UZH-Start-up

Effizienter unterrichten

Ein Start-up der UZH hat eine innovative Lern- und Bewertungsplattform für Lehrkräfte entwickelt. Ihre neuartige Technologie ermöglicht es, Prüfungen automatisiert zu individualisieren und zu benoten.

Nathalie Huber

e-learning
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Mithilfe der Lernplattform SYLVA sparen die Dozierenden viel Zeit. Die Lernenden wiederum erhalten umgehend Feedback über ihren Wissensstand. (Bild: iStock / z_wei)


Was 2014 mit ein paar Prototypen begann, wurde über die Jahre zu einem ausgeklügelten Lernmanagementsystem. Heute ist «SYLVA» – lat. für Wald – eine Webplattform, auf der Dozierende Kurse und Prüfungen erstellen, durchführen, automatisiert bewerten und administrieren können. Bis anhin haben rund 3000 Studierende SYLVA erprobt und getestet. Ausserdem wird die Lernplattform in den USA, Grossbritannien, Griechenland und Deutschland eingesetzt – hauptsächlich an Wirtschaftsschulen. An der UZH findet das Tool derzeit keine Verwendung, weil es den Datenschutzanforderungen der UZH noch nicht entspricht.

Um SYLVA auf dem Markt zu verankern, hat Maik Meusel gemeinsam mit Karl Schmedders, ehemaliger UZH-Professor für quantitative Betriebswirtschaft, und Jessica Sudo, UZH-Betriebswirtschafterin, ein Start-up gegründet.

Neue Dimensionen

Das war ein mutiger Schritt, denn online Lern- und Bewertungsplattformen gibt es viele. Die meisten bieten aber nicht das, was SYLVA kann; so lassen andere Plattformen beispielsweise nur einfache Fragetypen zu – wie Multiple-Choice. Häufig verfügen diese Lernmanagementsysteme auch nur über eingeschränkte Korrekturmöglichkeiten und arbeiten mit hinterlegten Musterlösungen. «SYLVA dagegen umfasst viele unterschiedliche Aufgabentypen, auch offene Fragen und interaktive Übungen», sagt Meusel. Dies sei besonders wichtig für akademische Fächer, wie etwa Statistik, Mathematik oder Wirtschaft, wo man mit Formeln und Modellen arbeite.

 

interaktive Übung
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Beispiel einer interaktiven Übung für den Verlag Pearson Education (Bild: Maik Meusel)

Software von Siri

Die Funktion, Prüfungen automatisiert zu individualisieren und zu bewerten, ist das Herzstück von SYLVA. Die smarte Technologie dahinter fusst auf dem Know-how eines grossen Players im Bereich Cloudsoftware: «Wolfram Research». Die amerikanische Firma hat unter anderem die Algorithmen für die Sprachassistenz-Systeme von «Siri» und «Alexa» entwickelt. Auf einer Konferenz lernte Maik Meusel Stephen Wolfram, den Gründer und CEO von Wolfram Research, kennen. «Ich habe ihm vorgeschlagen, seine Software auch für die Automatisierung von Prüfungen zu nutzen», sagt Meusel. Sein Vorschlag kam an und somit arbeitet Meusel seit Beginn der Entwicklung von SYLVA mit Wolfram Research zusammen.

Deutliche Lerneffekte

Die Vorteile von SYLVA liegen auf der Hand: Durch das vereinfachte Korrektur- und Bewertungsverfahren sparen Dozierende mehrere hundert Stunden pro Jahr. Zeit, die sie zum Beispiel für Sprechstunden oder andere Formen der Zusammenarbeit mit den Studierenden nutzen können. Die Studentinnen und Studenten profitieren gleich doppelt. Der Dozierende hat mehr Zeit für sie. Dank der automatisierten Bewertung bietet SYLVA viele Selbsttests an, und die Lernenden erhalten umgehend Feedback über ihren Wissensstand. Mithilfe der automatisierten Parametrisierung (siehe Beispiel unten) können Dozierende sogar verschiedene Versionen derselben Frage erstellen, sodass die Studierenden in den Selbsttests immer wieder andere Aufgaben lösen können. «Das beschleunigt den Lernprozess deutlich», so Meusel.

SYLVA richtet sich in erster Linie an Lehrpersonen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft. «Unser Markt umfasst in den westlichen Ländern über 50 Millionen Studierende», erklärt Meusel zuversichtlich. Allerdings gebe es auch viele Konkurrenten, und laufend würden neue Lerntools entwickelt. «Es herrscht zurzeit Goldgräberstimmung».

Erste Erfolge

Neben Business Schools konnte das UZH Start-up bereits weitere interessante Kunden gewinnen: Pearson Education, der weltweit grösste Verlag für Schul- und Universitätslehrbücher wird ab diesem Herbst die Technologie von SYLVA für Mathematikaufgaben auf der eigenen Lernplattform einsetzen. Diese Geschäftsidee, die eigene Technologie an andere Anbieter von Lernplattformen zu verkaufen, will Meusel zukünftig weiter verfolgen.

Auch das Förderprogramm «Venture Kick» ist vom Potential des Jungunternehmens überzeugt und unterstützte es kürzlich mit 150'000 Franken. «Dieses Fremdkapital hilft uns, unser digitales Marketing voranzutreiben», sagt Meusel. Um weitere Pläne zu verwirklichen – etwa Personal fest anzustellen und Büroräume zu beziehen – plant das Start-up eine grössere Finanzierungsrunde gegen Ende dieses Jahres. 

Wie die automatisierte Parametrisierung funktioniert

Beispiel einer offenen Frage auf der Lernplattform SYLVA
Beispiel einer offenen Frage auf der Lernplattform SYLVA
Ein einfaches Beispiel einer offenen Frage auf der Lernplattform SYLVA (Bild: Maik Meusel)

«Nennen Sie eine Stadt im Umkreis von 300 Kilometern zu London, die ausserhalb von Grossbritannien liegt.» Dazu definieren Dozierende in einer Eingabemaske die Bedingungen für die Lösung und die entsprechende Punktezahl. Ausserdem können sie verschiedene Parameter einsetzen, etwa für die Distanz zu London, sodass jeder Student, jede Studentin eine andere Frage erhält. Gibt der Student die Lösung (Stadt) ein, wird errechnet, ob sie zu den definierten Bedingungen passt und die Bewertung beziehungsweise Note wird automatisch vergeben.

Nathalie Huber, Redaktorin UZH News

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