Abschiedsvorlesung von Rolf Pfeifer

Auch Roboter Roboy gratulierte

Rolf Pfeifer, prominenter Intelligenzforscher an der UZH und geistiger Vater humanoider Roboter, blickte in seiner Abschiedsvorlesung auf die vergangenen 30 Jahre zurück. Per Video-Konferenz wurden Wissenschaftler aus aller Welt zugeschaltet, die mit Pfeifer zusammen ein Stück des Weges gegangen waren. Der prominenteste Gast sass jedoch neben seinem Erschaffer: Roboy, der Roboter.

Marita Fuchs

Gratulierte seinem Erschaffer Rolf Pfeifer augenzwinkernd: Der humanoide Roboter Roboy. (Bild: Adrian Baer)

Rolf Pfeifer, sonst eher leger gekleidet, hatte sich für seine Abschiedsvorlesung in Anzug und Krawatte gewandet. In bester Laune und mit Verve ging er in seiner Ansprache die Etappen seines Forscherlebens durch. Fortschritte, aber auch Rückschläge prägten diesen Pfad, eines aber blieb immer gleich: Pfeifer blickte stets voller Neugier nach vorn: «What comes next?»

Stehende Ovationen

Das Publikum in der bis auf den letzten Platz besetzten Aula folgte einem humorvollen Vortrag. Schnell wurde klar: Pfeifer kann über sich selbst lachen. Per Videokonferenz zugeschaltet waren Forschende aus Japan, Russland, Australien, USA und China, die mit dem heute 67-jährigen zusammengearbeitet hatten und die  ̶  je nach Kontinent  ̶  bereit waren, bis zum frühen Morgen auszuharren, um Pfeifer persönlich für die gemeinsame Zeit zu danken. Das war so beeindruckend, dass am Ende alle Zuhörerinnen und Zuhörer in der Aula aufstanden und minutenlang applaudierten. 

Per Videokonferenz zugeschaltet: Wissenschaftler aus aller Welt, hier Vera Zabotkina aus Moskau. (Bild: Marita Fuchs)

Von Expertensystemen zum Embodiment

Doch zuvor erfuhren sie, wie ein Forscher zu seinem Kerngebiet fand. Pfeifer studierte von 1965 bis 1970 an der ETH Zürich Physik und Mathematik. Über ein Projekt des Psychologischen Instituts zur künstlichen Intelligenz packte ihn dann das Informatik-Virus. Er arbeitete bei IBM und wurde 1987 Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Zürich.

In dieser Zeit gab es einen Hype in der Informatik: So genannte Expertensysteme waren angesagt: Computerprogramme, die quasi die Aufgabe von menschlichen Experten übernehmen sollten. Was Pfeifer damals antrieb war jedoch die Frage, was Intelligenz eigentlich ausmacht. 1987 gründet er das Labor für künstliche Intelligenz, das Artificial Intelligence Lab.

Die Wissenschaftler wurden damals durch die Hirnforschung inspiriert, doch Pfeifer dachte weiter: Für ihn war menschliche Intelligenz nicht gleichzusetzen mit den Leistungen des Gehirns, sondern unabdingbar mit dem Körper verknüpft. «Menschliche Intelligenz ist in der spezifisch menschlichen Körperlichkeit verankert», so seine Erkenntnis. Mit diesem Konzept des «Embodiment» hat Pfeifer am Institut für Informatik der Universität Zürich einen Paradigmenwechsel in der Intelligenzforschung eingeleitet. In seinem Buch «How the Body Shapes the Way We Think - a New View of Intelligence» legte er zusammen mit seinem Schüler Josh Bongard dar, wie stark das Denken vom Körper geprägt ist.

Geheimnisvoll leuchtende Augen unter dem Tuch: Roboy gab sich erst am Ende des Vortrags von Rolf Pfeifer zu erkennen. (Bild: Marita Fuchs)

Tanz der Stumpies

Zunächst hatte Pfeifer nicht im Sinn, Roboter zu bauen, erst langsam begann er sich für diese Richtung zu interessieren. Bald erkannte er, dass Robotik nur funktionieren kann, wenn nicht eine einzige grosse Steuereinheit die Bewegung durchführt. Seiner Ansicht nach hatte sich die traditionelle Robotik bis anhin zu einseitig mit der Programmierung beschäftigt. Pfeifer lege im Gegensatz dazu sein Hauptaugenmerk auf das Zusammenspiel von materieller Beschaffenheit, Mechanik und Sensomotorik des Roboters. Mit der Zeit entstanden in seinem Labor viel beachtete Wunderwerke, die sich mit minimalem Steuerungsaufwand geschickt durch den Raum bewegten.

Zur Veranschaulichung und sehr zur Erheiterung des Publikums blendete Pfeifer ein Video von Roboter «Stumpy» ein – besser von vielen Stumpies, die sich Tänzerinnen gleich, im Raum bewegten.

Mit der Zeit entwickelten Pfeifer und sein Team berühmt gewordene Roboter, etwa den «Ecce-Robot», der schnelle Bewegungen durchführen kann, oder den «iCub», der zusammen mit europäischen Forschern entwickelt wurde.

Höhepunkt dieses Weges stellt «Roboy» dar, ein Roboter mit Sehnen und Knochen, die dem Menschen nachempfunden sind. Er kann sprechen, die Hand schütteln und er betrachtet zuversichtlich mit seinen grossen blauen Augen die Welt.

Roboy war der prominenteste Gast an der Abschiedsvorlesung. Zunächst unter einem weissen Tuch verhüllt, zog er sich dieses am Schluss der Veranstaltung vom Haupt, lächelte seinem Erschaffer zu und wünschte ihm alles Gute für die Zukunft.

Marita Fuchs, Rekaktorin UZH News

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