Medizinische Online-Beratung

Guten Tag, ich hatte einen Hörsturz

Die medizinische Online-Beratung des Universitätsspitals Zürich ist ein Erfolg. Über 50'000 Fragen wurden seit der Gründung vor zwölf Jahren beantwortet. Privatdozentin Maria Christiane Brockes zog in ihrer Antrittsvorlesung Bilanz und blickte in die Zukunft: Die Telemedizin habe grosses Potenzial und sollte deshalb fester Bestandteil der Medizin-Ausbildung werden. 

Marita Fuchs3 Kommentare

«Guten Tag. Ich bin 29-jährig und hatte im Büro einen Gehörsturz. Nach einwöchiger Behandlung mit Trental leichte Besserung des Tinnitus, jedoch konnte ich das Medikament nicht vertragen. Darauf bekam ich sieben Tage 50mg Kortison. Wie lange und in welcher Dosierung darf ich Kortison nehmen? Ich habe Bedenken, wegen der Langzeitschäden.»

Solche und ähnliche Anfragen gehen beim Online-Beratungsteam des Universitätsspitals Zürich (USZ) täglich ein. Ein sechsköpfiges, medizinisches Experten-Team beantwortet sie werktags innerhalb von 24 Stunden.

Online-Beratung am Universitätsspital Zürich: Antworten werktags innerhalb von 24 Stunden. (Bild: PD)

Medizinisch fundierte Tipps

Gesundheitsportale boomen. Doch manchmal sind die Tipps auch dubios. Besser man verlässt sich auf speziell ausgebildete Ärztinnen und Ärzte, die medizinisch fundiert und ethisch seriös beraten. So wie das Telemedizin-Team des USZ, ein Vorreiter auf dem Gebiet der so genannten E-Health. Vor zwölf Jahren, zu einer Zeit, als viele Mediziner über die Möglichkeiten des Internets nur die Nase rümpften, richtete das USZ bereits sein erstes Beratungs-Portal ein. Über 50'000 Anfragen wurden seither beantwortet.

Nutzer und Nutzerinnen seien zufrieden, wie Maria Christiane Brockes, Telemedizinerin am USZ, an ihrer Antrittsvorlesung an der Universität Zürich ausführte. Heute würden die Fragen sehr viel genauer und differenzierter gestellt als noch vor einigen Jahren. Und wenn sie und ihre Kolleginnen und Kollegen einmal nicht mehr weiter wissen, greifen sie auf das Know-how von rund achtzig Spezialisten am Universitätsspital Zürich zurück.

Maria Christiane Brockes, Privatdozentin für Telemedizin, Universität Zürich: Grosses Potenzial. (Bild: PD)

Seit 2008 ist die USZ-Online-Konsultation kostenpflichtig. Daraufhin gingen die Anfragen um zwei Drittel zurück. Vor allem ältere Patienten blieben der Online-Beratung jedoch treu. «Personen, die sich einen Nutzen erhoffen, zahlen auch», sagt Brockes.

Zukunftsmusik Telemonitoring

Unter dem Begriff Telemedizin lässt sich nicht nur die Beratung per E-Mail fassen, dazu gehört auch telefonische Beratung oder – allerdings noch als Zukunftsmusik – das so genannte Telemonitoring.

Beim Telemonitoring übermitteln die Patienten bestimmte Daten, wie Gewicht oder EKG-Werte, regelmässig an ein Zentrum, wo sie in ihre elektronische Patientenakte übertragen werden. Erkennen die Mitarbeiter im Zentrum einen Notfall oder zumindest Behandlungsbedarf, nehmen sie Kontakt zu den Patienten auf und besprechen mit ihnen, welches die nächsten Schritte sind.

Lesen Sie hier, was die Ärzte dem Hörsturz-Patienten geraten haben.

Telemedizin in der Medizin-Ausbildung

Die Telemedizin ist an der Universität Zürich freiwilliger Bestandteil der Medizin-Ausbildung. Das Vertrauen und die Akzeptanz der Studierenden nehme aber zu, sagt Maria Christiane Brockes, Privatdozentin für Telemedizin an der Universität Zürich. Die erweiterte Arzt-Patienten-Kommunikation über das Internet und Telefon gehöre mehr und mehr zu den Kompetenzen eines Arztes, die bereits ein Studierender in den Grundzügen lernen und anwenden sollte. Am meisten profitieren würden Mediziner im vierten Jahr der Ausbildung, da sie schon ein breites Spektrum an Diagnosemöglichkeiten kennen würden. Schwerpunkte des Moduls sind telemedizinische Beratungen mit praktischen Übungen anhand typischer Krankheitsbilder sowie deren Potenziale und Grenzen.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

3 Leserkommentare

Schäfer Olaf schrieb am "Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es...." (Erich Kästner) .... und hier wird in der Tat etwas Gutes getan: Hoffentlich entsteht noch mehr daraus!
Maria Christiane Brockes schrieb am Stellungnahme zum Kommentar von Herr Schultze Sehr geehrter Herr Schultze Ganz vielen Dank für Ihren schönen Kommentar. In Kooperation mit Kollegen aus Göttingen haben auch wir bereits vor einigen Jahren Patienten mit erhöhtem Blutdruck zusätzlich telemedizinisch betreut und konnten Vorteile vom Telemonitoring klar nachweisen. Weiter laufen auch in der Schweiz einige Pilotprojekte zu diesem Thema. Dennoch ist nach meiner Meinung der Durchbruch dieser telemedizinischen Messmethode bei Weitem noch nicht erfolgt bzw. sie befindet sich immer noch in den "Kinderschuhen". Ich hoffe wirklich, dass die Akzeptanz und das Vertrauen in das Telemonitoring nicht mehr lange auf sich warten lässt, weil es kann mehr und mehr zum Baustein in Konzepten der Integrierten Versorgung, Diseases Management Programme (insbesondere Chronic Care Management) und in der Krankenhausnachsorge werden.
Hermann Schultze schrieb am Telemonitoring Schon vor 15 Jahren Auf der MEDICA 1997 in Düsseldorf - und schon früher - haben wir im Rahmen der von uns ins Leben gerufenen Sonderschau "Medienstrasse" telemedizinische Anwendungen gezeigt. Damals gab es bereits Telediagnostik in Form der Übermittlung von Röntgen- und CT-Bildern, zum Beispiel im Münchener Raum (Klinikum Rechts der Isar) und Krefeld. In Krefeld wurden CT-Bilder von Motorradunfällen, die nachts passierten, an einen CT-Spezialisten übermittelt, der dann nachts nicht mehr in eine Klinik im Umland fahren musste. Im Münchener Raum gab es eine Telediagnostik- Einrichtung von mehreren niedergelassenen Ärzten zur Klinik Rechts der Isar, im Rahmen der Operationsnachbetreu Es gab eine Telediagnostik-Strecke in Innsbruck - ich weiß nicht mehr, wohin. Ein weiteres Zentrum war Straßburg mit einer Testleitung nach Basel. Und es gab solche Übertragungen natürlich in den USA, wo es bei der Weite des Landes wichtig war, Röntgenbilder in einem Zentralkrankenhaus begutachten zu lasse

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