3. Professorinnen-Apéro

Vorbilder und Lust auf mehr

Beim diesjährigen Professorinnen-Apéro wurde viel Beifall geklatscht. Zwei Programme konnten erste Erfolge verbuchen: das Publikationsprojekt «Frauen in der Wissenschaft» und das Nachwuchsförderinstrument «Protected Time». Weniger erfreulich: Der Anteil an Professorinnen verharrt an der Universität Zürich bei 16,6 Prozent.

Alice Werner

«Mit dem Professorinnen-Apéro haben wir schon fast eine Tradition geschaffen», sagte Brigitte Tag, Präsidentin der Gleichstellungskommission der Universität Zürich, zur Begrüssung. Bereits zum dritten Mal trafen sich auf Einladung der Abteilung Gleichstellung aktive und emeritierte Professorinnen zum gemeinsamen Gespräch und Erfahrungsaustausch. Der Apéro im Restaurant Uniturm begann mit einer positiven Nachricht: «Unser Projekt ‹Frauen in der Wissenschaft› wird zum Exportschlager.»

Dritter Professorinnen-Apéro: Gruppenbild mit Herren. (Bild: Marc Latzel)

Aufgrund einer intensiven Zusammenarbeit der Gleichstellungskommission, der Abteilung Gleichstellung und der Fakultäten entstanden im letzten Jahr Prospekte und Flyer mit Porträts von UZH-Professorinnen. Sie sollen die «Sichtbarkeit» von Wissenschaftlerinnen an der Universität unterstützen und jungen Frauen eine Identifikationsmöglichkeit bieten. Viel zustimmendes Feedback habe sie erhalten, so Brigitte Tag. Besonders freue sie nun aber, dass das Projekt dankbare «Nachahmer» gefunden habe: «Nach Vorbild der Universität Zürich werden nun an der Universität Jena ähnliche Projekte lanciert.»

Professorinnenquote unverändert

Rektor Andreas Fischer gratulierte Elisabeth Maurer, Leiterin der Abteilung Gleichstellung, und ihrem Team zu diesem Erfolg. In seiner Begrüssungsrede stellte er allerdings mit Bedauern fest, dass die Statistik eine andere Sprache spricht: Gegenüber dem Vorjahr ist der Anteil der Professorinnen an der UZH nicht gestiegen.

Während im akademischen Mittelbau der Männer-/Frauenanteil mittlerweile ausgewogen ist, liegt die Professorinnenquote unverändert bei 16,6 Prozent. «Ich wage nicht vorauszusagen, wann wir die 50-Prozent-Marke erreicht haben werden.» Umso mehr freue es ihn, dass die anwesenden Professorinnen ihre Rolle als Vorbilder leben und junge Kolleginnen ermuntern würden, eine wissenschaftliche Karriere anzustreben. In diesem Sinne, ergänzte Brigitte Tag, verstehe sie auch das Mentoren-Projekt «Protected Time»: als Brücke zwischen Frauen, die bereits an der Spitze der Wissenschaft angekommen sind, zu Frauen, die sich noch auf dem Weg befinden.

Bewährtes Förderinstrument

«Protected Time», Teil des Bundesprogramms Chancengleichheit, war bei der Lancierung 2010 ursprünglich als Nachwuchsförderungsinstrument für angehende Forscherinnen gedacht. Seit diesem Jahr können sich alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Universität Zürich bewerben, die im hektischen Institutsalltag zu wenig Zeit und Raum für Forschung oder Drittmittelakquise finden. «Die Ausweitung auf den gesamten universitären Betrieb», sagte Brigitte Tag, «ist eine Art Gütesiegel für diese Fördermassnahme. Bewerber und Bewerberinnen werden aber auch künftig nach Gleichstellungskriterien beurteilt.»

Für maximal sechs Monate können sich promovierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Anstellung an einem Institut oder Seminar von der Arbeit entweder vollumfänglich oder teilweise freistellen lassen. Die Lohnfortzahlung läuft weiter, die gesprochenen Protected-Time-Gelder werden für eine Lehrvertretung am Arbeitsplatz eingesetzt. Das Förderprojekt habe sich bereits in drei Fällen bewährt, so Elisabeth Maurer.

Schritt für Schritt zur Professur

Zwei der geförderten Wissenschaftlerinnen waren persönlich anwesend und liessen die Gäste an ihren Erfahrungen teilhaben. Die Dermatologin Lisa Weibel demonstrierte, welche Forschungsarbeiten sie im Rahmen dieser Auszeit «endlich zu Ende bringen» konnte. Dank Freistellung und damit der Möglichkeit, für eine längere Zeit konzentriert an Forschungsprojekten zu arbeiten, habe sie eine gute Wegstrecke zum Ziel Habilitation zurück gelegt.

Auch die Veterinärmedizinerin Gabriela Knubben-Schweizer profitierte von ihrer «freien Zeit»: Sie bereitete sich intensiv auf die Prüfung zur «European Veterinary Specialist in Bovine Health Management» vor. Die Tatsache, dass sie diese Zusatzspezialisierung in Angriff genommen hatte, brachte ihr im letzten Jahr drei positive Bewerbungsgespräche ein. An der tierärztlichen Fakultät in München steht sie mittlerweile auf Listenplatz eins.

Per E-Mail bedankte sich die Filmwissenschaftlerin Yvonne Zimmermann: «Dank des Förderprogramms hatte ich Zeit, Publikationen abzuschliessen und umfassende Forschungsanträge zu schreiben.» Bewilligt wurde ihr ein zweijähriger Forschungsaufenthalt an der New York University – ein nächster Meilenstein auf der Karriereleiter.

Alice Werner ist Journalistin in Zürich.

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