Qualitätsentwicklung

«Die UZH ist eine lernende Organisation»

Die Universität Zürich schärft ihre Instrumente zur Qualitätsentwicklung und verknüpft sie miteinander.

David Werner

Qualitaetsentwicklung
Qualitaetsentwicklung
Die Grundidee der Qualitätsentwicklung UZH besteht in der Verknüpfung von drei geschlossenen Qualitätsprozessen. Leitbild, Strategische Grundsätze und Policies der UZH bilden den Bezugsrahmen.

 

Die UZH gehört mit ihrer starken Forschung und ihren Studienprogrammen zu den Treibern des gesellschaftlichen und technologischen Wandels. Viele kluge Köpfe aus fast allen Disziplinen arbeiten hier daran, die Welt von morgen mitzugestalten.

Eine andere Frage ist, wie sich die Universität als Institution auf das sich laufend verändernde gesellschaftliche Umfeld einstellt. Wie muss sie sich organisieren, um beweglich zu bleiben? Wie konzipiert sie ihre Studienprogramme, damit die Studierenden einen möglichst grossen Nutzen daraus ziehen können? Wie hält sie ihr Serviceangebot à jour, damit weiterhin Spitzenleistungen in Forschung und Lehre erbracht werden können? Kurzum: Wie schafft sie es, Bewährtes nicht nur abzusichern, sondern auch den Anforderungen der Zukunft gemäss weiterzuentwickeln?

Ziele gemeinsam erarbeiten

Hilfreich dabei ist ein durchdachtes Qualitätsentwicklungssystem. Ein solches System hat die UZH nun eingeführt. Sie hat ihre Instrumente zur Qualitätssicherung geschärft und miteinander verknüpft. «Auf diese Weise können wir den Nutzen dieser Instrumente für die strategische Führung besser zum Tragen bringen», begründet Vize-Rektorin Gabriele Siegert diesen Schritt.

Die Rolle der Universitätsleitung bei der Qualitätsentwicklung sieht sie primär als eine unterstützende. «Es wäre nicht sinnvoll, den einzelnen Organisationseinheiten im Detail vorzuschreiben, welche Prioritäten sie setzen sollen», sagt sie. «Viel besser ist es, Qualitätsziele gemeinsam zu erarbeiten, also das ohnehin traditionell an der UZH gut verankerte Prinzip der partizipativen Führung weiter zu stärken. So übernehmen Fakultäten und Institute bei der Planung ihrer Zukunft mehr Eigenverantwortung.»

Evaluationen

Ein wichtiger Bestandteil des Qualitätssicherungssystems sind Evaluationen. Die UZH evaluiert seit 2001 sämtliche Einheiten inklusive der Universitätsleitung regelmässig. Im Herbstsemester 2018 begann der dritte, bis 2026 dauernde Evaluationszyklus der UZH. Aus diesem Anlass wurden auf Beschluss des Universitätsrats und der Universitätsleitung einige Neuerungen eingeführt.

Die Evaluationsverfahren der UZH werden seit Herbstsemester 2018 flexibler gestaltet auf die jeweiligen Bedürfnisse der untersuchten Einheiten zugeschnitten, wie Susanne Fischer, Leiterin der Evaluationsstelle der UZH, erklärt. «Fakultäten, Institute und die Abteilungen der zentralen Dienste können neuerdings bei der Evaluation bestimmte Themen in den Fokus nehmen, die für ihre jeweilige Planung besonders relevant sind», sagt sie. Ausserdem werden die Evaluationsverfahren verschlankt, damit die Resultate schneller vorliegen und Massnahmen zur Qualitätsverbesserung umgehend eingeleitet werden können.

Die Akzente verschieben sich damit von Kontrolle, Bewertung und Rechtfertigung vergangener Leistungen hin zu vorausschauender Planung. Statt vergangener Verdienste und Verfehlungen rücken die Möglichkeiten und Chancen der Zukunft in den Fokus.

Strategie- und Entwicklungsgespräche

Auf die Zukunftsperspektive sind auch die neu eingeführten «Strategie- und Entwicklungsgespräche» eingestellt. Institutsverantwortliche besprechen dabei zusammen mit der jeweiligen Dekanin bzw. dem jeweiligen Dekan mindestens zweimal pro Evaluationszyklus die Situation und die längerfristige Planung des betreffenden Instituts. Analog dazu finden zweimal jährlich Gespräche zwischen den einzelnen Fakultätsleitungen und der Universitätsleitung statt.

Wichtig für diese Gespräche ist, dass die Beteiligten sich ein klares Bild darüber machen können, wie es um die Leistungen, die Ressourcen und Strukturen der jeweiligen Organisationseinheit bestellt ist. Es hängt also viel davon ab, wie aussagekräftig die Daten sind, die in den Qualitätsprozessen generiert werden. Ein ausdrückliches Ziel ist seit Herbst 2018, die für die Qualitätssicherung relevanten Daten so zu erheben und aufzubereiten, dass sie für die strategische Planung möglichst unkompliziert genutzt werden können. Dies betrifft auch Daten zur Qualität von Lehre und Studium.

Qualität in Studium und Lehre

Diese Daten werden neu vollumfänglich im Prozess «Qualitätsmanagement Studium und Lehre» bereitgestellt. Die Abteilung Studienangebotsentwicklung des Prorektorats Lehre und Studium betreut ein breitgefächertes Analyse-Instrumentarium für alle operativen Ebenen. Dazu gehören Lehrveranstaltungsbeurteilungen (für die Lehrveranstaltungsebene), das Monitoring Studium und Lehre (für die Studienprogrammebene) sowie der «Qualitätsindex Studium und Lehre» (für die Ebene der einzelnen Disziplinen).

«Die Daten bieten eine Grundlage für den Dialog aller Beteiligten über Stärken, Schwächen und Qualitätsziele des Lehrangebots sowie die strategische Ausrichtung der Studienprogramme», sagt Jana Ebermann von der Abteilung Studienangebotsentwicklung. Sie macht in diesem Zusammenhang besonders auf die sogenannten «Q-Gespräche» aufmerksam, an denen neben Studienprogrammverantwortlichen und Dozierenden auch Studierende teilnehmen. Pro Studienprogramm soll in Zukunft jährlich ein solches Q-Gespräch stattfinden.

Neues wagen, Wirkungen reflektieren

Insgesamt zielen die Neuerungen im dritten Evaluationszyklus der UZH darauf ab, die Instrumente der Qualitätssicherung besser für die strategische Führung zu nutzen. Besonders wichtig ist Vize-Rektorin Gabriele Siegert dabei die Schliessung der Qualitätsprozesse: «Wir sollten es nicht dabei bewenden lassen, sporadisch Qualitätsanalysen zu machen und daraus Massnamen abzuleiten, sondern uns anschliessend auch vergewissern, ob diese Massnahmen wirklich umgesetzt werden und die gewünschten Resultate bringen.»

Als Wissenschaftlerin plädiert Siegert dafür, bei der Qualitätsentwicklung der UZH wissenschaftlich vorzugehen, Neues zu wagen und dabei die Wirkungen immer kritisch im Auge zu behalten. «Wir müssen Erfahrungen machen und dann die richtigen Schlüsse daraus ziehen», sagt sie, und fügt an: «Die UZH ist eine lernende Organisation.»

Kernteam Akkreditierung 2022
Kernteam Akkreditierung 2022
Kernteam «Akkreditierung 2022»: Rita Stöckli und Elisabeth Lang (Generalsekretariat), Martin Soland und Susanne Fischer (Evaluationsstelle der UZH), Peter Collmer und Daniela Schulte (Projektleitung «Akkreditierung 2022»), Jana Ebermann und Thomas Hidber (Abteilung Studienangebotsentwicklung), Lukas Buser und Luisa Lichtenberger (VSUZH), David Werner (Kommunikation). (Bild: Frank Brüderli)

Die UZH bereitet institutionelle Akkreditierung vor

Öffentliche oder private Hochschulen der Schweiz müssen eine institutionelle Akkreditierung durchlaufen, um sich als «Universität», «Fachhochschule» oder «Pädagogische Hochschule» bezeichnen und Bundesgelder beziehen zu dürfen. So sieht es das Hochschulförderungs- und Hochschulkoordinationsgesetz (HFKG) seit 2015 vor. Für eine Akkreditierung müssen die Hochschulen den Nachweis erbringen, dass sie über ein geeignetes Qualitätssicherungssystem für Lehre, Forschung und Dienstleistungen verfügen.

Die UZH hat zur Vorbereitung der Akkreditierung das Projekt «Akkreditierung 2022» unter der strategischen Leitung von Vize-Rektorin Gabriele Siegert lanciert. Ein Kernteam unter der Leitung von Peter Collmer (siehe Bild) hat Ende 2018 die operative Arbeit am Projekt aufgenommen. Diesem Kernteam werden demnächst mehrere themenspezifisch ausgerichtete Arbeitsgruppen zur Seite gestellt. Das eigentliche Akkreditierungsverfahren beginnt im Juni 2020 und wird von der Schweizerischen Agentur für Akkreditierung und Qualitätssicherung (AAQ) durchgeführt. Den Akkreditierungsentscheid fällt Anfang 2022 der Schweizerische Akkreditierungsrat (SAR).

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