Dies academicus 2012

Acht Ehrendoktortitel vergeben

Zum 179. Mal beging die UZH am 28. April ihre jährliche Siftungsfeier, den Dies academicus. Acht Persönlichkeiten wurden mit einem Ehrendoktortitel ausgezeichnet – darunter der Zürcher Ex-Justizdirektor Markus Notter und die pakistanische Ärztin Farhat Moazam.

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Feierliche Eröffnung: Das Akademische Orchester unter der Leitung von Prof. Johannes Schlaefli spielte den ersten Satz aus Tschaikovskys 5. Sinfonie. (Bild: Frank Brüderli)

Feierlich eröffnete das Akademische Orchester Zürich den Dies academicus am 28. April. Unter der Leitung von Prof. Johannes Schlaefli spielten es den ersten Satz aus Peter I. Tschaikovskys 5. Sinfonie und erfeuten damit die zahlreichen Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Zeigte auf, dass Worte mehr sind als blosse Etiketten: Rektor Andreas Fischer bei seiner Dies-Rede. (Bild: Frank Brüderli)

Die Macht der Worte

In seiner diesjährigen Dies-Rede befasste sich der Rektor Andreas Fischer mit der Begriffsgeschichte der modernen Universität. Anhand mehrerer Bezeichnungen zeigte er auf, dass Wörter nicht nur Etiketten sind, sondern Realitäten abbilden und schaffen.

Als Beispiel nannte er den Begriff «alumni», an dem er den Einfluss angelsächsischer Konzepte dokumentierte. So wurden Absolventen in unseren Sprachregionen noch bis vor Kurzem zu Ehemaligen, deren Beziehung zur Universität mit dem Abschluss des Studiums endete. Heute bezeichne man sie als alumni, und wie in der amerikanischen Universitätswelt würden sie auch bei uns als Pflegesöhne und -töchter ihrer Universität verstanden, die ihr nach dem Studium verbunden bleiben – eine Entwicklung, die Fischer begrüsst.

Martin Roeck, Präsident des Studierendenrates der UZH, setzte sich danach mit den Auswirkungen der Bologna-Reform auf das Studium auseinander. Das System habe den Druck auf die Studierenden enorm gesteigert und erschwere die kritische Reflexion des Gelernten, sagte er und forderte deshalb, den Studierenden wieder mehr Freiräume zuzugestehen.

Forderte mehr Freiräume für Studierende: Martin Roeck, Präsident des Studierendenrates. (Bild: Frank Brüderli)

Eine Ehrendoktorin, sieben Ehrendoktoren

Die Ehrendoktorwürde wurde folgenden Persönlichkeiten verliehen:

Prof. Dr. Bruce Gordon in Anerkennung seiner grundlegenden Forschungsarbeiten zur Geschichte der Schweizerischen Reformation.

Dr. Markus Notter in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Modernisierung des zürcherischen Rechts und um die Rechtskultur im Kanton Zürich während seiner Tätigkeit als Regierungsrat und Justizdirektor.

Prof. Dr. Ivo Schwander in Anerkennung seiner fundamentalen Arbeiten zum Privat- und Zivilverfahrensrecht, namentlich auch zu dessen internationalen Bezügen.

Prof. Thomas W. Malone, PhD in Anerkennung seiner vielseitigen und bedeutungsvollen wissenschaftlichen Beiträge zur Wechselwirkung zwischen Informatik und Wirtschaftswissenschaften, insbesondere zum Einfluss der Informatik auf Marktstrukturen, Koordinationsprobleme und die kollektive Intelligenz.

Prof. Dr. Farhat Moazam, FACS, Ph.D., in Anerkennung ihrer fundamentalen Beiträge zur Ethik und Organtransplantation in Pakistan.

Dr. Hans Burger in Anerkennung seiner Pionierarbeit auf dem Gebiet der Mutterkuhhaltung in der Schweiz. Es ist dies eine grasland- und weidebasierte Form der Rindfleischerzeugung, die besonders tier- und umweltfreundlich ist und sich speziell für das Berggebiet und den Jura eignet.

Prof. Dr. Leung Ping-kwan in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die internationale Anerkennung und Vermittlung chinesischsprachiger Literatur aus Hongkong sowie um die Förderung des interkulturellen Dialogs zwischen China und der Schweiz.

Prof. Dr. Shigekazu Nagata in Anerkennung seines Beitrags zur Isolierung und Charakterisierung des antiviralen Interferon-alpha-Gens und seiner bahnbrechenden Entdeckungen zum Mechanismus des auch unter dem Begriff «Apoptose» bekannten programmierten Zelltods.

Die Ehrendoktorin und Ehrendoktoren 2012 mit UZH-Rektor Andreas Fischer. Hintere Reihe v.l.n.r: Prof. Dr. Bruce Gordon, Prof. Dr. Shigekazu Nagata, Dr. Hans Burger, Prof. Thomas W. Malone, PhD, Prof. Dr. Ivo Schwander; vordere Reihe v.l.n.r: Prof. Dr. Leung Ping-kwan, Prof. Dr. Andreas Fischer, Prof. Dr. Farhat Moazam, FACS, PhD, Dr. Markus Notter. (Bild: Frank Brüderli)

Weitere Preise

Den Wissenschaftspreis der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung erhielten dieses Jahr Prof. Dr. med. Jan Krützfeldt und Prof. Dr. med. Jan Lünemann.

Das Forschungsstipendium der Walter und Gertrud Siegenthaler Stiftung geht an Dr. med. Dr. sc. nat. Alexander A. Navarini.

Der Lehrpreis 2012 (Credit Suisse Award for Best Teaching) ging an Prof. Dr. Martin Meyer, Assistenzprofessor für Plastizitäts- und Lernforschung des gesunden Alterns.

Jahrespreise erhielten: Marie-Therese Mäder, Theologische Fakultät; Seraina Denoth, Rechtswissenschaftliche Fakultät; Holger Herz, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät; André Schmidt, Medizinische Fakultät; Dr. Matthias L. Bosshard, Vetsuisse-Fakultät; Rafael Suter, Philosophische Fakultät und Dr. Simon Duttwyler, Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät.

1 Leserkommentar

Fabian Jenny schrieb am Die Bologna Reform und das kritische Denken Herr Roeck äusserte sich sehr kritisch zur Bologna-Reform und sieht das kritische Denken in Gefahr. Ich habe mein ganzes Studium im Bachelor/Master Programmen der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der UZH verbracht und mich dabei nie in der kritischen Reflexion gehindert gefühlt. Ich bin davon überzeugt, dass sich diese wichtige Eigenschaft unabhängig vom Studienmodus (Bologna vs. nicht-Bologna) entwickelt. Viel wichtiger sind gute Mentoren und ein reger Austausch mit den Kommilitonen. Beides habe ich an der UZH unter Bologna erlebt.

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