Studieninformationstage 2013

Schnuppern, bohren und entscheiden

An den Studieninformationstagen erhielten Schülerinnen und Schüler einen Einblick in das Fächerangebot an der UZH. Mehr als 100 Fächer stellten sich vor, einige mit Spezialprogrammen. Mit über 7000 Besuchern wurde ein Rekord geknackt. 

Claudio Zemp

Und auf gehts: Mit Programmheft an die Studieninformationstage. (Bild: Claudio Zemp)

Die Universität zeigte sich in strahlendem Spätsommerwetter – und die Schülerinnen und Schüler kamen in Scharen. Einige betraten zum ersten Mal überhaupt eine Hochschule, gelbe Bälle wiesen den jungen Leuten den Weg zum Lichthof.

Der erste Eindruck war für viele überwältigend: «Sehr einladend», fand etwa der 18-jährige Jia Ji aus Baden, der zusammen mit der ganzen Kantonsschulklasse an den Informationstag reiste. Vom Treppenhaus im 2. Stock verschaffte er sich mit seinen Kollegen einen Überblick. In etwa eineinhalb Jahren legen die Jugendlichen ihre Matura ab. Die Möglichkeiten für den Weg danach sind immens. «Ziemlich beeindruckend und mega-gross», sagt der 18jährige Dave, der sich für Mathematik und Sport interessiert. Noch hat er sich nicht entschieden und will auf jeden Fall andere Fächer «beschnuppern».  

Im Lichthof unter der gelben Kugel treffen die Schülerinnen und Schüler auf ein breites Angebot an Infoständen. (Bild: Claudio Zemp)

Tausende von Sprachen

Also los: Die Gänge und Galerien im Hauptgebäude der UZH sind voll von Ständen. Mehr als 100 Fächer stellen sich vor: von A wie Ägyptologie bis Z wie Zahnmedizin. Britische und skandinavische Flaggen weisen den Weg, wohin die Studienreise gehen könnte. Vielleicht zu den Populären Kulturen? Oder Indologie, Sinologie, Pädagogik?

Beratungsgespräch am Stand der Anglisten. (Bild: Claudio Zemp)

Überall stehen Professorinnen und Professoren, Studierende und Mitarbeitende der UZH, die freundlich Auskunft geben. «Wahnsinnig, was es alles gibt», staunt die 18-jährige Alexandra Mitiric vom Gymnasium Unterstrass. Sie geht im Grüppchen mit zwei Freundinnen von Stand zu Stand: «Es ist für mich recht verwirrend, aber ein angenehmes Klima».

Ihre Kollegin Samira Cabdulle interessiert sich für Umweltwissenschaften und Medizin: «Das System mit den Modulen habe ich noch nicht gecheckt.». Für Angela Zollinger dagegen ist schon klar, dass es sie nach 13 Jahren Schule  vorerst nach Praxis dürstet. Sie plant ein Zwischenjahr: «Ich finde 18 noch relativ jung, um mit dem Studium anzufangen.»

Am Stand der Germanischen Altertumskunde wird schnell deutlich, um was es bei diesem Studium geht. (Bild: Claudio Zemp)

Auf den Tischen werden neben Broschüren hier und dort auch Süssigkeiten angeboten. Das Angebot an geistigen Nahrungshäppchen ist ungleich üppiger. Viele Fächer haben die Studieninformation mit einer klassischen Vorlesung kombiniert. Mit Veranstaltungstiteln wird im Programm auf die Gemütslage des Zielpublikums eingegangen: Grundsätzlich in der Germanistik: «Anfangen. Ein philosophisches Problem» oder umfassend mit der Frage: «Wer bin ich?» in der Theologie.

Die Englische Sprach- und Literaturwissenschaft lädt zu einem Vortrag mit dem Titel «Lost in the funhouse» ein. Daneben, bei den Allgemeinen Sprachwissenschaften, gibt es wörtlich «Tausende von Sprachen», und beim nächsten Stand wird erörtert, was ein Frühstück mit Geographie zu tun habe. Ganz aktuelle Tagespolitik steht auf dem Menü der Rechtswissenschaften, wo Professorin Christine Kaufmann die rechtlichen Fragen am Fallbeispiel des Steuerstreits mit den USA behandelt.

Rat von Ehemaligen

Das Institut für Informatik hat zwei Alumni eingeladen. Die Wirtschaftsinformatiker Brigitte Bailer und Stephan Wick blicken auf ihr Studium zurück und teilen ihre Erfahrungen mit. «Die Vielfalt der Berufsmöglichkeiten nach einem Informatik-Studium sind enorm», sagt Wick. Die 500 Alumni würden rund 400 verschiedene Berufe ausüben, schätzt er. Er selbst ist Mitglied der Geschäftsleitung der Migros Bank geworden. Die wichtigste Studienanforderung neben der Matura sei der Wille, durchzuhalten – und das Interesse an der Sache.

Im Übungslabor der Zahnmediziner: Probebohren an einer Puppe. (Bild: Claudio Zemp)

Feinmotorische Fähigkeiten sind bei der Zahnmedizin gefragt. «Wenn Sie gerne basteln und mit den Händen arbeiten, sind Sie hier richtig», sagte Oberarzt Heinz-Theo Lübbers in seinem Referat. Mit Schutzbrille, Mundschutz und Werkzeug durften die Gymnasiasten und Gymnasiastinnen im Übungslabor danach selber bohren. «Eigentlich schleifen wir – wir bohren nicht», präzisierte Lübbers.

Prorektor Otfried Jarren stellte das vielfältige Angebot der UZH vor. (Bild: Claudio Zemp)

Durchblick dank Einblick

Zurück im Treppenhaus des Kollegiengebäudes stehen Arian, Bojan und Jessica. Sie besuchen die Kantonsschule Sargans und sind auf eigene Initiative an die Informationstage gekommen. Der 16-jährige Arian interessiert sich für Chemie oder Biochemie. Wenn ihn Arbeit nicht abschreckt, ist er hier am richtigen Ort. Am Stand der Chemie steht jedenfalls in grossen Lettern das Motto: «ArBeITeN», zusammengesetzt aus den Symbolen für die Elemente des Periodensystems. Der Chemie-Masterstudent Dave Oesch erläutert: «Chemie ist ein eher strenges Studium, aber wenn es anders wäre, hätte es mich auch nicht interessiert.»

ArBeITeN: Gute Laune am Stand der Chemiker. (Bild: Claudio Zemp)

Am Vormittag hatte Prorektor Otfried Jarren im Vortrag «Durchblick dank Einblick» die grösste Volluniversität vorgestellt. Was heisst Module buchen? Welche unterschiedlichen Fächer kann ich kombinieren? Kann ich ein Semester im Ausland studieren? Und wie finde ich eine Wohnung? An den Studieninformationstagen fand sich für alle Fragen eine persönliche Antwort. «Nutzen Sie die Informationsquellen, nehmen Sie es selbst an die Hand», riet er den Jugendlichen in der Aula.

10 Jahre Studieninformationstage Jedes Jahr, zwei Wochen vor Studienbeginn, öffnet die UZH ihre Türen für Jugendliche, die sich für ein Studium interessieren. Die Studieninformationstage an der UZH fanden in diesem Jahr zum 10. Mal statt. Die Nachfrage ist seit 2004 stetig gestiegen. Mehr als 7000 Besucherinnen und Besuchern kamen an den vergangenen zwei Tagen an die UZH. Das entspricht mehr als einem Drittel aller Schweizer Maturandinnen und Maturanden in diesem Jahr. Das schweizweit vielfältigste Fächerangebot wurde an mehr als 100 Ständen vorgestellt. Die Schülerschaft konnte sich dort aus erster Hand informieren. Neben organisatorischen und inhaltlichen Fragen zum Studium fanden die Interessierten auch Antworten auf die Möglichkeiten des studentischen Lebens. Der akademische Sportverband ASVZ, das Sprachzentrum und die Bibliotheken der UZH waren an der Ausstellung im Lichthof präsent.

Claudio Zemp ist freier Journalist in Zürich.

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