LERU

Qualitätskreisläufe und Big Data

Zum ersten Mal war die Universität Zürich Gastgeberin eines Treffens der LERU Learning and Teaching Policy Group. Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten von 23 der forschungsstärksten Universitäten Europas diskutierten an der UZH neue Ideen für die Lehre.

Andres Eberhard

Dozentenfoyer der UZH
Dozentenfoyer der UZH
Prorektorin Gabriele Siegert begrüsste am 21. September die Mitglieder LERU Learning and Teaching Policy Group. (Bild: Fabio Schönholzer)

Es hätte kein schönerer Abend sein können, um mit prominenten Gästen im Uni-Turm ein Nachtessen einzunehmen. Über den blau schimmernden Zürichsee hinweg waren am Horizont die frisch verschneiten Alpen zu sehen.

Zum ersten Mal lud die UZH in Person von Prorektorin Gabriele Siegert vorletzte Woche zum Treffen der LERU Learning and Teaching Policy Group, die sich regelmässig über gute Praxis und Perspektiven der universitären Lehre austauscht. Die Gruppe besteht aus den für die Lehre zuständigen Vizerektorinnen und -rektoren der Universitäten aus dem LERU-Netzwerk – dem Verbund von 23 der forschungsstärksten europäischen Universitäten (League of European Research Universities).

Am Treffen vom 21. und 22. September präsentierte sich aber nicht nur die Stadt Zürich im besten Licht. Auch inhaltlich darf das Treffen als Erfolg gewertet werden, wie die engagierten Diskussionen im Anschluss an verschiedene Referate zeigten.

Qualitätsentwicklung als gemeinsame Aufgabe

Seitens der UZH sprach Thomas Hidber, Leiter Studienangebotsentwicklung, über ein Projekt zur Qualitätssicherung Studium und Lehre, das an der UZH im Laufe dieses und des nächsten Jahres umgesetzt wird. Das Referat zeigte auf, wie die UZH plant, die Qualitätskreisläufe zu schliessen: Auf der Basis von Informationen aus verschiedenen Quellen (Lehrveranstaltungsbeurteilung, Absolventenstudie, Monitoring-Daten) reflektieren Programmdirektorinnen und -direktoren gemeinsam mit Dozierenden und Studierenden regelmässig über die Lehre und diskutieren Möglichkeiten und Massnahmen zur Weiterentwicklung ihrer Studienprogramme.

Dabei werden sie u.a. dadurch unterstützt, dass an der UZH Daten neu nicht mehr nur auf Stufe Fakultät und Disziplin, sondern auch auf der Ebene der einzelnen Studienprogramme ausgewertet werden. «Es wird beispielsweise ersichtlich, wie sich die Erfolgsquote der einzelnen Programme entwickelt oder wann im Studienverlauf es wie viele Drop-Outs aus einem Programm gibt», sagt Hidber.

Verwendung von Big Data: nützlich, aber heikel

Ein weiteres grosses Thema, mit dem sich die Vizerektorinnen und -rektoren in Zürich beschäftigten, ist «Learning Analytics». Tom Broos von der Universität Leuven stellte ein Projekt vor, das untersucht, wie Rückschlüsse aus Daten von Online-Lernsystemen genutzt werden könnten, um Studierenden ein Feedback über ihr Lernverhalten zu geben: Wie wurde das Tool im Lernprozess genutzt und welche Zusammenhänge lassen sich etwa mit den darauf folgenden Prüfungsnoten fest stellen? Der Einsatz von künstlicher Intelligenz würde es darüber hinaus möglich machen, E-Learning-Tools zu individualisieren und als selbst lernende Systeme den Studierenden Übungen fokussiert zu erkannten Schwächen anzubieten.

Jedoch ist der Einsatz solcher Methoden aus Gründen des Persönlichkeits- und Datenschutzes heikel, weswegen deren Einführung an der UZH vorerst nicht zur Debatte steht. Auch die meisten anderen Vertreterinnen und -vertreter aus der LERU-Gruppe reagierten eher verhalten. Man war sich jedoch einig, dass das Thema im Auge behalten werden muss. 

Kreativ wie Entrepreneurs

Auf breiten Konsens hingegen stiess das Thema, welches zum Abschluss der zweitägigen Zusammenkunft diskutiert wurde: «Student Entrepreneurship». Der Begriff ist etwas missverständlich, da es sich nicht um Startup-Förderung handelt oder um die Forderung, dass sich möglichst viele Studierenden nach dem Abschluss selbstständig machen. Der Vortrag von Wim Fyen von der KU Leuven war vielmehr ein Plädoyer für eine kreativitätsorientierte Haltung, welche vermehrt schon während des Studiums gefördert werden soll. Für die Lehre würde das bedeuten, dass ausreichend Freiräume etwa für projekt- und problembasiertes Lernen, Praktika oder internationale Erfahrungen geschaffen werden.

Wim Fyen wird gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe, an der sich auch die UZH beteiligen wird, einen Vorschlag für ein LERU Policy Paper zu dem Thema ausarbeiten.

Andres Eberhard ist freier Journalist.

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