Ghostwriting

«Jede gekaufte Arbeit ist eine zuviel»

Rektor Michael Hengartner war gestern Abend in der Rundschau des Schweizer Fernsehens zu Gast. Als Präsident der Rektorenkonferenz der schweizerischen Hochschulen nahm er Stellung zum Thema Ghostwriting an den Universitäten. 

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«Der grösste Teil der Studierenden ist leistungswillig und leistungsfähig», sagt Michael Hengartner (l.) in der Sendung Rundschau. (Bild: Screenshot)

Rektor Michael Hengartner liess in der Sendung keinen Zweifel daran, dass die Universität jede Form von Plagiat als Betrug ansieht und verurteilt. «Jede gekaufte Arbeit ist eine zuviel», sagte er. Es mache ihn traurig und verärgere ihn, wenn Studierende Ghostwirter engagierten, sagte er. Der Sinn schriftlicher Arbeiten sei es, dass die Studierenden sich darin übten, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und zu vermitteln. Alle Studierenden seien imstande, dies zu lernen, wenn sie nur wollten.

Vehement wehrte sich Hengartner dagegen, die Studierenden generell unter Betrugsverdacht zu stellen. Man dürfe wegen «einiger fauler Äpfel», die es zweifelsfrei gebe, nicht «den ganzen Obstgarten» schlechtreden. Er wisse als Dozent aus eigener Erfahrung, dass die meisten Studierenden neugierig, leistungswillig und leistungsfähig seien und auch vor schwierigen Aufgaben nicht zurückschreckten.

Was die Wirksamkeit rechtlicher Verfahren  gegen Ghostwriting-Anbieter anbelangt, zeigte sich Hengartner skeptisch. Von Strafanzeigen, wie sie die Universität St. Gallen erstattet hat, wird die Universität Zürich vorerst absehen.

Als Massnahme gegen gekaufte Arbeiten schlug der UZH-Rektor vor, den Studierenden noch besser als bisher zu erklären, warum schriftliche Arbeiten ein wichtiger Bestandteil ihres Studiums seien. «Wir müssen den Studierenden klarmachen, dass es in ihrem eigenen langfristigen Interesse ist, ihre Arbeiten selbst zu schreiben», sagte er.

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1 Leserkommentar

Fiona Cameron schrieb am Betrug nachzuweisen ist schwer Ghostwriting ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz leider immer noch nicht verboten, auch nicht im „akademischen“ Bereich. Höchstens wenn ein Student beim Schummeln erwischt wird und es ersichtlich ist, dass die Agentur von der unrechtmäßigen Einreichung wusste, kann diese aufgrund Beihilfe zur Urkundenfälschung belangt werden. Den Betrug nachzuweisen ist jedoch schwer. Nach außen hin handelt es sich um wissenschaftlich saubere Arbeiten. Offiziell verstecken sich solche „Ghostwriting Unternehmen“ hinter ihren AGB und die besagen, dass man die Arbeiten nur als „Mustervorlage“ nutzen kann. Lächerlich, wenn Sie mich fragen. Wer lässt sich eine Arbeit schreiben und nutzt sie nicht? Auf der juristischen Seite http://www.e-recht24.de/artikel/haftunginhalte/8221-ghostwrtiting-ist-das-strafbar-was-ist-erlaubt.html ist zu lesen, wie genau sich solche Unternehmen hinter ihren Taten verstecken.

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