Hollywood und Wissenschaft

Ein Mathematiker als Filmstar-Double

In vielen Hollywoodproduktionen mischt auch die Wissenschaft mit. Wie das zu und her geht, erklärte der britische Kommunikationswissenschaftler David Kirby im Rahmen des Schrödinger-Colloquiums an der UZH.

Susanne Huber

«Jurassic Park setzte Massstäbe»: David Kirby, Dozent für Wissenschaftskommunikation an der Manchester University, war zu Gast an der UZH. (Bild: Susanne Huber)

Hollywood fabriziert Träume, die in der Regel möglichst realitätsnah wirken sollen. Der hyperrealistische Stil, sagte der britische Kommunikationswissenschaftler David Kirby in seinem unterhaltsamen Vortrag an der UZH, sei en vogue. Der Schein der Wirklichkeitsnähe habe im heutigen Filmschaffen einen deutlichen höheren Stellenwert als noch vor zwanzig Jahren.

Paradoxerweise waren es Filme mit denkbar phantastischem Inhalt, die diesbezüglich Massstäbe  setzten. Kirby nannte Jurassic Parc, The Lord of the Rings oder Christopher Nolans Batman-Trilogie. Gerade Filme, die den Rahmen der Wirklichkeit sprengen, müssen im Detail realistisch wirken, sagte Kirby. Die Fabelwesen bewegen sich zu diesem Zweck in lebensechten Naturszenerien, und Superhelden operieren mit authentisch wirkenden technischen Equipments.

Schlaue Riesenechsen

Um die Wirklichkeits-Illusionen zu perfektionieren, zieht Hollywood häufig Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftler zur Beratung bei. Der Wissenschaft bietet sich dadurch die Chance, die eigene Zunft ins rechte Licht zu rücken. Institutionen wie die NASA, so Kirby, hätten das Kino längst als ein PR-Vehikel entdeckt.

Bisweilen nutzen Forschende die Filmindustrie auch, um neueste Erkenntnisse ihres Fachs zu verbreiten. Als Beispiel nannte Kirby wiederum Steven Spielbergs Jurassic Park, der 1993 die Faszination für Dinosaurier befeuerte. Der Film prägte nachhaltig das Bild, das man sich gemeinhin von Dinosauriern macht. Vormals galten sie als schwerfällig, langsam und dumm, seit Jurassic Park aber als blitzschnell und intelligent. Die Filmemacher haben einen grossen Aufwand betrieben, um Dinosaurier realitätsnah darzustellen.

Plausible Spekulationen

Doch es waren nicht nur wissenschaftlich belegte Fakten, die die Wissenschaft zu Jurassic Park beisteuerte, sondern auch einige Spekulationen. So nutzte der Paläontologe Jack Horner, den Spielberg als Berater engagierte, die Gelegenheit, einige damals noch heftig umstrittene Hypothesen über Dinosaurier zu propagieren. So wurden zum Beispiel auf Horners Rat hin die Riesenechsen als Warmblüter dargestellt, die evolutionsbiologisch Vögeln näherstehen als Reptilien. Im Film gibt es eine berühmte Szene, in der ein Velociraptor die Spur zweier Kinder verfolgt. Die Zuschauer sehen ihn zuerst durch eine Scheibe, an der sein Atem kondensiert. Mit seinem Ruf teilt er seinen Artgenossen mit, dass er die Beute gefunden hat. Diese Elemente werden dramaturgisch genutzt: Sie tragen zur Spannung der Szene bei. Aber sie funktionieren laut Kirby auch als visuell plausibles Argument für die Theorie, dass die Dinosaurier warmblütig und manche auch vogelähnlich waren.

Jargon und Ausstrahlung

Filme transportieren aber nicht nur wissenschaftliche Erkenntnisse und Spekulationen, sie handeln oft auch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. In solchen Fällen kommt den wissenschaftlichen Beraterinnen und Beratern die Aufgabe zu, dafür zu sorgen, dass Jargon und Ausstrahlung der Darstellenden stimmen. Um zum Beispiel einen Biologen überzeugend zu spielen, muss der entsprechende Schauspieler mit der gleichen Selbstverständlichkeit im Labor agieren wie ein Forscher.

Griff in die Trickkiste

Nicht immer erlangen die Schauspieler die Fähigkeit, sich wie ein Wissenschaftler zu bewegen. Im Film The Day the Earth Stood Still spielte Keanu Reeves einen Ausserirdischen, dessen Kenntnisse in Astrophysik die der Erdenmenschen übersteigen. Doch Reeves gelang es nicht, die Formeln mit der für Physiker üblichen Geschwindigkeit an die Tafel zu schreiben. Wenn das Kinopublikum ihm das mathematische Genie abnimmt, dann nur dank der Tricktechnik, mit deren Hilfe seine Bewegungen beschleunigt wurden.

Genauso wenig hätte Russell Crowe ohne Griff in die Trickkiste in der Rolle des Nobelpreisträgers John Forbes Nash überzeugt. Für die Szenen, in denen er im Film A Beautiful Mind mathematische Formeln notiert, wurde ein Handdouble engagiert. So kam der Mathematiker Dave Bayer, der bei dem Filmprojekt eigentlich als wissenschaftlicher Berater engagiert war, unerwartet zu Leinwandauftritten.

Susanne Huber ist freischaffende Journalistin.

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