Symposium Herzinsuffizienz und Herztransplantation

Wenn das Herz ermattet

An einem Symposium zur Herzmedizin, das gestern am Universitätsspital Zürich stattfand, berichteten Herzspezialisten der Universität Zürich über den aktuellen Stand der Forschung und die klinische Behandlung von Herzinsuffizienz. 

Marita Fuchs

Bei einer Herzschwäche ist der Patient nicht mehr leistungsfähig, wird schnell müde, ausserdem kann es zu Wasseransammlungen in den Beinen kommen. (Bild: Jerzy Sawluk)

Herzinsuffizienz oder Herzschwäche, wie man im Volksmund sagt, nimmt in unserer Gesellschaft rasant zu. Aktuell leiden in der Schweiz etwa 120‘000 Menschen an dieser schweren Herzerkrankung; jedes Jahr kommen bis zu 26‘000 neue Fälle hinzu. Patienten mit Herzinsuffizienz haben schlechte Überlebenschancen: So ist das Risiko, innerhalb von fünf Jahren zu sterben, höher als bei den meisten Patienten mit metastasierendem Krebs.

Die Herzschwäche wird verursacht durch das nachlassende Pumpvermögen der Herzkammern. Der Patient ist nicht mehr leistungsfähig, wird schnell müde, ausserdem kann es zu Wasseransammlungen in den Beinen und der Lunge kommen. Die Folge davon ist Atemnot bei Anstrengung und später auch in Ruhephasen. Im schlimmsten Fall kann es zum plötzlichen Herztod aufgrund von Rhythmusstörungen oder Pumpversagen des Herzens kommen.

«Heute überleben 95 Prozent der Infarktpatienten die akute Phase, entwickeln aber meist im Lauf der Jahre danach eine zunehmende Pumpschwäche und Herzinsuffizienz», sagte Thomas F. Lüscher, Professor für Kardiologie und Physiologie an der Universität Zürich, gestern auf einem Symposium über neue Behandlungsmöglichkeiten für Patienten mit Herzschwäche.

Thomas F. Lüscher, Professor für Kardiologie und Physiologie an der Universität Zürich: «Die wichtigsten Ursachen der Herzinsuffizienz sind das Alter, ein Herzinfarkt, hoher Blutdruck und Diabetes.» (Bild: David Werner)

«Heart Team» legt die Behandlung fest

Die Kombination einer koronaren Herzkrankheit oder eines Herzklappenfehlers mit einer Herzinsuffizienz stellt hohe Anforderungen an das behandelnde Spezialistenteam. Die Behandlungsstrategie wird deshalb am Universitätsspital Zürich in einem «Heart Team» aus Kardiologen und Herzchirurgen diskutiert und festgelegt.

Ausschlaggebend für die Behandlung sind die Ursachen der Erkrankung sowie ihr Schweregrad. Begonnen wird mit einer medikamentösen Therapie. Alle Patienten bekommen Hemmer und Betablocker, welche die Ausschüttung von Stresshormonen blockieren. «Neuere Studienergebnisse belegen eindrücklich, dass Hemmer des Aldosterons, einem Hormon der Nebenniere, das Leben von herzinsuffizienten Patienten verbessern und verlängern», sagte Frank Ruschitzka, Titularprofessor für Innere Medizin, speziell Kardiologie.

Für die grosse Anzahl an Patienten, die trotz des Einsatzes von Medikamenten weiterhin unter den Symptomen der Herzinsuffizienz leiden und früher als therapieresistent galten, stehen neue Herzschrittmachertherapien zur Verfügung. So schützen implantierbare Cardiodefibrillatoren vor lebensgefährlichen Rhythmusstörungen. Forscher der Universität Zürich leiten zusammen mit dem Universitätsspital die weltweit grösste randomisierte klinische Studie zur Herzschrittmachertherapie (EchoCRT).

Herztransplantation oder Kunstherz

Chirurgische oder kardiologische Eingriffe kommen dann in Frage, wenn eine Herzklappenerkrankung oder verengte Herzkranzgefässe die Ursache der Insuffizienz sind. Die Klappe kann ersetzt oder rekonstruiert, die Gefässe können erweitert oder über einen Bypass überbrückt werden.

Für ausgewählte, insbesondere jüngere Patienten, die trotz des Einsatzes neuester Medikamente und Schrittmacher weiterhin schwer krank sind, kommt eine Herztransplantation oder der Einsatz eines Kunstherzens in Frage – entweder als Überbrückungstherapie, bis ein Spenderherz zur Verfügung steht, oder als Dauertherapie. «2011 wurden schweizweit am meisten Herzen in Zürich transplantiert: 14 gegenüber 12 im Vorjahr. Die Gesamtzahl der Herztransplantationen in Zürich erhöhte sich damit seit dem Start des Programms im Jahre 1985 auf 385», sagte Volkmar Falk, Professor für Herzchirurgie.

Trainieren, auch wenn es schwerfällt

Neben der medikamentösen Therapie ist die Bedeutung der nicht medikamentösen Interventionsmöglichkeiten wichtig. «Viele Patienten mit fortgeschrittener Herzinsuffizienz vermeiden Bewegung oder sind gar nicht in der Lage, sich mittels angepasster Bewegung zu trainieren. Aber gerade das regelmässige Ausdauertraining ist essentiell für eine Verbesserung der Lebensqualität und die Vermeidung von Hospitalisationen», sagte Privatdozent Matthias Hermann.

Mehrere Interventionsstudien konnten zeigen, dass bei Herzinsuffizienzpatienten ein angepasstes Ausdauertraining ohne Gefahr durchführbar ist; es führt sowohl bei moderater als auch bei schwerer sowie direkt nach akut dekompensierter Herzschwäche zu einer Verbesserung der Lebensqualität und Reduktion von erneuten Hospitalisationen.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News.

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