Peptidforschung

Max-Bergmann-Medaille für John A. Robinson

John A. Robinson, Professor am Organisch-chemischen Institut, hat sich auf die Erforschung von Peptiden spezialisiert. Diese kleinen Moleküle erweisen sich als erfolgversprechend für neue therapeutische Ansätze in der Medizin. Für seine Forschung erhält Robinson die Max-Bergmann-Medaille.

Adrian Ritter

Von weltbesten Peptidforschern ausgezeichnet: John A. Robinson, Professor für Organische Chemie an der UZH. (Bild: zVg)

Diesjähriger Preisträger der Max-Bergmann-Medaille ist John A. Robinson, Professor für Organische Chemie an der UZH. Der Max-Bergmann-Kreis zur Förderung peptidchemischer Arbeiten besteht seit 1980 und stellt im deutschsprachigen Raum in der Wissenschaftsszene eine Besonderheit dar: Bei bewusst niedrig gehaltener Mitgliederzahl fokussiert sich der Kreis auf die Förderung der Forschung von Peptiden und verwandten Gebieten, insbesondere biologisch bedeutenden Proteinen und kleinen, biologisch aktiven Molekülen.

«Der Preis freut mich speziell, weil er von einem Gremium vergeben wird, in dem viele der weltbesten Peptid-Forscher vereinigt sind», so Robinson. Die im Bereich der biologischen Chemie angesiedelte Forschung von John A. Robinson beschäftigt sich mit der Synthese von chemischen Verbindungen, die von medizinischem Nutzen sind.

Dem Krankenhauserreger Paroli bieten

Exemplarisch dafür steht seine Forschung zum Bakterium Pseudomonas aeruginosa, einem gefährlichen Krankenhauskeim. Für gesunde Menschen ist das Bakterium normalerweise ungefährlich, für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem aber kann eine Infektion tödlich sein, weil das Bakterium in Spitälern Antibiotikaresistenzen entwickelt.

Als die Gruppe von John A. Robinson ein natürlich vorkommendes Peptid als Peptid-Antibiotikum zu optimieren versuchte, entstand eine Gruppe von Peptiden. Untersuchungen zeigten, dass P. aeruginosa, die mit dem von Robinson entwickelten Peptid in Kontakt kamen, auffällige Änderungen an ihrer Zellmembran aufwiesen.

Neues Target entdeckt

Im Gegensatz zu den klassischen Penicillinen, die den Aufbau der bakteriellen Zellwand beeinträchtigen, greift dieses neu entwickelte Peptid an einer ganz anderen Stelle der Biosynthese ein. Es könnte so helfen, resistente P. aeruginosa anzugreifen. John A. Robinson und seine Mitarbeiter haben damit womöglich eine völlig neue Antibiotikagruppe entdeckt. Die Arbeit hat ein beachtliches Echo in der wissenschaftlichen Welt hervorgerufen.

Max-Bergmann-Medaille

Die Max-Bergmann-Medaille wird seit 1980 jährlich vom Max-Bergmann-Kreis vergeben. Der Verein hat zum Ziel, im deutschsprachigen Raum die Erforschung von Peptiden, biologisch bedeutenden Proteinen und biologisch aktiven Pharmamolekülen zu fördern. Namensgeber des Vereins ist der deutsch-amerikanische Wissenschaftler Max Bergmann (1886-1944): Der Pionier der angewandten Wissenschaften spezialisierte sich auf das Entschlüsseln und die Synthese von Protein- und Peptid-Strukturen. 1933 floh Bergmann in die USA und trug massgeblich dazu bei, dass die USA auf dem Gebiet der molekularen Biologie eine Spitzenposition erreichten.John A. Robinson studierte Chemie am University College in London. Danach war er unter anderem Postdoktorand am Biochemischen Institut der Universität Karlsruhe und als Wissenschaftler an der Southhampton University (UK) tätig. Seit 1989 ist er ordentlicher Professor für Organische Chemie an der Universität Zürich. Neben seiner breit angelegten Grundlagenforschung hat Robinson den letzten zehn Jahren 16 Patente eingereicht und mit «Virometrix» und «Polyphor» zwei erfolgreiche Spin-offs unterstützt.

Adrian Ritter, Redaktor UZH News

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