Pensionskasse

«Ich verstehe die Sorgen der Mitarbeitenden»

Die Universitätsleitung hat sich nach sorgfältiger Abwägung für den Verbleib in der BVK entschieden. Prorektor Christian Schwarzenegger begründet im Interview mit UZH News diesen Entscheid.

Marita Fuchs6 Kommentare

Ch. Schwarzenegger
Prorektor Christian Schwarzenegger. (Bild: Frank Brüderli)

Herr Schwarzenegger, die BVK wird ihr Vorsorgereglement auf den 1. Januar 2017 ändern. Angesichts der geplanten Massnahmen sind viele Mitarbeitende an der UZH beunruhigt. Sie fürchten Rentenkürzungen. Sind diese Befürchtungen berechtigt?

Christian Schwarzenegger: Ich verstehe die Sorge der Mitarbeitenden. Die BVK wird den technischen Zinssatz auf zwei Prozent senken, das führt zu tieferen Umwandlungssätzen. Rechnet man die Abfederungsmassnahmen mit ein, werden die BVK-Versicherten im Median eine um acht Prozent tiefere Rente erhalten. Das bedeutet, dass die Hälfte der Versicherten mit einer geringeren und die andere Hälfte mit einer grösseren Senkung der zu erwartenden Rente rechnen muss.

Das ist gewiss keine gute Nachricht – aber es lässt sich leider nicht vermeiden. Immerhin wird die BVK die Sparbeiträge erhöhen, die zu 60 Prozent von der Universität getragen werden. Aber das ändert nichts daran, dass die Massnahmen der BVK schmerzhaft sind.

Wie hat die Universitätsleitung auf die Ankündigung der BVK reagiert?

Für die Universitätsleitung war klar, dass sie zusammen mit den Versicherten sehr genau hinsehen muss, welche Folgen die von der BVK beschlossenen Massnahmen haben. Die UL beschloss, zu diesem Zweck einen Personalausschuss einzusetzen. Dieser Ausschuss hat inzwischen die Massnahmen der BVK überprüft und eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen abgegeben.

Der Personalausschuss befürwortet einen Austritt aus der BVK. Er empfiehlt, in eine Pensionskasse einzutreten, die höhere Umwandlungssätze als die BVK aufweist. Warum folgt die Universitätsleitung dieser Empfehlung nicht?

Wir haben uns im Laufe des Verfahrens mehrfach mit dem Ausschuss ausgetauscht und uns mit seiner Empfehlung intensiv auseinandergesetzt. Die Arbeit des Ausschusses war sehr wertvoll für uns, sie bildete ein wichtiges Element für unsere Abwägungen. Wir sind den Mitgliedern des Ausschusses sehr dankbar für ihren Beitrag zur Entscheidungsfindung.

Zu anderen Kassen zu wechseln wäre insofern attraktiv, als sie im Moment kleinere Beiträge und höhere Renten als die BVK versprechen. Hinsichtlich der längerfristigen Entwicklung sind wir aber zu einer anderen Einschätzung gelangt als der Ausschuss: Wir sind der Auffassung, dass die BVK nachhaltiger und solider wirtschaftet als die vom Personalausschuss BVK vorgeschlagenen Kassen. Das hat auch ein externes Gutachten bestätigt, das wir haben erstellen lassen.

Welche Prämissen setzte die Universitätsleitung bei der Beurteilung der verschiedenen Optionen?

Wir wollen erstens eine nachhaltige und sichere berufliche Vorsorge für unsere Mitarbeitenden. Die Finanzierung soll zweitens zeitnah und generationengerecht sein und drittens auf Umverteilungen verzichten. Viertens ist uns die Verankerung im Kanton Zürich sehr wichtig. Betrachtet man die Optionen unter diesen Prämissen, ist ein Verbleib bei der BVK klar vorteilhafter als ein Wechsel zu einer anderen Pensionskasse.

Warum?

Wir alle wissen, dass die BVK wegen der Vorkommnisse in der Vergangenheit in die Kritik geraten ist. Aber die BVK hat sich vor rund fünf Jahren gewandelt. Sie hat seither gut gewirtschaftet und ihre Unterdeckung weitgehend abgebaut. Dem Stand von August 2016 gemäss beträgt der Deckungsgrad 98.7 Prozent.

Die BVK verfolgt eine Anlagestrategie, die auf Beständigkeit ausgerichtet ist und entsprechend keine zu grossen Risiken in Kauf nimmt. Sie geht von realistischen Szenarien zur demografischen Entwicklung aus und strebt eine möglichst gerechte Verteilung der Lasten unter den Generationen an.

Ist das bei anderen Kassen nicht der Fall?

Die Rahmenbedingungen für die Pensionskassen sind in rasanter Veränderung begriffen. Die Lebenserwartung steigt, und wir befinden uns auf einem historischen Tiefstzinsstand. Alle Kassen müssen in dieser Situation Geld zur Finanzierung der Renten erwirtschaften, entweder über den Kapitalmarkt durch risikoreiche Anlagen, oder durch Umlagerung der Lasten von den Berufstätigen zu den Rentnern. Die BVK senkt dagegen den technischen Zinssatz. Damit fährt sie einen Kurs, der nachhaltiger und gerechter ist.

Sind alle Kassen von den sich verschlechternden ökonomischen Rahmenbedingungen gleich betroffen?

Diese skizzierten ökonomischen Rahmenbedingungen sind im Wesentlichen für alle Vorsorgeeinrichtungen in der Schweiz gleich. Alle Kassen werden sich anpassen müssen. Die BVK vollzieht diese Anpassung mit der Umstellung per 1. Januar 2017 in einem grossen Schritt. Private Kassen stehen dagegen erklärtermassen noch am Anfang des notwendigen Transformationsprozesses. Auch sie werden den Zinssatz senken müssen. Sie werden dies jedoch eher schrittweise tun, um die Versicherten nicht zu verschrecken.

Sie haben auch die Verankerung im Kanton als wichtigen Grundsatz erwähnt. Inwiefern spielt dies in diesem Zusammenhang eine Rolle?

Die UZH ist eine öffentlich-rechtliche Institution des Kantons Zürich. Im Rahmen eines Globalbudgets kann die Universität über ihre finanziellen Mittel verfügen und sich selbstständig organisieren; das stärkt die Freiheit der Forschung und der Lehre. Und doch sind wir fest im Kanton Zürich verankert. Rund 600 Millionen Schweizer Franken investieren die Zürcher Steuerzahlerinnen und -zahler in unsere Institution und garantieren damit gute und stabile Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre. Zugleich gewährleisten sie beste Bedingungen für die Studierenden. Auch die Mitarbeitenden der UZH profitieren von den sicheren kantonalen Anstellungsbedingungen. Zudem wollen wir die Solidargemeinschaft mit den anderen BVK-Versicherten beim Kanton nicht einfach aufkündigen.

Wird sich die UZH für bessere Bedingungen der Versicherten bei der BVK einsetzen?

Ja, wir sind in den letzten Wochen zur Auffassung gekommen, dass sich die Universitätsleitung aktiv in die Politik der BVK einbringen sollte. Wir werden zunächst folgende Ideen einbringen: Erstens sollen die Versicherten künftig zwei Optionen für die Anlagepolitik ihres Guthabens erhalten. Wer eine riskantere Anlage mit höherer Rendite bevorzugt, soll ein entsprechendes Modell wählen können. Zweitens werden wir dafür plädieren, dass die Rentenleistungen für die Versicherten bereits bei einem Deckungsgrad von unter 115 Prozent verbessert werden. Für beide Massnahmen werden wir uns mit Nachdruck einsetzen.

Informationsveranstaltung zu Pensionskassen

Heute, 19. Oktober, 15.30 Uhr, findet im Hauptgebäude der UZH, Aula, eine Informationsveranstaltung statt. Eine weitere Veranstaltung findet am 20.10.2016, 16.30 Uhr, am Irchel, Raum Y15-G-40, statt.

Es besteht ausserdem die Möglichkeit, eine Aufzeichnung der Veranstaltung anzuschauen. Sie wird ab morgen, 20.10.2016, auf unserer Homepage http://www.staff.uzh.ch/de/pensionskasse.html für alle Mitarbeitenden der UZH einsehbar sein.

An der Veranstaltung werden Rektor Michael Hengartner, Prorektor Christian Schwarzenegger und Professor Thorsten Hens als Vertreter des Personalausschusses BVK teilnehmen.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

6 Leserkommentare

Hans Rudolf Schelling schrieb am Dran bleiben und Optionen prüfen! Der Verbleib der UZH bei der BVK ist sowohl für das Personal als auch für die UZH als Arbeitgeberin teuer. Obwohl sich die BVK nicht sozialpartnerschaftlich verhielt und weder Arbeitgeber/innen noch Arbeitnehmer/innen ausserhalb des Stiftungsrats jemals zum neuen Vorsorgereglement – das massive Prämienerhöhungen und geringere Renten bringt – konsultierte, entschied sich die Universitätsleitung gegen die einstimmige Empfehlung des Personalausschusses für den Verbleib bei der BVK. Attraktivere Offerten lagen auf dem Tisch. Ich unterstütze die Stellungnahmen von Doris Vetsch und Werni Weber, nehme aber auch die Universitätsleitung beim Wort, sich bei der BVK für Korrekturen einzusetzen und sich eine spätere Kündigung vorzubehalten. Wir bleiben dran!
Doris Vetsch schrieb am Nicht nachvollziehbar! Von den Ferien retour, habe ich vom Entscheid der UL erfahren. Dem Ausschuss herzlichen Dank für die tolle Arbeit und Empfehlung. Die Argumente für den Verbleib sind für mich auch deshalb nicht nachvollziehbar. Sicher ist eine so krasse Senkung des techn. Zinssatzes auf einmal vermeidbar! Fakt ist, dass wir so immer mehr einzahlen, immer weniger Geld erhalten und dazu noch länger arbeiten müssen (Frauen). Durch jahrelange Misswirtschaft und Korruption des Kantons wurden schon Millionen 'verbraten' und trotz Empfehlung der PUK wurde er dafür finanziell nie zur Verantwortung gezogen. Die grösste Last tragen deshalb die Versicherten mit teilweise untragbaren Renteneinbussen von bis zu 20%, nicht 'nur' 8%. Die BVK ist auf fundierte Kritik gar nie eingegangen und hat deshalb das Vertrauen vieler Versicherten verspielt. Diese Gründe allein sprechen für einen Wechsel. Ich möchte darum diese Option per Ende 2017 keinesfalls fallenlassen. Was meinen die anderen Versicherten dazu?
Michael O. Hengartner schrieb am Antwort auf den Kommentar von Werni Weber Sehr geehrter Herr Weber, die BVK hat in den letzten fünf Jahren gut gewirtschaftet und dank der Sanierungsmassnahmen einen Deckungsgrad auf 98.7% erreicht. Ein – wie Sie sagen – eher „düsteres“ Bild zeichnen wir von den ökonomischen Rahmenbedingungen für die Pensionskassen insgesamt. Wir befinden uns auf einem historischen Tiefstzinsstand. Alle Kassen müssen in dieser Situation Geld zur Finanzierung der Renten erwirtschaften, entweder über den Kapitalmarkt durch risikoreiche Anlagen, oder durch Umlagerung der Lasten von den Berufstätigen zu den Rentnern. Unter diesen Bedingungen operiert die BVK weiterhin nachhaltig und solide. Mit freundlichen Grüssen, Michael O. Hengartner, Rektor
Werni Weber schrieb am Sanierung Die UL selbst zeichnet ein düsteres Bild der BVK und der 2. Säule insgesamt. Wie stellt sie sich zum ausser Kraft gesetzten bisherigen Sanierungsmechanismus? Ist die sofortige Wiedereinführung nicht vertrauensbildender als sich Gedanken über den nur am fernen Horizont denkbaren Deckungsgrad von 115% zu machen?
Michael O. Hengartner, Rektor UZH schrieb am Danke für Ihre Fragen Sehr geehrte Frau Kumar, danke für Ihre Fragen. Wir wollten unsere Mitarbeitenden möglichst zeitnah informieren und ihnen rasch die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen. Unsere Mitarbeitenden sollen den Entscheid nicht erst aus der Zeitung erfahren. Bei Bedarf werden wir mit dem Personalausschuss BVK weitere Informationsveranstaltungen planen. Es besteht ausserdem die Möglichkeit, eine Aufzeichnung der Veranstaltung anzuschauen. Die Aufzeichnung wird ab morgen, 20.10.2016, auf der UZH-Homepage für alle Mitarbeitenden der UZH einsehbar sein. Ihre dritte Frage zielt auf den Entscheidungsprozess. Der Personalausschuss BVK hatte den Auftrag, eine Empfehlung auszusprechen. Aufgabe der Universitätsleitung ist es, für alle Mitarbeitenden und für die Universität aus der Gesamtsicht und nach Abwägung ökonomischer, juristischer und verfahrenstechnischer Aspekte zu entscheiden. Mit freundlichen Grüssen, M. O. Hengartner, Rektor UZH
Pia Kumar schrieb am Fragezeichen 1. Wieso werden die Informationsveranstaltungen dermassen kurzfristig angesetzt? 2. Wieso finden die Informationsveranstaltungen in den Schul-Herbstferien statt? Sehr viele Mitarbeitende sind dann in den Ferien. 3. Die UL (Exekutive) folgt der "Empfehlung" des Personalausschusses (in diesem Fall Legislative) nicht: Funktioniert die Gewaltenteilung an der Uni oder ist das hier kein Thema?

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