Graduate Campus

Klare Kriterien für die Autorschaft

Anlässlich der Jahresveranstaltung des Graduate Campus wurde an einer Podiumsdiskussion das Thema Akademische Autorschaft aus unterschiedlichen Perspektiven und Positionen beleuchtet.

Claudia Vorheyer

Diskussionsrunde Graduate Campus
Diskussionsrunde Graduate Campus
Die Jahresveranstaltung des Graduate Campus: Im Panel diskutierten Monica Zwicky, Vertrauensperson Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät, Vera Eichenauer, Moderatorin, Justus Rathman, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Soziologischen Institut der UZH, Alba Polo, Psychoanalytikerin (v.l.n.r.) (Bild: Carlotta Superti-Furga)

 

Zu den eingeladenen Podiumsgästen, die am 29. September zusammenkamen, um über «Akademische Autorschaft – wie prägt das Mantra ‘Publish or Perish' unser Verständnis von Autorschaft?» zu sprechen, gehörten Justus Rathmann, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Soziologischen Institut der UZH, der zu Autorschaftskonflikten forscht, Professorin Monika Zwicky, die an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät als Vertrauensperson fungiert und in dieser Rolle häufig Anlaufstelle für Autorschaftsfragen und
-konflikte ist, sowie die Psychoanalytikerin Alba Polo, die nicht nur wissenschaftlich publiziert, sondern kürzlich auch ein belletristisches Werk in Form von Mikrogeschichten veröffentlicht hat. Moderiert wurde die Veranstaltung von Vera Eichenauer, Postdoktorandin an der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. 

Per se verletzlich

Das Schreiben betrachtet Alba Polo als einen sehr individuellen Prozess, der die eigene Persönlichkeit, die eigene Art zu denken, hervortreten lässt. Autorinnen und Autoren machten sich damit per se verletzlich, so Polo. Bei jungen Forschenden käme das Veröffentlichen einer Art Coming-out gleich, meint sie. Publizieren sei im Wissenschaftsfeld und für akademische Karrieren von grosser Bedeutung. Das sei gerade für Nachwuchsforschende wichtig, da sie sich erst eine Reputation erarbeiten müssen, betonte Justus Rathmann. Viele von ihnen wüssten aber gar nicht, was genau jemanden für die Anerkennung als Autor oder Autorin qualifiziert. Auch können Nachwuchsforschende und etablierte Forscherinnen und Forscher unterschiedliche Massstäbe für die Einstufung von Autorschaft anlegen. Die bestehenden Richtlinien zur Autorschaft sollten stärker verbreitet werden, um sie allgemein bekannt zu machen, betonte der Soziologe.

Realistisch bleiben und Zweitmeinungen einholen

Zu diesem Zweck hatte Monica Zwicky zu Beginn der Podiumsdiskussion einen Kurzvortrag zu den Richtlinien für Autorenschaft gehalten. Dabei ermutigte sie die jungen Akademiker und Akademikerinnen: «Lesen Sie die Richtlinien und fordern Sie Ihre Rechte ein». Jedoch riet sie auch dazu, bei der Einschätzung des eigenen Beitrags zur Forschung und Publikation realistisch zu bleiben, und hierzu weitere Meinungen einzuholen. Es sei nicht immer einfach, zu sagen, wessen Beitrag der wichtigste oder kreativste sei. In der Regel – und Monica Zwicky sprach dabei aus Erfahrung – könnten aber Lösungen gefunden werden. Wenn man in einen Konflikt gerate, sollte man sich frühzeitig Hilfe und Rat holen. Idealerweise sollte schon beim Plan eines kollektiven Papers im Team über die verschiedenen Rollen und die möglichen Konsequenzen für die Autorschaft gesprochen werden.

Potentielle Konkurrenz und Abhängigkeiten adressieren

«Dies ist wichtig, da wissenschaftliche Kooperationspartner grundsätzlich immer in einem potentiellen Konkurrenzverhältnis hinsichtlich zukünftiger Positionen und Fördermittel stehen», sagte Justus Rathmann. Auch gab er zu bedenken, dass Doktorierende oder Postdoktorierende grundsätzlich zögern würden, die karriererelevante Beziehung zu ihren Betreuungspersonen und Vorgesetzten in einem Autorschaftskonflikt aufs Spiel zu setzen. Alba Polo wies darauf hin, dass in vielen Fällen die Betreuung, Bewertung und die Rolle des Vorgesetzten und Arbeitgebers in einer Person zusammenfalle. Diese dreifache Abhängigkeit müsse in der Akademie diskutiert werden, bevor von Nachwuchsforschenden verlangt wird, aktiv ihre Rechte einzufordern. Ein gutes Instrument um solche Abhängigkeiten zu verringern, aber auch um andere Konflikte anzugehen, seien die Promotionskommissionen, die an vielen Fakultäten eingeführt worden sind, sagte Monica Zwicky.

In die weiterführende und vertiefende Diskussion der Fragen, was eine Autorschaft begründet, wie man mit Autorschaftskonflikten umgeht, aber auch welchen Einfluss die Strukturen des Wissenschaftssystems auf das Forschen, Schreiben und Publizieren haben, wurde das virtuelle wie auch das Publikum vor Ort einbezogen. Dabei sind die unterschiedlichen Einschätzungen und Sichtweisen der verschiedenen Disziplinen zutage getreten. Die heterogene Zusammensetzung der Podiumsteilnehmenden hat zu einer interessanten und aufschlussreichen Diskussion geführt.

Claudia Vorheyer, Mitarbeiterin Graduate Campus

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