Koetser-Preis

Neue Sicht auf die Bildung von Nervenzellen im Gehirn

Für ihre bahnbrechenden Entdeckungen im Zusammenhang mit den Funktionen von Nervenzellen im Gehirn erhielt Professorin Magdalena Götz den Preis 2021 der Betty und David Koetser Stiftung für Hirnforschung. Die Auszeichnung wurde im Rahmen des jährlichen Symposiums des Zentrums für Neurowissenschaften Zürich (ZNZ) am 16. September verliehen.

Sebastian Jessberger

Koetser-Preis
Koetser-Preis
Prof. Magdalena Götz (links) erhält den Koetser-Preis von Jenny Waters, Familienmitglied des Stiftungsrats der Betty und David Koetser Stiftung. (Bild: zVg)

 

Zu verstehen, wie das Gehirn aufgebaut ist und wie es seine enorme Komplexität erreicht, ist das Forschungsthema von Neurobiologin Magdalena Götz, Lehrstuhlinhaberin des Instituts für Physiologische Genomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Leiterin des Instituts für Stammzellforschung der Helmholtz Gesellschaft. Das menschliche Gehirn besteht aus Milliarden von Neuronen, die durch Billionen von Synapsen miteinander verbunden sind. Versteht man dieses System, könnte das der Schlüssel sein, um Heilungsprozesse des Gehirns anzustossen und damit Hirnerkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer oder Parkinson in den Griff zu bekommen.

Magdalena Götz untersuchte sogenannte Gliazellen, die bisher lediglich als Stützzellen für Neuronen angesehen wurden, auf ihr Potential hin, Nervenzellen bilden zu können. Und sie entdeckte, dass die Gliazellen während der Gehirnentwicklung als neurale Stammzellen fungieren und alle Neuronen und auch andere Gliazellen hervorbringen. Damit entwickelte sie eine neue Sicht auf die Entstehung von Nervenzellen und die Ausdifferenzierung der Grosshirnrinde.

Auf der Grundlage dieser bahnbrechenden Erkenntnisse identifizierte sie grundlegende Prinzipien, die der lebenslangen Erzeugung von Neuronen im Gehirn zugrunde liegen. Und sie entdeckte Schlüsselmechanismen, wie das neurogene Potenzial von Gliazellen nach einer Hirnverletzung genutzt werden könnte, um endogene Hirnreparaturprozesse in Gang zu setzen. Darüber hinaus beweisen Experimente (im Tiermodell), dass neuronale zelltyp-spezifische Transplantationsansätze in der Lage sind, lädierte neuronale Schaltkreise menschlicher Erkrankungen funktionell zu verbessern. Das weist die Richtung für zukünftige therapeutische Interventionen bei der Behandlung akuter und chronischer neurodegenerativer Erkrankungen

Magdalena Götz erhielt am Freitag den Koetser-Preis 2021 für ihre herausragenden Entdeckungen.

Zur Person

Magdalena Götz wurde 1962 geboren und wuchs in Heidelberg auf. Sie studierte Biologie in Tübingen und Zürich. Nach ihrer Promotion in Tübingen und einem Postdoc in London wurde sie 1997 Max-Planck-Gruppenleiterin in München. Seit 2004 ist sie Direktorin des Instituts für Stammzellforschung am Helmholtz-Zentrum München und seit 2005 Lehrstuhlinhaberin für Physiologische Genomik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Betty und David Koetser Stiftung

Die Betty und David Koetser Stiftung wurde 1993 gegründet und unterstützt in erster Linie klinische Forschung und Grundlagenforschung in Neurologie und Neurobiologie an der Universität Zürich. Zudem verleiht sie jährlich einen Preis für herausragende Arbeiten in der Hirnforschung.

Sebastian Jessberger ist UZH-Professor und Präsident der Betty und David Koetser Stiftung

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