Medizin

Preise für exzellente Forschung in der Medizin

Die Dermatologin Simone M. Goldinger und der Molekularbiologe Tuncay Baubec haben heute den renommierten Georg Friedrich Götz-Preis erhalten. Der Preis wird an der UZH jährlich für besondere Leistungen in der medizinischen Forschung verliehen.

Marita Fuchs

Dermatologin Simone M. Goldinger
Dermatologin Simone M. Goldinger
Simone Goldinger erforscht Wirkungen und Nebenwirkungen neuer Behandlungsmethoden beim schwarzen Hautkrebs. (Bild: zVg.)

 

Simone M. Goldinger überzeugte das Komitee durch ihr hervorragendes wissenschaftliches Wissen und die erfolgreiche Karriere, die sie mit nur 38 Jahren bereits vorweisen kann. Das Spezialgebiet von Simone Goldinger liegt im Bereich der Dermatoonkologie und der Klinischen Forschung. Dank ihrer Facharzttitel in Dermatologie und Venerologie sowie Pharmazeutischer Medizin verbindet sie wichtige patientenorientierte Aspekte der Behandlung des schwarzen Hautkrebses mit fundierten wissenschaftlichen Fragen – eine Kombination, die sie zur Expertin auf diesem Gebiet macht.

Melanom im Zentrum des Forschungsinteresses

Die Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem Hautkrebs stellt nach wie vor eine Herausforderung dar. Tumorzellen verfügen zwar über spezifische Tumorantigene, werden aber häufig vom Immunsystem nicht genügend erkannt. Das Immunsystem besteht sowohl aus aktivierenden als auch aus hemmenden Signalwegen. Diese regulieren die Stärke und Intensität einer Immunantwort und schützen somit den Körper vor überschiessenden Immunantworten (Autoimmunreaktionen). Seit einigen Jahren stehen zur Behandlung von fortgeschrittenem Hautkrebs sogenannte Immun-Checkpoint-Inhibitoren zur Verfügung. Diese Antikörper modifizieren die komplexe Interaktion zwischen Tumorzelle und T-Zelle. Durch Verschiebung des Gleichgewichtes zu Gunsten von aktivierenden Immunsignalwegen wird eine verstärkte Immunantwort gegen die Krebszellen ausgelöst. Monoklonale Antikörper gegen PD-1 haben dadurch die Tumortherapie des Melanoms revolutioniert und das Überleben der betroffenen Patienten verlängert. 

Hautveränderungen gehören zu den häufiger auftretenden Nebenwirkungen während der Behandlung mit Check-point-Inhibitoren. Ihre Manifestation ist vielfältig und die Intensität ist unterschiedlich. Simone Goldinger Forschungsinteresse richtet sich auch auf die Nebenwirkungen, die während der Immuntherapie mit anti-PD-1-Antikörpern auftreten können.

Bereits als Studentin war Simone M. Goldinger an klinischer Forschung interessiert und hat sich mit klinisch relevanten Problemen auseinandergesetzt. Sie hat im Rahmen ihrer Doktorarbeit ihre ersten beiden Publikationen veröffentlicht. Nach ihrer Assistenzarztzeit in der Inneren Medizin kehrte Simone Goldinger in die Hautklinik zurück. Ihr Interesse an klinischer Forschung und an der Behandlung des Melanoms führten zu einem wesentlichen Beitrag in den Forschungsaktivitäten bei Hautkrebs.

Der Schwerpunkt Goldingers Arbeit liegt in der klinischen Forschung, insbesondere in Wirkungen und Nebenwirkungen von neuen Behandlungen des Melanoms. Sie publizierte mehrere Originalarbeiten und kann Beiträge in den Fachzeitschriften New England Journal of Medicine, Science, Lancet Oncology und im Journal of Clinical Oncology  vorweisen. Sie hat mehrere Artikel über Hautveränderungen unter neuen Therapieansätzen publiziert.

Im April 2015 hat Simone Goldinger die Abteilung für Klinische Forschung übernommen und gilt als international anerkannte Expertin in ihrem Bereich. Sie ist Mitglied mehrerer nationaler und internationaler Gesellschaften sowie Schweizer Vertreterin für die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Dermatoonkologie und Vize-Präsidentin der Melanomgruppe der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK).

Tuncay Baubec
Tuncay Baubec
Tuncay Baubec forscht über die Regulation und Funktion der epigenetischen Modifizierung. (Bild: zVg.)

Bereits während seiner Promotion begann Tuncay Baubec, sich mit epigenetischen Mechanismen der Genexpression zu beschäftigen. Dabei machte er bahnbrechende Entdeckungen, die unser heutiges Verständnis davon verbesserten, wie epigenetische Zustände aufrechterhalten werden.

Welche Gene ein- und welche ausgeschaltet sind, die so genannte Genregulation, hängt unter anderem von epigenetischen Merkmalen ab. Epigenetische Merkmale sind chemische Modifikationen im Genom, die, wie eine Art molekulare Schalter, die Genaktivität steuern können.

Gene gezielt abschalten

Tuncay Baubec wurde im Jahr 1979 in Rumänien geboren und verbrachte seine Jugendjahre in Österreich. Seine akademische Laufbahn begann er mit dem Studium der Biologie, das er 2005 abschloss. Nach seiner Promotion im Jahr 2009 galt Baubecs Interesse der DNA-Methylierung, da frühere Arbeiten gezeigt hatten, dass diese epigenetische Markierung für die Entwicklung von Säugetieren unerlässlich ist. Die DNA wird chemisch verändert, indem ein Enzym eine Methylgruppe an eine DNA-Base bindet. Die Basenabfolge verändert sich dabei aber nicht; es handelt sich also um eine epigenetische Veränderung. Die DNA-Methylierung kann zur Stilllegung eines Gens führen, das gilt aber nicht für immer. Es gibt Enzyme, die die DNA-Base demethylieren und das Ablesen eines Gens wieder ermöglichen. Die veränderte DNA-Methylierung entlang des Genoms steht mit menschlichen Krankheiten in Zusammenhang.

Zahlreiche Publikationen

Die Forschung von Tuncay Baubec führte zu herausragenden Fortschritten im Verständnis der Regulation und Funktion dieser wichtigen epigenetischen Modifizierung. Tuncay Baubec war unter anderem in der Lage, wichtige molekulare Mechanismen zu identifizieren, die die ortsspezifische Deposition der DNA-Methylierung in gesunden wie in kranken Zellen regulieren.

Die Relevanz seiner Forschung auf diesem Gebiet zeigt sich auch in zahlreichen Publikationen in den besten naturwissenschaftlichen Fachzeitschriften wie Cell und Nature. 2015 erhielt Tuncay Baubec eine SNF-Professur und gründete eine eigene Forschungsgruppe im Laboratory of Systems Biology of Gene Regulation am Department of Molecular Mechanisms of Disease an der Universität Zürich. Seit der Gründung seines Forschungsteams leistet er weiterhin hervorragende Beiträge und erhielt erfolgreich grosse Forschungsstipendien.

Georg Friedrich Götz-Preis

Der Georg Friedrich Götz-Preis wird jährlich an zwei Forschende, die an der Universität Zürich habilitiert sind und sich über hervorragende, international anerkannte Leistungen auf dem Gebiet der Grundlagen- oder klinischen Forschung ausweisen können, ausgerichtet. Der Stiftungsgründer Georg Friedrich Götz lebte von 1893 bis 1972. Der in Deutschland geborene Unternehmer siedelte 1960 in die Schweiz um. Er musste sich im Laufe seines Lebens mehrmals in Zürich Operationen unterziehen, etwa wegen Lungenkrebs oder einer Darmerkrankung. Aus Dankbarkeit für die wiedererlangte Gesundheit gründete er an der Universität Zürich eine Stiftung, welche jährlich einen Preis für Fortschritte in der Medizin vergibt. Der Preis ist mit insgesamt 30'000 Franken dotiert.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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