Astrophysik

Asteroid in Sicht

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird Asteroid «2005 YU55» an der Erde in einem Abstand von 325'000 Kilometer vorbeisausen. Auswirkungen werden auf der Erde nicht zu spüren sein. Irgendwann in der Zukunft wird es für die Erde aber wieder gefährlich werden, erklärt Ben Moore, Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. 

Interview: Adrian Ritter

UZH News: Etwa 400 Meter lang, so gross wie ein Flugzeugträger, soll der Asteroid sein, der in der Nacht auf Mittwoch an der Erde vorbeifliegen wird. Ein spezielles Ereignis?

Ben Moore: Ja, insofern, als dass «2005 YU55» der Erde dabei näher sein wird als unser Mond. Der Asteroid hat eine Umlaufbahn, die ihn regelmässig in die Nähe von Erde, Mars und Venus bringt. So nah wie jetzt war er uns allerdings seit mindestens 200 Jahren nicht mehr. Die NASA wird die Gelegenheit denn auch nutzen, den Asteroiden während seiner Erdnähe besser zu erforschen: Wie ist er aufgebaut, welche Struktur hat er?

Asteroiden, die grösser sind als 400 Meter, kollidieren etwa alle 50'000 Jahre mit der Erde. Im Bild: Asteroid Vesta (Bild: NASA)

Wird der Asteroid von der Erde aus sichtbar sein?

Ben Moore: Der Asteroid ist zwar näher als der Mond, aber viel kleiner. Deshalb wird er nur mit Präzisionsferngläsern zu erkennen sein. Seine Gravitationskräfte sind ausserdem zu gering, als dass er auf die Erde einwirken könnte, etwa auf die Gezeiten. Klar ist, dass sich «2005 YU55» in Zukunft wieder der Erde nähern wird, voraussichtlich 2041 und 2075. Aber auch dann wird er uns nicht gefährlich nah kommen.

Gibt es andere Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten?

Ben Moore: Es kann jederzeit brenzlig werden für die Erde. Wir wissen heute von rund 1000 so genannten erdnahen Asteroiden, mit einem Durchmesser von mehr als 1 Kilometer. Von diesen droht in naher Zukunft keine Gefahr. Wir kennen aber noch längst nicht alle Asteroiden, die der Erde nahe kommen könnten. Sie sind zu undeutlich, wenn sie sich auf ihrer Umlaufbahn gerade weit weg von uns befinden. Jedenfalls könnte es ohne lange Vorwarnzeit plötzlich zu einer Kollision mit der Erde kommen.

Wie wahrscheinlich ist ein solches Ereignis?

Ben Moore: Etwa alle 500 Jahre trifft ein rund 50 Meter grosser Asteroid die Erde. Dies geschah zuletzt 1908 in Russland. Die Folge war ein Krater von einem Kilometer Durchmesser. Asteroiden, die grösser sind als 400 Meter, kollidieren etwa alle 50'000 Jahre mit der Erde. Das würde einen gewaltigen Tsunami auslösen, falls der Asteroid ins Meer stürzt. Mit dem Einschlag eines Asteroiden von mehr als 10 Kilometer Durchmesser ist alle 100 Millionen Jahre zu rechnen. Als dies vor rund 65 Millionen Jahren zum letzten Mal geschah, wurden rund 90 Prozent der Spezies auf der Erde vernichtet.

Dagegen ist «2005 YU55» direkt harmlos.

Ben Moore: Ja, und doch erinnert uns jeder Asteroid daran, dass das Leben zerbrechlich und nicht unendlich ist. Irgendwann wird es wieder zu einer Kollision kommen. Und irgendwann zu einer endgültigen.

Asteroiden Asteroiden sind Himmelsobjekte, die sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne bewegen. Wissenschaftler nehmen an, dass Asteroiden Vorläufer und Bausteine von Planeten aus der Entstehungsphase des Sonnensystems sind. Bislang sind rund 560'000 Asteroiden im Sonnensystem bekannt. Die tatsächliche Anzahl dürfte aber in die Millionen gehen. Wegen einer theoretischen Kollisionsgefahr mit der Erde wird seit einigen Jahren systematisch nach erdnahen Asteroiden gesucht. «2005 YU55» wurde im Jahre 2005 von einem Teleskop des Spacewatch-Projekts in Arizona entdeckt.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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