Professorinnen-Apéro

Frauen in Leitungsgremien

Unter den Studierenden und Doktorierenden der UZH sind Frauen mittlerweile in der Mehrzahl. Doch sobald man sich die Zahlen der Habilitandinnnen, Professorinnen oder Frauen in Leitungspositionen anschaut, sind Frauen deutlich in der Minderheit. Am diesjährigen Professorinnen-Apéro wurde deshalb der vom Bund lancierte Förderungsschwerpunkt «Frauen in Leitungsgremien» aufgegriffen. Siehe auch das Video dazu. 

Brigitte Blöchlinger1 Kommentar

Wie gelangen mehr Frauen in die Leitungsgremien der Universität? Erste Inputs dazu gab es am Professorinnen-Apéro im UniTurm letzten Montagabend.  

Seit mittlerweile zwölf Jahren engagiert sich der Bund mit bisher drei «Bundesprogrammen Chancengleichheit von Frau und Mann an den Universitäten» ideell und finanziell für mehr Professorinnen und die bessere Vereinbarkeit von Familie und Forschung an Schweizer Universitäten. Angestrebt wird ein durchschnittlicher Frauenanteil von mindestens 25 Prozent bei den Professuren – ein Ziel, das noch keine Universität in der Schweiz erreicht hat.

Doch nicht nur auf den Lehrstühlen sind Frauen in der Minderheit – noch viel weniger vertreten ist das weibliche Geschlecht in den Leitungsgremien der Universitäten. Deshalb hat der Bund, genauer die Schweizerische Universitätskonferenz (SUK), für das kommende Bundesprogramm Chancengleichheit 2013–16 einen Perspektivenwechsel angestossen: Bewährte Förderungsmassnahmen sollen in die universitäre Nachwuchsförderung, in die Forschung und Lehre integriert werden, und es wird zudem ein neuer Schwerpunkt lanciert: Frauen in Leitungsgremien der Universitäten.

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Die Universitäten sind nun eingeladen, bis Ende September 2012 in Zusammenarbeit mit den gleichstellungsbeauftragten Personen und Kommissionen gesamtuniversitäre Aktions- und Massnahmenpläne zu formulieren und bei der SUK einzureichen. Entsprechend finden derzeit Gespräche mit den Fakultäten und Leitungsorganen statt, um für die unterschiedlichen Fachkulturen massgeschneiderte Massnahmen zur Förderung der Gleichstellung bis hin zum oberen Management zu entwickeln.

Wo Networking ein Vergnügen ist: der Professorinnen-Apéro an der UZH. (Bild: Brigitte Blöchlinger)

Thema des Professorinnen-Apéros

Aus diesem Anlass haben die Gleichstellungskommission und die Abteilung Gleichstellung der Universität Zürich das Thema «Frauen in Leitungsgremien der Universität Zürich» für den diesjährigen Professorinnen-Apéro aufgegriffen und das Treffen letzten Montag darauf ausgerichtet. Dazu luden sie zwei Referentinnen, die das Thema Frauen in Leitungsgremien aus theoretischer wie praktischer Erfahrung kennen, für Input-Referate ein: die emeritierte Wirtschaftsprofessorin Margit Osterloh und die Unternehmerin Rosmarie Michel, die auch Ehrengast der UZH ist.

Referentin Margit Osterloh

Die Rechtsprofessorin und derzeitige Präsidentin der Gleichstellungskommission Brigitte Tag, die durch den Abend führte, stellte die beiden Gastreferentinnen und deren beeindruckende Laufbahn vor.

Margit Osterloh ist Professorin für Management Science an der Universität Warwick, UK, und emeritierte ordentliche Professorin für BWL an der Universität Zürich. Sie ist ausserdem Forschungsdirektorin des Center for Research in Management, Economics and the Arts, Schweiz (CREMA). Sie war im Verwaltungsrat der Schweizer Post und der SV Group Schweiz, im Aufsichtsrat der M+W Zander AG, Stuttgart, sowie im Deutschen Wissenschaftsrat. Von 1997 bis 2000 war sie Präsidentin der Gleichstellungskommission an der UZH, und als solche sprach sie sich bisher stets gegen Quoten für Frauen aus.

In ihrem Vortrag am Professorinnen-Apéro erklärte sie, weshalb sie heute für Quoten plädiert. Die wissenschaftliche Forschung habe gezeigt, dass Frauenquoten in Wahl- und Ernennungsgremien klar dazu führen, dass mehr Frauen in Führungspositionen gelangen. «Der Markt richtet es eben nicht allein», sagte die Ökonomieprofessorin.

Input des UZH-Ehrengastes Rosmarie Michel

Die in Zürich geborene und lebende Rosmarie Michel war bis vor einem Jahr Besitzerin des Familienunternehmens Confiserie Schurter. Daneben hat sie in den letzten 35 Jahren verschiedene Verwaltungsratsmandate in Firmen wie ZFV-Unternehmungen (die für die Mahlzeiten in der Mensa und im Restaurant UniTurm der UZH, wo der Professorinnen-Apéro stattfand, zuständig sind), Valora, Credit Suisse und Bon Appétit Group wahrgenommen. Rosmarie Michel ist ausserdem wegen ihrer besonderen Verdienste für die Universität Zürich Ehrengast der UZH.

Anders als Frau Osterloh plädierte sie in ihrem Referat am Professorinnen-Apéro eher gegen Quoten, betonte jedoch, dass Unterstützung auf verschiedenen Ebenen nötig sei. Frauen, die leiten wollten, brauchten Netzwerke, Know-how, Durchhaltewillen und – weiblichen Charme, brachte die 80-Jährige ihre Erfahrungen auf den Punkt.

Begrüssungsansprache des Rektors

Auch Rektor Andreas Fischer war am Professorinnen-Apéro zugegen. In seiner Begrüssungsansprache sagte er, die Universität Zürich unterstütze das Bestreben, mehr Frauen in die oberen Leitungsgremien zu bringen. Dieser Auftrag sei ausserdem im Verhaltenskodex Gender Policy der UZH festgehalten, betonten er und die Leiterin der Abteilung Gleichstellung, Elisabeth Maurer. Das  Bundesprogramm Chancengleichheit wird hoffentlich dazu beitragen, dass ein höherer Frauenanteil in Leitungsgremien kein  frommer Wunsch bleibt.

Brigitte Blöchlinger ist Video-Redaktorin der UZH.

1 Leserkommentar

Jitka Perina schrieb am Die eigene Wirksamkeit erhöhen Als Coach und Mentorin beobachte ich ein ähnliches Bild in den Leitungsgremien der Unternehmen. Aus meiner Sicht sollten diese auf drei Ebenen Frauen in den Leitungspositionen fördern: 1. Infrastruktur bereitstellen, die Frauen ermöglicht, die Führungs-, Fach- und Familienaufgaben zu bewältigen 2. Förderung der Frauen und Männer mit gleichen Chancen als festen Bestandteil der Unternehmenspolitik verankern. 3. Karriereplanung nahtlos an das Studium anknüpfen und konsequent betreiben. Dazu gehört ein Training in der Selbstführungs- und Auftrittskompetenz. Ich erlebe oft, dass Frauen in Kaderpositionen weniger oft oder gar nicht mit ihren Vorgesetzten über ihre Karrierepläne sprechen und die Möglichkeit nicht nutzen, mit einem Mentor an der eigenen Weiterentwicklung zu arbeiten. Frauen müssen sich über ihre Karriereziele im Klaren sein und konsequent an der Umsetzung arbeiten: Im richtigen Moment klar gesehen und gehört zu werden, kann ihre Wirksamkeit erhöhen.

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