Wissenschaftliche Publikationen

Immer der Reihe nach

Welche Reihenfolge gilt in wissenschaftlichen Fachzeitschriften bei der Nennung der Autorinnen und Autoren? Die Akademien der Wissenschaften Schweiz sprechen Empfehlungen aus. Wir haben gefragt, wie dies an der UZH geregelt ist.

Marita Fuchs

Gibt zu reden: Der Publikationsdruck kann zu unkorrekten Autorenangaben verleiten. (Bild: Frank Brüderli)

Forschungsarbeit ist in der Regel Teamarbeit. Ist sie erfolgreich, werden die Resultate in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert. Alles prima, könnte man meinen. Doch der Teufel steckt im Detail, wenn es um die Auflistung der beteiligten Forscherinnen und Forscher geht. Als Autoren sollten nur diejenigen genannt werden, die einen wichtigen Beitrag geleistet haben. Doch darüber können die Meinungen erheblich auseinandergehen. Eine Konsensfindung ist dann häufig schwierig. Im schlimmsten Fall steht der Gang zum Rechtsanwalt bevor.

Juristisch gibt es keine klaren Regelungen, auf die man im Streitfall um eine Autorschaft pochen könnte. Um diese gesetzliche Lücke auszugleichen, erlassen Universitäten in der Regel Weisungen zur Autorschaft, so auch die UZH: In einem Anhang zur «Weisung über die Unlauterkeit in der Wissenschaft» aus dem Jahr 2003 werden unberechtigte Ansprüche an Erst- oder Mitautoren oder die Nichterwähnung von Forschenden, die einen wesentlichen Beitrag geleistet haben, als wissenschaftliches Fehlverhalten gebrandmarkt.

Trotz dieser Weisungen kann der hohe Publikationsdruck, das Machtgefälle innerhalb einer Forschungsgruppe oder ein falsches Loyalitätsgefühl zu unkorrekten Autorenangaben verleiten, schreiben die Autoren der Akademien der Wissenschaften Schweiz in ihrer neusten Analyse zur Autorschaft. Allerdings gehöre es der Vergangenheit an, dass Forschungsleistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses zugunsten des Vorgesetzen nicht genannt würden.

Auch die sogenannte Ehrenautorschaft, die Tradition, den Instituts- oder Klinikleiter aufzuführen, obwohl er an dem Projekt nicht beteiligt war, sei passé. Klar sei aber auch, dass durch die insgesamt länger werdenden Autorenzeilen – vor allem bei universitätsübergreifenden Forschungsprojekten – die Frage der Platzierung der einzelnen Mitautoren immer wichtiger werde.

Relevant für die Karriere

Der Kampf um Nennung und Platzierung des eigenen Namens in Publikationen wird deshalb so hart geführt, weil sie für Forschende enorm wichtig sind. Für eine wissenschaftliche Karriere kann die Länge der Publikationsliste mitentscheidend sein, bedeuten die Veröffentlichungen für Forschende doch häufig Finanzspritzen in Form von Stipendien-, Förder- oder Drittmitteln.

Auch an der UZH ist die Anzahl der Publikationen wichtig für eine wissenschaftliche Karriere. So werden an der medizinischen Fakultät der UZH etwa 15 Publikationen für die Anmeldung zur Habilitation vorausgesetzt; in sechs davon sollten die Bewerber als Erst- oder Letztautoren genannt sein.

Bei der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät gibt es keine fixe Zahl, jedoch wird berücksichtigt, ob ein Bewerber als Erstautor in einer Publikation genannt wird. Entscheidend ist dabei die Relevanz der Arbeit selbst und die Reputation des Journals. Eine Veröffentlichung in «Nature» zählt weit mehr als die in einem eher unbedeutenden Fachblatt.

Auch an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gibt es keine fixen Zahlenvorgaben, weil innerhalb verschiedener Forschungsdisziplinen sehr unterschiedliche Möglichkeiten des Publizierens bestehen. Klar sei jedoch, dass Erstautorschaft in einer hochrangigen Publikation geschätzt werde, so Harald Gall, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät.

Vier Grundmodelle

Es gibt vier Grundmodelle der Autorennennung. Sie sind historisch gewachsen und hängen von der Kultur des jeweiligen Fachbereichs ab. Im ersten und einfachsten Modell werden Autoren alphabetisch aufgeführt. So ist zum Beispiel bei den Mathematikern die strikte alphabetische Nennung üblich. In einem zweiten Modell werden die Autoren nach Arbeitsleistung aufgelistet. Dem Erstautor kommt dabei das grösste, dem Letztautor das geringste Gewicht zu.

Sehr verbreitet ist das dritte Modell: Es weist dem Erst- und Letztautor eine besondere Bedeutung zu. Der Erstautor ist derjenige, der einen wesentlichen Beitrag geleistet hat, während der Letztautor als Gruppenleiter die Verantwortung trägt und häufig die letzte Überarbeitung der Publikation übernimmt.

Nach diesem System sind in der Regel die Publikationen in der Medizinischen und in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät organisiert. Dies ist auch in den Life Sciences üblich. Die vierte Möglichkeit der Autorennennung berücksichtigt den prozentualen Anteil an der geleisteten Arbeit. Hat jemand etwa 50 Prozent zum Gelingen beigetragen, so wird er entsprechend ausgezeichnet. Das System wird dann in einer Fussnote erklärt. «Die Autoren und die Journale werden in Zukunft wohl diese Form bevorzugen», mutmasst der Dekan der Medizinischen Fakultät, Klaus Grätz.

Andreas H. Jucker, Dekan der Philosophischen Fakultät, findet das Nebeneinander unterschiedlicher Systeme problematisch. Es sei jeweils nicht sofort ersichtlich, nach welchem Modell die Autoren angeordnet seien. In den philosophischen Wissenschaften gebe es in der Regel weniger Autoren als in den naturwissenschaftlichen Fächern. Mehr als drei seien eher selten, sagt Jucker. Doch auch hier könnten die Einschätzungen, wer die Mehrarbeit geleistet habe, auseinandergehen.

Lob für die Initiative

Die Dekane Klaus Grätz, Harald Gall, Michael Hengartner und Andreas Jucker befürworten einhellig den Vorstoss der Schweizerischen Akademie der Wissenschaften, die Autorschaft zum Thema zu machen. So auch Prorektor Daniel Wyler: «Die Universität wird die Empfehlungen in die neuen Richtlinien zur wissenschaftlichen Integrität, die im Moment ausgearbeitet werden, aufnehmen.»

Unterschiedlicher Meinung sind die Dekane hinsichtlich einer wichtigen Empfehlung, nämlich der Forderung, die Forschungsgruppen sollten früh festlegen, wer auf der Autorenliste erscheinen soll. «Am besten legt man dies von Anfang an fest, dann gibt es im Nachhinein keinen Ärger», so Klaus Grätz.

Dieser Meinung ist auch Harald Gall. Er plädiert für die Entwicklung eines der wissenschaftlichen Lauterkeit verpflichteten Leitfadens, der ethische Grundsätze der Autorschaft regle. Michael Hengartner, Dekan der MNF, ist von der Idee, die angehenden Autoren und ihre Stellung im Voraus festzulegen, weniger überzeugt: «In der Grundlagenforschung funktioniert das nicht.» Während eines Forschungsprojekts könne sich viel ändern. Plötzlich komme ein Masterstudent mit einer tollen Idee und einem wesentlichen Beitrag. Auch er gehöre dann auf die Autorenliste.

Eine korrekte Liste der Autoren zu erstellen, sei für ihn jedoch eine Frage der Lauterkeit und der wissenschaftlichen Ethik. Sich damit auseinanderzusetzen, gehöre auch zur Ausbildung künftiger Wissenschaftler, meint Michael Hengartner.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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