Video-Serie «Aufgefallen»: Martin Meuli, Kinder- und Fötalchirurg

OP-Saal oder Oper?

Als Medizinstudent an der UZH liebäugelte Martin Meuli mit einer Karriere als Sänger. Doch dann entschied er sich für die Medizin.

Brigitte Blöchlinger

Martin Meuli war in jungen Jahren vielfältig begabt und wusste lange nicht, ob es ihn mehr zum Gesang oder zur Medizin zog. Der UZH-Alumnus ist schliesslich ein renommierter Kinder- und Fötalchirurg geworden, der die Behandlung schwerverbrannter Kinder und Föten mit offenem Rücken revolutioniert hat. (Video: Brigitte Blöchlinger, Priska Feichter, UZH)

 

Die Freude des jungen Assistenzarztes Martin Meuli war riesig, als er 1984 nach seinem Vorsingen am Internationalen Opernstudio der Zürcher Oper Bescheid erhielt, dass er aufgenommen sei. Doch verstärkte der positive Bescheid auch Meulis Unsicherheit, ob er nun Arzt bleiben oder doch Opernsänger werden wolle. Das Herz plädierte für Gesang – doch der Verstand setzte sich schliesslich durch, und Martin Meuli doktorierte an der UZH in Medizin und wurde Chirurg. Das innere Feuer für den «etwas bürgerlichen Weg der Medizin» begann erst zu lodern, als er Oberarzt am Universitäts-Kinderspital Zürich (Kispi) wurde. «Da ging es so richtig saftig los», erzählt Meuli im Video, und man spürt noch heute, gut dreissig Jahre später, wie ihn die Herausforderung packte, in der Chirurgie Grosses zu leisten.

Mut zur Innovation

Martin Meuli macht sich einen Namen als Kinderchirurg, der vor Erneuerungen nicht zurückschreckt. Er wird 1989 Leiter des Zentrums für Brandverletzte Kinder am Kispi und entwickelt mit dem Zellbiologen Ernst Reichmann zusammen ein neues Behandlungskonzept für schwerverbrannte Kinder. Reichmann schafft es, gesunde körpereigene Hautzellen im Labor zu züchten, und Meuli transplantiert damit im Operationssaal die verbrannte Haut der Kinder.

2010 führt Martin Meuli mit der Fötalchirurgie eine weitere Innovation ein (bei der Fötalchirurgie werden ungeborene Babys im Mutterleib operiert). Er ist der erste Chirurg in der Schweiz und weltweit einer der wenigen, der Föten operiert, die an einem offenen Rücken (Spina bifida) leiden. Bei rund einem Drittel der abgeklärten Föten mit offenem Rücken macht eine Operation des Ungeborenen im Mutterleib Sinn. Diese Föten haben eine gute Chance, dass sich ihr Nervengewebe nach der operativen Korrektur der Fehlbildung weiterentwickeln wird. In den meisten Fällen werden dadurch Lähmungserscheinungen der Beine und eine gestörte Urin- und Stuhlausscheidung, die bei Spina bifida drohen, verhindert oder zumindest abgeschwächt.

Ende Juli 2020 wird Martin Meuli pensioniert. Wird er kommenden Sommer wirklich in Ruhestand gehen? Sieht man sich das Video am Anfang dieses Artikels an, kann man sich lebhaft vorstellen, dass er sich in der neu gewonnenen Freizeit einen grossen Traum erfüllen wird … «Oder auch gleich mehrere …», fügt er augenzwinkernd an.

Brigitte Blöchlinger, Videojournalistin UZH News

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