie von Professorin Anne Scherer wurde gemeinsam mit dem Konsortium «Datenkooperation CH» durchgeführt. Das Konsortium setzt sich – neben UZH-Professorin Anne Scherer und ihrer Doktorandin Claudia Wenzel – aus der Stiftung Risiko-Dialog sowie der Organisation Swiss Data Alliance zusammen. In ihrer Vorstudie untersuchte das Konsortium, in welchem Umfang die Schweizer Bevölkerung dazu bereit ist, ihre Daten zur Krisenbekämpfung zur Verfügung zu stellen. Die repräsentative Umfrage zeigte, dass über 60 Prozent der Befragten zu einer Datenspende bereit sind. Im Falle einer Pandemie beispielsweise waren die Teilnehmenden mehrheitlich gewillt, Gesundheitsdaten zu spenden. Ausserdem war ein Grossteil der Befragten der Ansicht, dass Bund bzw. Behörden oder Forschungseinrichtungen die Infrastruktur für eine Datenspende bereitstellen sollten.

Schlussbericht Vorstudie: Datenkooperation CH / COVID-19

Nathalie Huber, Redaktorin UZH News

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