Akademisches Orchester Zürich

Mit Dvořák in Übersee

Werke von Tschaikowski, Dvořák und Champagne stehen auf dem neuen Konzertprogramm, das das Akademische Orchester Zürich heute Abend in der Tonhalle aufführt. Danach reisen die Musikerinnen und Musiker um den Dirigenten Johannes Schlaefli für eine 12-tägige Tournee nach Kanada.  

Roger Nickl

Dirigent Johannes Schlaefli mit dem Akademischem Orchester Zürich. (Bild: zVg)

Das Akademische Orchester Zürich setzt zum grossen Sprung an: Nach dem heutigen Konzert in der Zürcher Tonhalle reisen die rund 70 Musikerinnen und Musiker um den Dirigenten Johannes Schlaefli Anfang Juli für eine zwölftägige Tournee nach Kanada. Geplant sind fünf Konzerte in Québec, Montréal, Ottawa und Brockville.

Für die Musikerinnen und Musiker, die im Alltag an der Universität und der ETH Zürich studieren und forschen, ist eine solche Konzertreise eine einmalige Gelegenheit: «Das Orchester kann auf einer Tournee sozial und vor allem auch musikalisch zusammenwachsen», sagt Johannes Schlaefli, der das AOZ bereits seit über 25 Jahren dirigiert. In der Regel probt das Sinfonieorchester einmal wöchentlich; gegen Ende des Semesters gibt es jeweils ein Abschlusskonzert, dann verschwinden die Partituren wieder in der Schublade. Nach viel gemeinsamem Proben und individuellem Üben, heisst das, kommt es zu einem kurzen Finale.

Dieses Finale verlängert das AOZ alle paar Jahre mit einer Tournee – das letzte Mal ging das seit 115 Jahren bestehende Orchester 2008 auf eine Konzertreise nach Italien. Solche Reisen führen zu positiven Effekten: Denn im Laufe von mehreren Liveauftritten spielen die Amateurmusikerinnen und –musiker ihre Stimmen zunehmend sicherer. «Sie können sich die Musik mehr als sonst zu eigen machen», weiss Dirigent Schlaefli, der an seinem Laien-Orchester das hohe musikalische Niveau und eine unbändige Spielfreude schätzt, «das hat auf früheren Tourneen immer wieder mal zu musikalischen Sternstunden geführt.» Und deshalb hofft er auch in Kanada auf ein Konzert-Highlight.

Zwei Hits und eine Auftragskomposition

Im Reisegepäck haben die Musiker des AOZ zwei Hits des klassischen Orchesterrepertoires: die beliebte 5. Sinfonie von Peter Tschaikowski und Antonin Dvořáks Cello-Konzert in H-Moll – eines der bekanntesten Cellokonzerte überhaupt, das das AOZ in der Tonhalle mit dem renommierten Schweizer Solisten Thomas Demenga und in Übersee mit Denise Djokic – laut Pressemitteilung des AOZ dem «Shooting Star der kanadischen Cellistenszene» – aufführen wird.

Die Werkauswahl, die eine Programmkommission des Orchesters gemeinsam mit dem Dirigenten getroffen hat, ist nicht ganz zufällig. «Dvořák hat sein Konzert in Amerika geschrieben, gleichzeitig ist es auch geprägt von Heimwehgefühlen in Richtung Europa», erzählt Johannes Schlaefli. So zitiert sich der böhmische Komponist im zweiten Satz selbst, indem er Teile seines Lieds «Lasst mich allein» verarbeitet. Es war dies – so will es die Sage – das Lieblingslied von Dvořáks Schwägerin, in die er einmal verliebt gewesen sein soll.

Der Brückenschlag zwischen der Neuen Welt und Europa, den Dvořák in seinem Werk macht, schien den Verantwortlichen des AOZ passend, für das Programm der Kanada-Tournee. Auch kleine inhaltliche Ähnlichkeiten zwischen Tschaikowskis Sinfonie und Dvořáks Cellokonzert haben die Auswahl wohl beeinflusst: «Beide Werke fangen mit demselben Rhythmus und einem Klarinettensolo an», sagt Johannes Schlaefli, «zudem weisen sie zu Beginn eine ähnliche von tiefen Streichern geprägte Klangfärbung auf.»

Konsumentenfreundliche Neue Musik

Ganz anders gestrickt ist dagegen das «Mouvement symphonique no 1» – einer Auftragskomposition des AOZ an den 32-jährigen kanadischen Komponisten Eric Champagne, die das Orchester in der Tonhalle uraufführen wird. «Das Stück ist tonal ziemlich frei und wirkt deshalb modern und auch etwas schräg», sagt Johannes Schlaefli, «gleichzeitig weist es aber auch konventionellere klassische Gesten auf, etwa einen Fugato-Teil oder Blechbläser-Fanfaren am Schluss der Komposition.» Letztlich, so Schlaefli, handle es sich um ein Stück «kosumentenfreundlicher Neuer Musik». Die Komposition hebt aber auch ganz unterschiedliche Instrumentengruppen des Orchesters hervor. Für die Amateur-Musikerinnen und –Musiker des AOZ eine gute Gelegenheit ihr Können zu zeigen – heute Abend in der Zürcher Tonhalle und Anfang Juli im fernen Kanada.

Roger Nickl ist Redaktor des Magazins der UZH.

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