Policy genehmigt

Open Science kommt in Fahrt

Die Universitätsleitung hat die Open Science Policy genehmigt. Die Richtlinien sind ein wichtiger Schritt, um eine offene Wissenschaftskultur an der UZH als Standard zu etablieren.

Stefan Stöcklin

open science
Die Universität übernimmt eine Vorreiterrolle und geht konsequent den Weg Richtung Open Science.

 

Auf dem Weg zu Open Science macht die Universität Zürich einen grossen Schritt vorwärts. An ihrer Sitzung vom 28. September 2021 hat die Universitätsleitung die Open Science Policy genehmigt, um eine offene Wissenschaftskultur künftig als Standard zu etablieren. «Open Science gehört der Zukunft. Sie ist Vision und Zielsetzung, die wir in den kommenden Jahren Schritt für Schritt realisieren möchten», sagt Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung.

Statt auf Vorschriften setzt die Policy auf Empfehlungen an die Forscherinnen und Forscher. Es werde erwartet, wie es im Regelwerk heisst, dass die Grundsätze des offenen Austauschs, der Transparenz und der Reproduzierbarkeit von Daten und Forschungsprojekten im Alltag umgesetzt werden. «Wir wollen eine Vorreiterrolle übernehmen und konsequent den Weg Richtung Open Science gehen, den swissuniversities und die League of European Research Universities vorgezeichnet haben», betont Rektor Michael Schaepman. Erarbeitet wurde die Policy von der Open-Science-Kommission und dem Open-Science-Team in Zusammenarbeit mit dem Prorektorat Forschung.

Publikationen - kostenlos, digital und online

Open Science hat zum Ziel, «alle Arten von wissenschaftlichen Leistungen – seien es Daten, Ergebnisse, Methoden oder Software – der Öffentlichkeit zugänglich zu machen», wird in der Policy einleitend festgehalten. Der öffentliche und freie Zugang zu diesen wissenschaftlichen Leistungen und Publikationen ist deshalb ein Kernanliegen. Im Detail wird beschrieben, wie dieser Vorgabe Rechnung getragen werden kann. So sollten Publikationen frei von Urheberrechts- und Lizenzierungsbeschränkungen kostenlos, digital und online zur Verfügung gestellt werden.

Es werden verschiedene Open-Access-Optionen empfohlen, die je nach Situation genutzt werden können. Ein weiterer Schwerpunkt der Policy betrifft die Forschung, genauer die Forschungsmethoden. Die verwendeten Ansätze sollen Reproduzierbarkeit, Transparenz, Effizienz und Robustheit gewährleisten. Im Sinne der Effizienz sollen künftig auch negative oder unbeabsichtigte Ergebnisse veröffentlicht werden, um Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

Zusätzlich zu den Themen offener Zugang und Forschungsmethoden behandelt die Policy als weiteren Schwerpunkt den Kulturwandel, den Open Science mit sich bringen wird: Eine offene und faire Wissenschaftskultur bedingt auch offene Forschungsinstitutionen. Das wirkt sich unter anderem auf die Evaluation von Forschungsleistungen sowie auf die Karriereförderung aus. Die Policy bezieht sich in diesem Bereich auf die San-Francisco-Deklaration zur Forschungsbewertung (Declaration on Research Assessment/DORA), die von der UZH bereits 2014 unterzeichnet worden ist. Gemäss dieser Erklärung sollte auf bibliometrische Kennzahlen wie Impact-Faktoren zugunsten eines ganzheitlichen Ansatzes verzichtet werden.

UZH-Angehörige haben sich eingebracht

Die Policy ist das Ergebnis eines Mitwirkungs-Verfahrens. Im Herbst 2020 konnten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Studentinnen und Studenten einen Entwurf zur Open-Science-Policy kommentieren. Über 2000 UZH-Angehörige beteiligten sich an der Befragung, Fakultäten und Institute brachten ihre Meinungen ein. «Eine überwältigende Mehrheit begrüsste den vorgeschlagenen Weg hin zu einer offenen Wissenschaftskultur», betonen Katherine Hermans und Manuela Höfler, die Co-Leiterinnen der Open Science Geschäftsstelle.

Geäussert wurden aber auch Bedenken und Befürchtungen: So dürfe Open Science die zukünftigen Anstellungschancen der Forschenden nicht gefährden. Und die unterschiedlichen Anforderungen der einzelnen Fachbereiche seien in der Umsetzung zu beachten. Viele Kommentare wiesen zudem darauf hin, dass die anvisierten Veränderungen der Wissenschaftskultur Zeit und Ressourcen benötigten. Aufgrund der Rückmeldungen enthält die Policy nun Empfehlungen statt strikter Vorgaben. «Mit dem Mitwirkungsverfahren haben wir eine gemeinsame Grundlage für die Realisierung von Open Science geschaffen», sagen die Co-Leiterinnen.  

Begleitende Massnahmen

Nach der Verabschiedung durch die Universitätsleitung beginnt nun die Phase der Realisierung der Open Science Policy. Der mehrjährige Prozess soll durch einen Umsetzungsplan begleitet werden, der zurzeit in Arbeit ist. Unter anderem baut die UZH verschiedene Fördermassnahmen wie zum Beispiel Unterstützung im Datenmanagement oder Open Access Schulungskurse auf. Weiter ist geplant, Open-Science-Aktivitäten von Bewerberinnen und Bewerbern künftig systematisch zu erfassen und in Einstellungsverfahren zu berücksichtigen.

Die Massnahmen erfolgen in Abstimmung mit der Nationalen Open-Access-Strategie sowie der diesen Sommer veröffentlichten Nationalen Strategie für Forschungsdaten von swissuniversities. Die Policy bietet konkrete Empfehlungen, um Wissenschaft überprüfbar, effizient und für alle zugänglich zu machen. Mit der Genehmigung hat die UZH einen grossen Schritt Richtung offene Wissenschaft gemacht. Die eigentliche Arbeit beginnt nun mit der Realisierung.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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