Wissenschaftlicher Austausch

Kooperationen in aller Welt

23 Wissenschaftsräte und fünf swissnex-Büros vernetzen die Schweizer Wissenschaft mit dem Rest der Welt. Mitte November besuchten sie die Universität Zürich. UZH News wollte wissen, welche Chancen sie für die UZH in Ländern wie Südkorea, Russland und Indien sehen.

Adrian Ritter

Sie sind selten in der Schweiz. Aber wenn die Wissenschaftsrätinnen und Wissenschaftsräte in die Schweiz reisen, gehören Besuche an Schweizer Hochschulen zum Programm. So besuchten die Vertreter von Schweizer Botschaften und swissnex Mitte November auch die Universität Zürich und liessen sich unter anderem über die Universitären Forschungsschwerpunkte der UZH informieren.

Die Wissenschaftsräte und swissnex-Büros fungieren als Schnittstelle zwischen dem Wissenschaftsplatz Schweiz und ihrer jeweiligen Gastregion und beobachten dort die wissenschafts- und hochschulpolitischen Entwicklungen.

Globales Netz: Die Standorte der Wissenschaftsräte (blau) und swissnex-Büros (rot).  (Bild: SBF)

«Internationalität ist heute eine Selbstverständlichkeit – gerade für eine Forschungsuniversität, die sich an den besten Hochschulen der Welt orientiert», sagt Rektor Andreas Fischer gegenüber UZH News. Das Knüpfen und Pflegen grenzüberschreitender Kontakte werde immer wichtiger. Die UZH sei bestrebt, weitere Forschungskooperationen abzuschliessen – wobei das Interesse insbesondere Partnerinstitutionen in Europa, den USA und den boomenden wissenschaftlichen Zentren Asiens gelte.

In diesem Zusammenhang können die Wissenschaftsräte und swissnex-Büros hilfreich sein, sagt auch Yasmine Inauen, Leiterin der Abteilung Internationale Beziehungen der UZH: «Es sind gute Anlaufstellen, wenn es darum geht, in den entsprechenden Ländern die Hochschulen und deren Bedeutung einzuschätzen.»

Welches Potenzial sehen die Wissenschaftsräte und swissnex-Vertreter für die Universität Zürich in ihren Ländern? UZH News hat auf fünf Kontinenten nachgefragt:

Daniel Cavegn, Südkorea: «Korea hat die Schweiz bei den Forschungsausgaben überholt.»  (Bild: Adrian Ritter)

Daniel Cavegn, Wissenschaftsrat in Seoul/Südkorea

«Die UZH hat die Zusammenarbeit mit koreanischen Universitäten stark ausgebaut. Das ist sinnvoll, denn Korea steigt in den Bildungs- und Forschungsrankings immer höher. Staat und Private investieren enorme Summen in Forschung und Entwicklung, Korea hat die Schweiz diesbezüglich klar überholt. Das asiatische Land hat ein grosses Potenzial, nicht nur in den Ingenieurwissenschaften, sondern auch in den Life Sciences und der Medizintechnologie. Ich hoffe, dass die UZH wieder zu einem Zentrum für Koreanistik wird. Das würde die Zusammenarbeit und den Austausch in allen Fächern fördern.»

Maitree Dasgupta, Indien: «Ich sehe mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit, etwa in der Biorobotik und der Medizin.» (Bild: Adrian Ritter)

Maitree Dasgupta, swissnex India in Bangalore

«Ein Beispiel einer Zusammenarbeit zwischen UZH und Indien ist Professor Rolf Pfeifer mit seinen Arbeiten zur Biorobotik. Pfeifer war einer von 25 Wissenschaftlern, die an der «SCIENCEsuisse exhibition» in Indien porträtiert wurden – die Ausstellung war organisiert von swissnex.

Biorobotik ist ein äusserst beliebtes Forschungsfeld in Indien. Um Pfeifer’s Arbeit zu promoten, haben wir zusätzlich Vorlesungen an führenden indischen Hochschulen organisiert. An einer solchen Veranstaltung erhielt Pfeifer prompt eine Einladung, einen Biorobotik-Workshop am «National Institute of Design» zu halten. 

Ich sehe die indischen Hochschulen in verschiedenen Bereichen als erfolgversprechend: etwa in der Medizin, Astrophysik, Nanotechnologie und den Computerwissenschaften. Gerade in der Biorobotik und Medizin sehe ich noch mehr Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit der UZH. Swissnex India freut sich auf den Besuch von Rektor Andreas Fischer im Februar 2012, um vielversprechende Universitäten und Forschungsinstitute zu besuchen und Kollaborationsmöglichkeiten zu diskutieren.»

Christian Elias Schneider, Australien: «Die UZH dürfte mit ihrem vielfältigen Studienangebot und der exzellenten Forschung global durchaus noch selbstbewusster auftreten.» (Bild: Adrian Ritter)

Christian Elias Schneider, Wissenschaftsrat in Canberra/Australien

«Die UZH dürfte mit ihrem vielfältigen Studienangebot und der exzellenten Forschung global durchaus noch selbstbewusster auftreten. Zwischen der Universität Zürich und australischen Universitäten besteht ein reger Studierendenaustausch und eine enge Zusammenarbeit in der Forschung. Australische Hochschulen betreiben exzellente Grundlagenforschung, etwa in den Bereichen Medizin, Biomedizin sowie Umwelt- und Klimaforschung. Ich helfe, die UZH in Australien sichtbarer zu machen, etwa im Rahmen von Seminaren, die ich organisiere. Im Moment erarbeiten wir ein Austauschabkommen zwischen den Schweizer Hochschulen und den acht besten australischen Universitäten.»

Jacquelene Friedenthal, Südafrika: «Die UZH gehört zu den wichtigsten Forschungspartnern der südafrikanischen Hochschulen.» (Bild: Adrian Ritter)

Friedenthal Jacquelene, Wissenschaftsrätin in Pretoria/Südafrika

Südafrika ist bekannt für exzellente Forschung unter anderem in den Bereichen Medizin, Pflanzenwissenschaften, Biochemie, Umweltwissenschaften und Weltraumforschung.

Die Universität Zürich gehört für die südafrikanischen Hochschulen zu den wichtigsten Partnern für gemeinsame Forschung – insbesondere betreffend Biowissenschaften und öffentliche Gesundheit. Das Universitätsspital Zürich ist beispielsweise an einem Projekt beteiligt, bei dem Radionuklide hergestellt und gegen Krebserkrankungen eingesetzt werden. Ich sehe durchaus weiteres Potenzial für Kooperationen, etwa in der medizinischen Behandlung von Kindern, wo die UZH über viel Fachwissen verfügt. 2013 soll mit dem «Nelson Mandela Children’s Hospital» das zweite Kinderspital in Südafrika eröffnet werden.

Andrey Melnikov, Russland: «Immer mehr russische Forscherinnen und Forscher wollen die UZH besuchen.» (Bild: Adrian Ritter)

Andrey Melnikov, Wissenschaftsrat in Moskau/Russland

«Die UZH ist eine etablierte Weltklasseuniversität. Kein Wunder, erhalte ich immer mehr Anfragen von russischen Forschenden, etwa aus den Bereichen Life Sciences, Medizin, Wirtschaft und Recht, welche die UZH besuchen möchten. Es gibt bereits zahlreiche gemeinsame Projekte. Ich helfe etwa mit beim Kontakt zwischen der Rechtswissenschaft der UZH und der «Moscow State Academy of Law». Diese organisierten letztes Jahr gemeinsam eine «Woche des Schweizer Rechts» in Moskau.

Die russischen Universitäten sind stark in Grundlagenforschung, etwa in Mathematik, Physik und Informationstechnologie. Die Schweizer Forscher sollten die Möglichkeit der Kooperation noch mehr nutzen, zumal Russland Aufenthalte von ausländischen Forschern finanziell unterstützt.»

Danièle Rod, Brüssel: «Ich würde mir wünschen, dass sich die Sozialwissenschaften noch mehr an EU-Programmen beteiligen.» (Bild: Adrian Ritter)

Danièle Rod, Wissenschaftsrätin bei der EU in Brüssel

«Die Universität Zürich ist gut vernetzt in Europa und der Welt. Sie hat es geschafft, sich in den Forschungsprogrammen der EU stark zu verankern, etwa beim «European Research Council» und den «Marie Curie Stipendien» für junge Forschende. Ich wünschte mir, dass die Sozialwissenschaften in solchen Projekten noch vermehrt teilnehmen. Dies zu erreichen scheint mir durchaus realistisch.»

Zuwachs bei swissnex?

Das internationale Netzwerk des Staatssekretariates für Bildung und Forschung (SBF)bleibt von den Sparplänen des Bundes nicht verschont. Der Bundesrat will im gesamten «Aussennetz» (Diplomatie, Wirtschaftsförderung, Forschungs-zusammenarbeit u.a.) bis 2014 insgesamt 30 Mio. Franken sparen. Die Wissenschaftsräte und swissnex-Büros machen knapp zwei Prozent der derzeitigen Gesamtkosten des Aussennetzes von rund 430 Mio. Franken aus. Das swissnex-Netz soll gemäss Bundesrat Didier Burkhalterweiter ausgebaut werden. Priorität haben dabei neue Niederlassungen in Brasilien oder Südafrika, so Walter Grossenbacher-Mansuy, beim SBF für die swissnex zuständig. Sofern das Parlament dem Anliegen zustimmt, liesse sich dieses Anliegen bis 2013/2014 realisieren.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000