Doktoratsstudium Fachdidaktik

Die Vermittler vom Fach

In der Ausbildung von Lehrkräften fehlt es an Fachdidaktikern, die auch Forschung betreiben. Die Universität Zürich leistet mit dem neuen «Doktoratsstudium Fachdidaktik» einen Beitrag zur Schliessung dieser Lücke.

Adrian Ritter

Lehrkräfte brauchen nicht nur Kenntnisse ihres Faches und der Pädagogik, sondern auch der Fachdidaktik. (Bild: Frank Brüderli)

Mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ein chemisches Experiment durchzuführen ist nicht dasselbe, wie sie im Deutschunterricht eine Gruppendiskussion führen zu lassen. Entsprechend müssen sich Lehrkräfte nicht nur fachlich – etwa in Chemie oder Deutsch – und in Pädagogik auskennen. Sie brauchen auch Kenntnisse der sogenannten Fachdidaktik – also in der Planung, Durchführung und Analyse des Unterrichts im jeweiligen Unterrichtsfach. Ohne solches Wissen ist es den Lehrkräften nicht möglich, ihre Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Fächern optimal zu fördern.

Die fachdidaktische Ausbildung angehender Lehrerinnen und Lehrer wird heute meist von qualifizierten, praxiserfahrenen Lehrpersonen durchgeführt. Allerdings fehlte es bisher in der deutschsprachigen Schweiz an forschungsorientierten Expertinnen und Experten für Fachdidaktik. Die Universität Zürich leistet mit dem neuen «Doktoratsstudium Fachdidaktik», für das sich Interessierte per sofort anmelden können, einen Beitrag zur Schliessung dieser Lücke.

Neue berufliche Perspektiven

«Eine praxisbezogene Ausbildung in Fachdidaktik ist auch in Zukunft notwendig und erwünscht. Mit dem neuen Doktoratsstudium besteht aber endlich auch in der Deutschschweiz die Möglichkeit, in Fachdidaktik zu promovieren», sagt Katharina Maag Merki, Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft (IfE) der Universität Zürich. Sie hat als Projektleiterin in den vergangenen eineinhalb Jahren das Doktoratsstudium gemeinsam mit einer Arbeitsgruppe aufgegleist.

Das neue Doktoratsstudium ist nicht nur für die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrer ein Gewinn, es eröffnet Nachwuchsforschenden auch neue berufliche Perspektiven: «Bisher gab es in der Deutschschweiz keinen Ort, um sich im Bereich Fachdidaktik wissenschaftlich zu profilieren und eine akademische Karriere einzuschlagen», sagt Maag Merki.

Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Zürich

Fachdidaktik ist ein interdisziplinäres Forschungsfeld. Aus diesem Grund ist das neue Doktorat «Fachdidaktik» in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe entwickelt worden. In dieser haben verschiedene Fakultäten der UZH und die Pädagogische Hochschule Zürich (PHZH) mitgearbeitet. Damit wird es für Nachwuchsforschende auch der Pädagogischen Hochschulen erstmals möglich, eine fachdidaktische Promotion an der UZH zu erlangen.

«Mit dem neuen Doktoratsstudium besteht in der Deutschschweiz erstmals die Möglichkeit, in Fachdidaktik zu promovieren»: Katharina Maag Merki, Institut für Erziehungswissenschaft der UZH. (Bild: zVg)

Veranstaltungen in der ganzen Schweiz

Das Doktoratsstudium soll eine fundierte Ausbildung in Erziehungswissenschaft, Fachdidaktik, Forschungsmethoden und Bildungspolitik vermitteln. Zusätzlich können die Doktorierenden im rund dreijährigen Doktorat überfachliche Kompetenzen in Kursen wie «Einwerbung von Forschungsgeldern» oder «Mentoring/Coaching» erwerben.

Mit der Zusammenarbeit zwischen PHZH und UZH sowie dem «Schweizerischen Doktoratsprogramm in Fachdidaktik» – einem Weiterbildungsangebot ohne Promotionsmöglichkeit – steht den Teilnehmenden der Austausch und der Besuch von Veranstaltungen in der ganzen Schweiz offen.

Die Promotion erfolgt an der Philosophischen Fakultät der UZH, der Doktoratsstudiengang wird vom Institut für Erziehungswissenschaft geleitet. Dort ist kürzlich eine erste Professur für Fachdidaktik der Naturwissenschaften geschaffen worden. Die Einrichtung ähnlicher Professuren in weiteren Fächern wird derzeit diskutiert. 

Gefragt für die Unterrichtsentwicklung

Die Teilnehmenden des Doktoratsstudiums können sich für verschiedene Schulstufen spezialisieren, sei es die Primar- oder Sekundarstufe, die gymnasiale Stufe oder die Berufsschule. Nach der Promotion steht den Absolvierenden eine wissenschaftliche Karriere oder beispielsweise eine Tätigkeit als Dozentin oder Dozent an einer Pädagogischen Hochschule oder Universität offen.

«Die Absolvierenden werden auch im Bereich der Unterrichtsentwicklung gefragt sein», ist Maag Merki überzeugt. Die Stärkung der fachdidaktischen Forschung werde wichtige Erkenntnisse über einen lerneffektiven Unterricht in den einzelnen Fächern liefern und damit die Basis legen für eine gezielte Weiterentwicklung des Fachunterrichts.

Besonders gross ist der Bedarf an Spezialistinnen und Spezialisten für Fachdidaktik gemäss Maag Merki in naturwissenschaftlichen Fächern sowie im Sprachunterricht oder im Fach Geschichte.

Lehrerfahrung erwünscht

Zugelassen zum Doktoratsstudium wird, wer einen Masterabschluss in Fachdidaktik vorweisen kann. Zwei entsprechende Masterstudiengänge existieren in Zürich bereits mit der «Fachdidaktik Schulsprache Deutsch» (gemeinsamer Master PHZH/UZH) und der «Fachdidaktik Naturwissenschaften» (gemeinsamer Master PHZH/UZH/ETHZ).

Als weiterer Zugangsweg steht das neue Doktoratsstudium Personen offen, die ein wissenschaftliches Fachstudium etwa in Mathematik, Deutsch oder Geschichte absolviert und im Nebenfach Erziehungswissenschaft belegt haben. Ein Lehrdiplom und Lehrerfahrung sind somit nicht zwingende Voraussetzung, jedoch sehr erwünscht.

Anmeldefrist für das Doktoratsstudium Fachdidaktik: 31. Juli 2014 (für das Herbstsemester) und 31. Januar 2015 (für das Frühjahrssemester).

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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