Herzkrankheiten

Untersuchen ohne Katheter

Katheter-Untersuchungen bei Herzbeschwerden sind nicht ungefährlich, ausserdem sind sie mit einer hohen Strahlenbelastung verbunden. Der Kardiologe Philipp Kaufmann von der Universität Zürich und seine Mitarbeiter zeigen in einer neuen Studie mit 612 Patienten, dass es auch anders geht. 

Marita Fuchs

Bildgebende Verfahren sind aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Bei Untersuchungen des Herzens wird es jedoch schwierig, hochauflösende und detailgetreue Bilder herzustellen, weil das Herz in ständiger Bewegung ist: Es schlägt zwischen 60 bis 70 Mal in der Minute. Zudem sind die Patienten einer Strahlenbelastung ausgesetzt.

Kein Wunder deshalb, dass viele Ärzte bei Patienten mit unklaren Brustschmerzen oder Verdacht auf Herzkrankheiten mittels Katheter nach Verengungen oder Verschlüssen im Bereich der Herzkranzgefässe suchen. «Ein invasiver Eingriff, der aber nicht immer angezeigt ist», sagt Philipp Kaufmann, Professor für Kardiale Bildgebung an der Universität Zürich. Und auch nicht frei von möglichen Komplikationen: Bei einer Qualitätsuntersuchung in deutschen Krankenhäusern 2009 lag die Sterberate im Spital bei einem Prozent.

Das menschliche Herz: Neue, bildgebende Verfahren können die Untersuchung mit dem Herzkatheter ersetzen. (Bild: Ph. Kaufmann)

Weniger Katheteruntersuchungen

Dem Kardiologen Philipp Kaufmann und seinem Team gelang nun in einer einer aktuellen Studie mit 612 Patienten der Nachweis, dass auch bei verminderter Strahlendosis genaue Bilder des Herzens gemacht werden können. «Damit würden sich Katheteruntersuchungen auf ein Minimum beschränken lassen», sagt Kaufmann.

Solche Bilder, zum Beispiel von Verengungen der Herzkranzgefässe, geben wertvolle Hinweise darüber, ob ein Eingriff anzeigt ist, bei dem etwa ein Stent, eine Gefässstütze, in das Hohlorgan eingebracht wird.

Kardiologe Phillip Kaufmann: Katheteruntersuchungen auf ein Minimum beschränken. (Bild: PD)

Geringere Strahlenbelastung

Kaufmann benutzt für sein Verfahren einen Computer-Tomographen (CT), der bei einer Herzschlagfrequenz von unter 65 Schlägen in der Minute die Darstellung der Herzkranzarterien ermöglicht. Die Strahlenbelastung lässt sich dabei Dank des neuen Verfahrens auf 1 bis 2 Millisievert (mSv) reduzieren. Üblich ist eine Strahlenbelastung in der Grössenordnung von 10 bis 20 mSv bei CT-Unterschungen und von 8 bis 12 mSv bei Herzkatheter-Untersuchungen.

Der Tomograph erzeugt überlappende Schnittbilder des Herzens, die rechnerisch zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Um die Auflösung der Bilder zu erhöhen, werden den Patienten vor der Untersuchung falls nötig Medikamente verabreicht, mit dem Ziel die Herzfrequenz bei höchstens 65 Schlägen pro Minute zu stabilisieren.

Aufgenommen werden die Bilder nicht kontinuierlich, da der Herzmuskel ja fortwährend kontrahiert und wieder entspannt. Aus diesem Grund werden die Bilder immer in der Ruhephase aufgenommen. Nur während dieser Phase ist der Patient einer Röntgenstrahlung ausgesetzt. Dazwischen wird der Röntgenstrahl ausgeschaltet.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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