Wasser in Zürich

Die Wasserstadt Zürich mit dem Smartphone entdecken

Covid-19 hat diesen Frühling viele Exkursionen für Geographiestudierende unmöglich gemacht. Doch dank eines Lehrkredit-Projekts können sie nun auf eigene Faust entdecken, wie Wasser die Stadt Zürich prägt. Ein Angebot, das auch allen anderen Interessierten offensteht.

Franziska Schwarzenbach und Magdalena Seebauer

Platzspitz
Platzspitz
Am Platzspitz beobachten die Teilnehmenden den Zusammenfluss von Sihl und Limmat. Warum unterscheiden sich die beiden Flüsse oft farblich? (Bild: Sandro Wiesendanger)

 

Ausgerüstet mit Taschenrechner, Stoppuhr und Doppelmeter steigen junge Menschen in Zürich Friesenberg ins Bachbett hinab. Sie sind Geographie-Studierende und diesmal auf eigener Faust auf Exkursion. Wie schnell fliesst das Wasser im Friesenbergbach? In der Umgebung haben sie Stöckchen gesammelt und werfen diese in den Bach. Dann stoppen sie die Zeit, bis diese am Ende einer zuvor abgemessenen Strecke ankommen. So können sie auf die Fliessgeschwindigkeit schliessen. Anschliessend messen sie Referenzpunkte am Ufer aus und ermitteln daraus das Gefälle des Bachbetts. Der erste Abschnitt der Exkursion ist geschafft – und weiter geht’s zum Schanzengraben und zur Sihl, wo die nächsten Aufgaben warten.

Diese Exkursion ist anders als jene, die die Studierenden bisher hatten. Nicht von Dozierenden und Assistierenden, sondern von ihren Smartphones werden die Studierenden durch das Gelände geführt. Im Rahmen eines Lehrkredit-Projekts der Abteilung Hydrologie und Klima am Geographischen Institut werden innovative und lehrreiche Rundgänge zum Thema Wasser in den Städten Zürich und Baden geschaffen. Pandemie-bedingt wurde die Fertigstellung der Zürich-Exkursion im Eilzugstempo vorangetrieben. Sie bietet den Studierenden eine spannende Alternative zur ausgefallenen Wasser-Exkursion auf den Grimselpass.  

Direktes Feedback

Realisiert wurde die Exkursion über die App Actionbound. Sie führt die Teilnehmenden durch genaue Wegbeschreibungen an die verschiedenen Standorte der Exkursion. Ergänzt wird das durch einen Richtungspfeil und eine Distanzangabe – wie bei einer Schnitzeljagd. Am richtigen Ort angekommen, informieren Texte und audio-visuelle Elemente in der App über die ökonomische, naturwissenschaftliche und soziale Bedeutung des Wassers in Zürich.

Quiz- und Schätzfragen helfen bei der Verarbeitung des Gelernten und Beobachteten. So werden die Teilnehmenden auf dem Zürcher Lindenhof aufgefordert, von zwei verschiedenen Brunnen einen Schluck Wasser zu nehmen und den Geschmack zu beurteilen. Tatsächlich speisen zwei voneinander unabhängige Wassersysteme die Brunnen der Stadt Zürich – der unterschiedliche Geschmack ist für die meisten sofort feststellbar. In der Thermengasse informieren sich die Teilnehmenden über die Badekultur der Antike und prüfen ihr Wissen anschliessend mit Multiple Choice Fragen. «Das direkte Feedback in der App schätze ich sehr», sagt ein Student, «man weiss sofort, ob man etwas verstanden hat oder nicht.» Und ausserdem sei die Leistungsüberprüfung so angenehmer, als nach einem langen Tag noch einen Bericht zu schreiben.

Studierender bei der Exkursion
Die Studierenden haben sichtlich Spass auf der Exkursion (Bild: Simon Züst)

Exkursionen in einem «speziellen» Semester

Hochaktuelle Themen wie der Hochwasser­schutz an der Sihl oder die Messstation des Bundesamts für Umwelt an der Limmat, aber auch historische Aspekte, wie die Geschichte des Wasserkraftwerks Letten: Zürich eignet sich hervorragend, um etwas zum Thema Wasser zu lernen. Knapp 150 Studierende haben die Exkursion in den vergangenen Wochen bereits individuell durchgeführt, und waren oft erstaunt, welche interessanten Orte es in «ihrer» Stadt zu entdecken gibt.

Die nächste Station ist beim Grundwasserfeld Hardhof. Informationen zur Trinkwasser­versorgung Zürichs folgen. Dann geht’s zurück ins Stadtzentrum, um den Zusammen­fluss von Sihl und Limmat zu studieren. Warum unterscheiden sich die beiden Flüsse oft sehr deutlich in ihrer Farbe? «Die Theorie an konkreten Beispielen auf einer Exkursion anzuwenden, ist besonders lehrreich», sagt Jan Seibert, Professor für Hydrologie am Geographischen Institut. «Deshalb sind wir froh, dass wir den Studierenden auch in diesem speziellen Semester eine Exkursion anbieten können.»

Mit der Zürich-Exkursion ist das Lehrkredit-Projekt noch nicht abgeschlossen: Auch für die Stadt Baden entsteht ein analoges Angebot. Die App für beide Exkursionen ist frei verfügbar und benötigt keine mobile Internetverbindung: Damit das Angebot für alle offen ist, die sich für Wasser in der Stadt interessieren.

Exkursion "Wasser in Zürich"

Die gesamte Exkursion dauert fünf bis sechs Stunden, kann aber jederzeit unterbrochen oder abgebrochen werden. Wer mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs ist, benötigt ein gültiges Tagesticket der ZVV-Zone 110. Hydrologische Vorkenntnisse sind nicht nötig.

Voraussetzungen: App Actionbound und eingeschaltetes GPS. Eine Internetverbindung während der Exkursion ist nicht nötig.

Download der App

Lehrkredit-Projekt

Franziska Schwarzenbach und Magdalena Seebauer, Geographisches Institut

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