Neues Laborgebäude auf dem Campus Irchel

Hier beginnt die Zukunft

Lichtdurchflutete Räume und topmoderne Infrastruktur: Das neue Laborgebäude UZI 5 auf dem Campus Irchel bietet attraktive Arbeitsplätze für die Spitzenforschung in der Chemie und den Bio-Wissenschaften. Heute wird der Neubau offiziell eingeweiht, gestern wurde er an einer Führung den Medien vorgestellt.

Roger Nickl

Neues Laborgebäude Bildergalerie
Elegant, hell und flexibel nutzbar: Das neue Laborgebäude UZI 5 setzt neue Standards. (Bild: Luca Zanier)

 

Der Campus Irchel der Universität Zürich ist um einen grossen, topmodernen Gebäudekomplex reicher: Der neue Laborbau UZI 5 fügt sich organisch in die Gestaltung des Campus ein und ist mit den benachbarten Bauten direkt verbunden. Er besteht aus einem eingeschossigen und zwei sechsgeschossigen Baukörpern und besticht durch grosszügige Fensterfronten, die für Transparenz und viel Tageslicht sorgen.

Auf einer Hauptnutzfläche von rund 18'000 Quadratmetern bietet UZI 5 Platz für Labors, Büros, Sitzungsräume und Begegnungszonen. Elegante, an moderne Skulpturen erinnernde Wendeltreppen verbinden die Stockwerke, speziell beschichtete Lamellen an der Aussenhaut des Gebäudes schützen vor zu viel Sonne, und Photovoltaik auf dem Dach sorgt für nachhaltige Energie. Ein begrünter Hof mit Sitzflächen lädt zudem zum Innehalten ein.

Ein Haus, vollgepackt mit Technik: Das neue Laborgebäude im Video-Porträt.

Meilenstein für die UZH

UZI 5 ist nach zwanzig Jahren der erste Neubau auf dem Areal des Irchel-Campus. Die ersten vier Bauetappen fanden in den 1970er- bis 1990er-Jahren statt. 2007 wurde der Projektwettbewerb für den Neubau der fünften Bauetappe durchgeführt, zehn Jahre später fuhren die Bagger auf, nun ist UZI 5 bezugsbereit. Gestern wurde der Neubau anlässlich eines Rundgangs den Medien vorgestellt.

«Der Laborbau UZI 5 markiert in verschiedenster Hinsicht einen Meilenstein für die UZH», sagte UZH-Rektor Michael Schaepman an der gestrigen Medienführung, «zum einen kommen wir damit der baulichen Erneuerung des Campus Irchel einen grossen Schritt weiter; zum anderen schaffen wir mit diesem hochmodernen Gebäude Grundlagen für die künftige Spitzenforschung.»

Flexibles Baukastensystem

Das Thema Nachhaltigkeit war bei der Planung und beim Bau des Hightech-Gebäudes für die Wissenschaft zentral, hielten François Chapuis, Direktor Immobilien und Betrieb der UZH, und Hans-Claus Frei, Abteilungsleiter im Hochbauamt des Kantons Zürich, fest. Einerseits ist der Laborbau nach dem energieeffizienten Minergie-Standard gebaut, andererseits sorgt ein modulares Raumkonzept für eine nachhaltige Nutzung. 

Denn nicht nur die Natur, sondern auch die Wissenschaft ist der Evolution unterworfen. So lässt sich heute kaum sagen, welches die Bedürfnisse der Forschenden von morgen sein werden. Aus diesem Grund hat die Projektleitung der UZH und des kantonalen Hochbauamts für das neue Gebäude ein innovatives, flexibles Laborkonzept im Baukastensystem entwickelt und umgesetzt. Dank diesem können Wände relativ einfach versetzt und Labormodule ausgetauscht werden. Das ermöglicht es, in Zukunft auf neue Anforderungen von Forschenden zu reagieren.

Sichere Batterien und medizinische Informatik

Den grössten Teil des neuen Laborbaus wird künftig das Institut für Chemie nutzen. Die Chemie sei heute mehr denn je eine experimentelle, geräteintensive Wissenschaft, die ohne Hightech-Labors nicht betrieben werden könne, betonte Michael Schaepman. Die bisherigen, in die Jahre gekommenen Räumlichkeiten der Chemikerinnen und Chemiker konnten den Forschungsbetrieb nicht mehr zureichend gewährleisteten. Zudem hat der Fachbereich Chemie – wie die Naturwissenschaften ganz allgemein – in den letzten Jahren ein besonders starkes Wachstum der Studierendenzahlen verzeichnet und ist deshalb auf mehr Raum angewiesen.

Neben dem Institut für Chemie werden auch die Institute für Quantitative Biomedizin und für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften in den Neubau einziehen. Damit sollen Synergien genutzt und bestehende Kooperationen vertieft werden.

Die Chemikerinnen und Chemiker werden im neuen Gebäude Grundlagenforschung mit nachhaltigen Anwendungen verbinden und unter anderem sichere Batterien für erneuerbare Energien und Medikamente für gesundes Altern erforschen. Die Arbeit am Institut für Quantitative Biomedizin verbindet medizinische Grundlagenforschung mit translationaler Forschung und medizinischer Informatik. Das Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften wiederum untersucht unter anderem die Nachhaltigkeit in verschiedenen Ökosystemen.

Speziallabors im Untergeschoss

«Mit UZI 5 beginnt die Zukunft», sagte Roland Sigel. Für den Chemiker und Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH setzt das Gebäude ganz neue Standards für die chemische und biologische Spitzenforschung heute und morgen. Grund dafür sind die hochmodernen, flexiblen Labors und die smarte Raumaufteilung in Lab- und Non-Lab-Bereiche, aber vor allem auch die Speziallabors im Untergeschoss des Neubaus. 

Dort sind Forschungsbereiche wie die Laser- oder die Radiochemie, aber auch die für die biologische und chemische Forschung äusserst wichtige Analytik wie Röntgenkristallographie, Massenspektroskopie (MS) und Magnetresonanzspektroskopie (NMR) untergebracht. Sie sind auf besonders abgeschirmte, schwingungsarme und bezüglich Umweltbedingungen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstante Räume angewiesen, die der neue Laborbau nun in optimaler Weise bietet.

Riesiges Spektrometer

Glanzstück der wissenschaftlichen Analytik im UZI 5 wird ein riesiges 1,2-Gigahertz-NMR-Spektrometer werden – weltweit sind erst rund ein halbes Dutzend dieser Geräte im Einsatz. «Damit werden wir die Struktur und Dynamik von grossen Bio-Molekülen unglaublich detailliert erforschen können», sagte Roland Sigel.

Das neue Spektrometer ist Teil einer Nationalen Forschungsinfrastruktur, von dem nicht nur die Forschenden der UZH, sondern auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler national und international profitieren können, die das Gerät im neuen Laborbau auf dem Irchel nutzen dürfen.

Roger Nickl, Redaktor UZH Magazin

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