Medizin

Kräfte bündeln im Kampf gegen Krebs

In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 40 000 Menschen an Krebs. Markus Manz, neuer Chair des Comprehensive Cancer Center Zurich (CCCZ), zeigt sich im Interview mit UZH News davon überzeugt, dass die enge Zusammenarbeit von Klinikern und Forschenden innovativen Ansätzen in der Krebsmedizin neuen Schub verleiht.

Marita Fuchs

Prof Markus Manz
Prof Markus Manz
«Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass Krebs besser kontrolliert und geheilt werden kann», sagt Markus Manz, neuer Leiter des Comprehensive Cancer Center Zurich. (Bild: USZ)

Herr Manz, können wir den Krebs besiegen?

Das wäre schön. Allerdings sprechen die Zahlen eine andere Sprache, bis 2040 könnten sich die Neuerkrankungen an Krebs verdoppeln. Das liegt vor allem an der Zunahme der Lebenserwartung, denn Krebs ist vor allem eine Krankheit des Alters. Deshalb ist es wichtig, dass wir alles daran setzen, die Biologie von Krebs genau zu erforschen, Krebserkrankungen früher zu erkennen, und innovative Therapien und letztlich auch Heilung bei guter Lebensqualität zu entwickeln.

Wie sieht die Behandlung von Krebsleiden im Moment aus?

Die Diagnose Krebs ist für jeden zunächst ein Schock. Doch muss man wissen, dass in der Schweiz Patientinnen und Patienten mit Krebs sehr gut versorgt werden. Sie bekommen eine präzise Diagnose, eine persönliche Beratung und ein modernes Therapieangebot, das auf den drei Säulen der Krebstherapie beruht: der Chirurgie, der medizinischen Onkologie und der Strahlentherapie. Oder aus einer Kombination davon, je nach Bedarf. Zudem gibt es ergänzende Therapien, beispielsweise aus der Komplementärmedizin.

Können alle Patienten dieses Angebot nutzen?

Hier am CCCZ haben wir 17 – auf unterschiedliche Krebsarten – spezialisierte Organzentren. In den Organzentren erhalten die Krebspatienten eine umfassende, fachübergreifende Beratung von Expertinnen und Experten medizinischer und pflegerischer Bereiche. Ziel ist es, innovative Behandlungskonzepte nach modernsten medizinischen Standards individuell abzustimmen. Zahlreiche klinische Studien, die am CCCZ angeboten werden, ermöglichen zudem unseren Patientinnen und Patienten den Zugang zu neuen Medikamenten.

Informations- und Beratungsdienste, wie etwa die genetische Beratung, Psychoonkologie, Komplementärmedizin und palliative Versorgung ergänzen die ganzheitliche und integrative Betreuung. Das CCCZ bietet auch die Möglichkeit, eine Zweitmeinung einzuholen.

Worauf wurde bei der Organisation des CCCZ besonders geachtet?

Wir wollen Krebsmedizin und Krebsforschung vernetzen. So arbeiten unter dem Dach des CCCZ Kliniker und Grundlagenforscher zusammen, sie lernen und profitieren voneinander. In den 17 Organzentren arbeiten sie gemeinsam daran, Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung schnell in die klinische Anwendung zu übertragen und die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten zu verbessern.

Die Zentren sind auf unterschiedliche Krebserkrankungen fokussiert, so gibt es etwa ein Darmtumorzentrum, ein Hirntumorzentrum, ein Hautkrebszentrum oder ein Prostatakarzinomzentrum, um nur vier von 17 zu nennen. Der Vorteil des CCCZ ist es nun, dass die Klinikerinnen und Kliniker und die Grundlagenforschenden neue Ansätze in Behandlung, Forschung und Therapie untereinander austauschen, das bringt alle voran. Zudem haben wir noch Experten für neue Technologien und Bioinformatiker mit im Boot.

Neuentdeckungen bei einer Krebsart können auch für andere hilfreich sein oder – zwar nicht eins zu eins – aber in Ansätzen übernommen werden. Das gilt auch für die Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin. Die neuen zielgerichteten Therapien greifen in spezifische Prozesse unterschiedlicher Tumore ein. Letztlich soll das CCCZ so funktionieren wie ein Orchester – viele Einzelspieler können zusammen etwas Grosses schaffen.

Sind auch noch andere Spieler mit von der Partie?

Wir koordinieren die Zusammenarbeit zwischen dem Universitätsspital, den anderen universitären Spitälern, wie Balgrist und Kinderspital und der Universität Zürich. Und natürlich ist auch die ETH ein wichtiger Partner. Wir alle arbeiten darauf hin, dass Patientinnen und Patienten einen frühzeitigen Zugang zu neuen Therapien und Medikamenten erhalten. Zudem ist es uns wichtig, in die Weiterbildung von Forschenden und Klinikern zu investieren. Und wir wollen auch nach aussen wirken und Patienten, Angehörige und die interessierte Öffentlichkeit über aktuelle Entwicklungen in der Krebsmedizin informieren. Nicht zuletzt geht es auch darum, uns als wichtigen Player in der Krebsmedizin lokal und international zu positionieren.

Wie soll das geschehen?

Wir suchen nach neuen Substanzen und Therapien, das gilt für alle Krebserkrankungen. Ich habe täglich mit Krebspatienten zu tun und bin dankbar dafür, dass wir heute bessere Behandlungsmöglichkeiten haben als noch vor 20 Jahren, als ich begonnen habe. Das treibt mich auch persönlich an, denn ich sehe jeden Tag wie wertvoll es ist, wenn eine Therapie Erfolge zeigt.

Grosses Potential sehe ich auch in der Verbesserung von Behandlung und Therapie, falls eine Krebserkrankung wiederkommt. Wir müssen bessere Methoden entwickeln, vor allem für den sogenannten Zweitlinien- und Drittlinienstandard bei Wiederauftreten der Erkrankung. Auch die frühe Diagnose und Prävention von Krebs ist ein wichtiger Schwerpunkt.

Kann das Zentrum auch selbst Forschungsprojekte finanzieren?

Wir können den Mehrwert der Zusammenarbeit aufzeigen, Schwerpunkte setzen und Zusammenarbeitsprojekte fördern, indem wir an Geldgeber herantreten. 16 translationale Krebsforschungsprojekte werde aktuell finanziell von der UZH und der Medizinischen Fakultät Zürich gefördert. Das sind Arbeiten, die sowohl Forschung als auch Klinik verbinden. Diese Förderung läuft allerdings Mitte 2022 aus.

Sie sind Forscher und Kliniker und werden als Chair des CCCZ auch viele neue administrative Aufgaben übernehmen. Was treibt sie an?

Ich will meinen Beitrag dazu leisten, dass Krebs besser kontrolliert und geheilt werden kann. Ich betreibe die klinische Versorgung sehr intensiv und bin auch in der Grundlagenforschung tätig. Es ist sicher von Vorteil, wenn jemand an dieser Stelle ist, der beide Welten kennt.

Was wurde bisher geleistet?

In den letzten Jahren haben wir die Strukturen und Prinzipien eines Comprehensive Cancer Centers am Standort Zürich geschaffen. Der Zusammenschluss von Krebsmedizin und Krebsforschung an der UZH, dem USZ und den universitären Spitälern unter dem virtuellen Dach des CCCZ haben den Grundpfeiler gesetzt. Um den Anforderungen eines modernen CCCs gerecht zu werden, haben wir nun unsere administrativen Strukturen angepasst. Dazu gehört auch die Gründung eines neuen 8-köpfigen Direktoriums des CCCZ, dessen Mitglieder die Kernexpertisen eines modernen CCCs repräsentieren (siehe Infobox). In der kommenden Phase gilt es nun innovative Krebsforschungsprogramme mit dem Fokus personalisierte Onkologie aufzubauen und das CCCZ zu einem führenden Exzellenzzentrum in der Schweiz und Europa weiterzuentwickeln.

 

Das Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ)

Das Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ) ist ein gemeinsames Exzellenzzentrum des Universitätsspitals Zürich (USZ) und der Universität Zürich (UZH) unter Einbeziehung der universitären Spitäler Universitätsklinik Balgrist und Kinderspital Zürich. Am CCCZ werden innovative Krebsmedizin und Krebsforschung sowie die interdisziplinäre Ausbildung von Ärztinnen/Ärzten und Wissenschaftlerinnen/Wissenschaftlern vereint. Unser oberstes Ziel ist es, das Wissen und die Innovationskraft von allen Expertinnen/Experten im Bereich Onkologie am CCCZ zu bündeln und in Form eines integrativen, präzisionsmedizinischen Ansatzes unseren Patientinnen/Patienten zugutekommen zu lassen.

CCCZ Direktorium und Zuständigkeiten:
Prof. Dr. K. Basler, Basic Research
Prof. Dr. B. Bodenmiller, Technologies
Prof. Dr. R. Dummer, Clinical Trials
Prof. Dr. med. Matthias Guckenberger, Outreach and Education
Prof. Dr. M. Krauthammer, Bioinformatics
Prof. Dr. med. Markus G. Manz (Chair)
Prof. Dr. med. Michael Weller, Transversal Research Programs
Prof. Dr. med. Rolf Stahel, Clinical Program

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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