Medizinstudium und Sport

Keine Hürden für Spitzensportler

Kariem Husseins Medaillengewinn bei der Europa-Meisterschaft beflügelte in diesem Sommer die Sportfans der Schweiz. Doch nur wenige wissen, dass der Leichtathlet mitten im fünften Jahr des Medizinstudiums an der UZH steckt. Hochleistungssport und Studium lassen sich nur mit viel Disziplin und Unterstützung von anderen unter einen Hut bringen. Deshalb zeigt sich das Dekanat der Medizinischen Fakultät kulant gegenüber Hochleistungssportlern. 

Marita Fuchs

Findet die Balance zwischen Hochleistungssport und Arztausbildung: Medizinstudent Kariem Hussein. (Bild: Weltklasse Zürich)

Eigentlich wäre er gern Fussballprofi geworden. Doch Kariem Husseins Berufswunsch «Arzt» stand schon früh fest. «Intensives Fussballtraining im Team und ein Medizinstudium sind aus zeitlichen Gründen nicht realisierbar», sagt Hussein. Deshalb entschied sich der heute 25-jährige für eine sportliche Alternative: Als Leichtathlet müsste sich Studium und Sport vereinen lassen, so seine Meinung. Mit seiner Grösse von 1,91 m und seinen langen Beinen zeigte sich bald sein Talent für den Hürdenlauf. Die Entscheidung war goldrichtig und führte ihn an der kürzlich stattgefundenen Europameisterschaft auf die oberste Stufe des Siegerpodests.

Einige Tage nach diesem EM-Gold verbesserte Kariem Hussein seine Bestleistung über 400 m Hürden. Er wurde bei «Weltklasse Zürich» im Letzigrund Vierter. Im Moment fühle er sich wie nach einer Medizinprüfung, sagt Hussein. Der Körper sei fit, aber der Kopf sei müde und ausgebrannt, Erholung sei nötig. Doch lange wird die Ruhephase nicht andauern. Jetzt muss er sein fünftes Studienjahr angehen, in dem Praktika in medizinischen Schwerpunktfächern auf dem Programm stehen. Im fünften Studienjahr, dem Praxisjahr, arbeiten die angehenden Mediziner neun Monate in einem Spital als sogenannte Unterassistenten. Die Studierenden können sich während dieser Zeit verschiedene medizinische Fachgebiete genauer anschauen und überlegen, in welche Richtung sie sich später spezialisieren wollen.

Hussein wird wie andere Studierende auch in verschiedenen Spitälern arbeiten. Allerdings kann er diese Phase auf zwei Jahre ausdehnen – in der Regel ist ein Jahr dafür vorgesehen. Das Dekanat der Medizinischen Fakultät hat ihm eine Verlängerungsfrist von einem Jahr gewährt. «Ich habe gefragt, ob das möglich sei», erzählt Hussein, «und bin sofort auf Verständnis gestossen.»

Mehrwert fürs Studium

«Eine Verlängerung gewähren wir nur in Ausnahmefällen», sagt Jan Breckwoldt, Leiter des Studiendekanats der Medizinischen Fakultät. «Und zwar dann, wenn der Dispens einen Mehrwert für das Studium bedeutet.» Doch was ist unter Mehrwert zu verstehen? Breckwoldt konkretisiert: «Will zum Beispiel eine Studentin später in die Gesundheitspolitik einsteigen und erhält die Chance, ein Praktikum bei der Weltgesundheitsorganisation zu machen, ist das ein guter Grund.»

Im Fall von Hussein könnte es sein, dass er später als medizinischer Betreuer von Hochleistungssportlern arbeitet, da könne ihm sein Hintergrund als Leistungssportler durchaus nützlich sein, meint Breckwoldt. Im Moment studieren zwei Hochleistungssportler an der Medizinischen Fakultät: die Eishockeyspielerin Laura Benz und Kariem Hussein. Wichtig sei jedoch, so Breckwoldt, dass die Fakultät diesen beiden zwar zeitliche Zugeständnisse mache, jedoch keine Studienleistungen erlasse. «Der Stoff muss gelernt werden.»

Die Trainingspause ab Oktober wird Hussein nun dazu nutzen, intensiv im Spital zu arbeiten, das Kantonsspital in Münsterlingen macht da den Anfang. Besonders gespannt ist er auf die Praktika in der Pneumologie im Dezember und der Orthopädie Anfang 2015, weil er sich vorstellen kann, später in die Sportmedizin einzusteigen. Doch bis dahin muss er weiterhin die Balance zwischen Sport und Medizin finden.

Die Ziele in beiden Bereiche stehen schon fest: Es sind die Olympischen Spiele im Jahr 2016 und das medizinische Staatsexamen im Jahr danach.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News.

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