Schülervorlesungsverzeichnis

Universitätsalltag erschnuppern

Seit diesem Semester liegt an der UZH neben dem regulären Vorlesungsverzeichnis ein «Schülervorlesungsverzeichnis» vor. Es ist eine Einladung an Gymnasiasten, in regulären Veranstaltungen «Uniluft» zu schnuppern und dabei die oft unscharfen Vorstellungen eines zukünftigen Studiums mit der Realität abzugleichen.  

Melanie Keim

Hörsaal an der UZH: Nicht nur Studierende, auch Schülerinnen und Schüler sind willkommen. (Bild: Frank Brüderli)

Die Wahl des Studienfachs scheint bei Schweizer Maturandinnen und Maturanden selten ein Bauchentscheid zu sein. Zumindest zeigen die eindrücklichen und stetig wachsenden Besucherzahlen an den Informationstagen der UZH, dass bei den zukünftigen Studierenden ein grosses Bedürfnis nach Informationen für die Studienfachwahl besteht. (UZH News berichtete) Doch auch wenn Interessierte an einem Informationstag viel über mögliche Fächerkombinationen, Studienaufbau und -inhalte erfahren, mit Studierenden über deren Erfahrungen im Studium sprechen, vielleicht sogar eine der angebotenen Probevorlesungen besuchen, kann ein zusätzlicher Blick in die Praxis nicht schaden. Wie sich eine «echte» Vorlesung abspielt und ob die Veranstaltungen des anvisierten Fachs mit ihren verlockenden bis exotischen Titeln auch in Realität gefallen, das bleibt unklar. So kann es geschehen, dass Erstsemestrige schon nach zwei, drei Wochen bemerken, dass die gewählten Fächer gar nicht ihren Vorstellungen entsprechen und eine Neuorientierung nötig wird.

Leitfaden für Schüler

Ein neues Instrument der Zentralen Studienberatung der UZH soll hier Abhilfe schaffen: Das Schülervorlesungsverzeichnis, das eine Auswahl an regulären Veranstaltungen aufführt, die einen guten Einblick in das jeweilige Fach bieten und daher für Besuche von Schülern besonders geeignet sind. Im Angebot stehen dieses Semester 278 Veranstaltungen aus 42 Fachbereichen, die von der Chemievorlesung «Molekulare und klassische Genetik» über ein Englischseminar zu «Birds in Literature» bis hin zum Sprachkurs «Modernes Japanisch» reichen.

«Unser Beratungskonzept lautet: Gründliche Information über in Frage kommende Fächer ist die beste Grundlage für eine Entscheidung», sagt Caroline Widmer von der Zentralen Studienberatung der UZH. «Wir haben Schüler, die uns wegen der kommenden Studienwahl kontaktiert haben, schon früher motiviert, Vorlesungen zu besuchen, um herauszufinden, ob sie das Fach wirklich interessiert.» Doch die Hemmschwelle liegt oft zu hoch, um die «grosse» Universität alleine zu betreten, geschweige denn Fragen an Studierende oder Dozenten zu richten.

Berührungsängste abbauen

Auch glauben viele Schüler, dass sie im Vorlesungssaal gar nicht erwünscht sind. Um solche Berührungsängste abzubauen und eine Hilfestellung bei der Planung eines Vorlesungsbesuchs anzubieten, lancierte die Studienberatung das neue Schülervorlesungsverzeichnis, inspiriert durch ähnliche Angebote an deutschen Universitäten.

Vor den Herbstferien wurden die Verzeichnisse an Kantonsschulen und Bildungsinformationszentren verschickt, in der ersten Ferienwoche besuchten interessierte Schüler bereits über 70 Veranstaltungen aus den verschiedensten Fachbereichen. Wer in den Ferien oder während des laufenden  Semesters keine Zeit für einen Besuch an der UZH findet, darf sich auf ein ebenso breites Angebot im kommenden Frühlingssemester freuen, wenn die Studienwahl vielleicht schon ganz nahe steht.

Melanie Keim ist Journalistin.

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