Friedrich-Miescher-Award

Ausgezeichneter Biochemiker

Assistenzprofessor Martin Jinek vom Biochemischen Institut der UZH erhält morgen Freitag den diesjährigen Friedrich-Miescher-Award. Der 35jährige Forscher wird von der SSCMB (Swiss Society for Molecular and Cellular Biosciences) für seine Arbeiten über das mikrobielle Abwehrsystem und Gentech-Werkzeug (CRISPR-Cas9) ausgezeichnet.

Stefan Stöcklin

«Ansporn, die eigenen Arbeiten auf höchstem Niveau weiterzuführen»: Martin Jinek zum Miescher-Preis. (Bild: zVg)

Vor zwei Jahren kam Martin Jinek als Assistenzprofessor an die UZH. In der Zwischenzeit hat er fünf wissenschaftliche Arbeiten in namhaften Zeitschriften publiziert, einen ERC-Grant in Millionenhöhe eingeworben sowie den John Kendrew Preis gewonnen – und morgen Freitag erhält er den renommierten Friedrich-Miescher-Award.

Der mit 20'000 Franken dotierte Preis wird in Erinnerung an den Basler Friedrich Miescher (1844 – 1895) verliehen, der 1869 als erster die Nukleinsäure DNA beschrieben hat. Die Auszeichnung wird im Rahmen des Meetings der Life Sciences Switzerland auf dem Campus Irchel der UZH vergeben.

Unentbehrliches Werkzeug

Martin Jinek ist ein aufstrebender junger Forscher und der Grund seiner Auszeichnung hat einen komplizierten Namen: CRISPR-Cas9. CRISPR ist eine Abkürzung für spezielle Erbgutabschnitte in Bakterien, bei Cas9 handelt es sich um ein Protein (siehe Kasten). Der Biochemiker hat dazu beigetragen, dass Cas9 zum unentbehrlichen Werkzeug der Forscher geworden ist.

Das Molekül dient als vielseitige Schere, um das Erbgut tierischer oder pflanzlicher Zellen zu bearbeiten. Gene können mit Cas9 nach Wunsch ausgeschnitten, hinzugefügt, aktiviert oder unterdrückt werden. Das System hat innert kürzester Zeit seinen Platz in den Forschungslabors gefunden.

Auf das Forschungsthema ist Martin Jinek im Labor von Jennifer Doudna an der Universität von Kalifornien in Berkeley gestossen. Mit klugen Experimenten machte er das bakterielle System zum brauchbaren Werkzeug. Seither vertieft er mit seinem Team in immer neuen Versuchen das Verständnis der molekularen Schere.

Friedrich Miescher - ein grosser Wissenschaftler

Diese Arbeiten liegen dem aktuellen Preis zugrunde. «Ich fühle mich geehrt über den Friedrich Miescher Preis, der auf einen grossen Wissenschaftler zurückgeht», sagt der Assistenzprofessor. Der Preis sei ein Ansporn, die eigenen Arbeiten auf höchstem Niveau weiterzuführen. Möchte er dazu auch seine siebenköpfige Forschungsgruppe ausbauen? Im Prinzip ja – aber mit Bedacht, meint der Biochemiker. «Es ist nicht gut, zu schnell zu wachsen», sagt er im Gespräch mit UZH News.

Der 1979 in Tschechien geborene Forscher hat einen bemerkenswerten Werdegang. Dank einem Stipendium konnte er im Alter von 17 Jahren nach Grossbritannien an einer britische Privatschule studieren, wo er sich nach dem Abschluss am Trinity College der renommierten Cambridge Universität bewarb.

Mit einem Master in Chemie wechselte er danach an das EMBL in Heidelberg, dort führte er seine Doktorarbeit zur molekularen Struktur von RNA-Protein-Komplexen durch. Als frisch promovierter Strukturbiologe beschäftigte sich Martin Jinek im Labor von Jennifer Doudna in den USA ein erstes Mal mit dem CRISPR-Cas9-System. Seither hat ihn das Thema nicht mehr losgelassen.

Hervorragendes Umfeld

Vor zwei Jahren wechselte Martin Jinek von Berkeley nach Zürich. «Der gute Ruf der Universität und das hervorragende Forschungsumfeld im Biochemischen Institut waren entscheidend für den Umzug in die Schweiz», sagt Jinek.  Bisher hätten sich seine Erwartungen vollumfänglich erfüllt. Dies zeigt sich auch am konstant hohen Output seines Forschungsteams. Man darf die Prognose wagen, dass dies nicht der letzte Preis des Forschers gewesen ist

Molekulare Schere gegen Viren

Als CRISPR (clustered regularly interspace short palindromic repeats) werden kurze Abschnitte im Erbgut von Bakterien bezeichnet. Zusammen mit Cas9 bilden sie ein effizientes Abwehrsystem für schädliche Viren. Dank den CRISPR-Sequenzen erkennen die Mikroben eindringende Viren und führen die Genschere Cas9 zur fremden DNA, die danach zerschnitten wird. Dazu verbinden sich Teile der CRISPR-Sequenz und Cas9 zu einem RNA-Protein-Komplex. Cas9 steht für CRISPR assoziiertes Protein Nummer 9. Martin Jinek hat den biochemischen Ablauf dieser Prozesse analysiert und modifiziert, damit der Schneidevorgang auch in andern als bakteriellen Zellen funktioniert. Dies hat neue Anwendungen des CRISPR-Cas9-Systems in der Gen- und Biotechnologie eröffnet.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News und UZH Journal

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