Herzchirurgie

Wenn der Lebensmotor stottert

Blutgerinnsel können vom Herzen ins Gehirn gelangen und dort einen Hirnschlag auslösen. Dieser Zusammenhang ist Chirurgen schon lange bekannt. Doch bis vor kurzem waren die Operationsmethoden unbefriedigend. Am Universitätsspital Zürich haben Herzchirurgen einen Herz-Clip entwickelt, der das ändern könnte. Herzspezialist Sacha P. Salzberg hielt dazu seine Antrittsvorlesung. 

Marita Fuchs

Das Herz des Menschen: Es schlägt 3000 Millionen mal im Leben, sein Rhythmus ist unsere innere Uhr. Platon vermutete den Sitz der Seele im Herzen. Vielleicht ist deshalb das Organ so symbolträchtig – auch heute noch. So grüssen wir jemanden herzlich und wünschen von Herzen Glück oder nehmen uns etwas zu Herzen. Gerät der grosse Muskel mit seinem «Skelett» aus Bindegewebe in Gefahr, ist unser Leben bedroht.

In der Schweiz leiden etwa 120’000 Menschen an Herzinsuffizienz, einer Schwäche des Herzmuskels. Alarmierend ist, dass jedes Jahr bis zu 26’000 neue Fälle hinzukommen. «Das ist nicht zuletzt mit dem wachsenden Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft und der steigenden Lebenserwartung zu begründen», sagte UZH-Herzchirurg Sacha P. Salzberg in seiner Antrittsvorlesung zum Thema «Das Herz im Wandel der Zeit».

Das menschliche Herz: Schlägt 3000 Millionen mal im Leben. Das Vorhofohr ist ein Anhängsel des linken Vorhofs. (Bild: Jakow, wikimedia)

Besonders schonende Verfahren

Am Universitätsspital Zürich (USZ) arbeiten Herzchirurgen intensiv an neuen Möglichkeiten, um vor allem ältere Patienten so schonend wie möglich zu operieren. Der Grund: Die klassische Herz-OP mit vollständiger Öffnung des Thorax ist problematisch gerade für Ältere, etwa im Hinblick auf langwierige Wundheilungsprozesse oder eine postoperative Verschlechterung bereits vorgeschädigter Organe. Eine bessere Möglichkeit ist die Bypass-Chirurgie ohne Herz-Lungen-Maschine, wie sie am Universitätsspital Zürich durchgeführt wird. «Die so genannte Off-Pump-Technik am schlagenden Herzen zeigt erheblich verbesserte Ergebnisse wie die konventionelle Operation mit der Herz-Lungen-Maschine», sagte Salzberg.

Herzohr-Clip gegen das Herzflimmern

Auch für die häufig vorkommende Herzrhythmusstörung, das so genannte «Vorhofflimmern», sind die Mediziner der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie auf der Suche nach einer effektiven und sicheren OP-Methode. Aufgrund der unregelmässigen Vorhofbewegungen kann es zu einem verlangsamten Blutfluss im linken Vorhofohr – einem Anhängsel am linken Vorhof – kommen.

Aufgrund des Flimmerns wird das Blut nicht schnell genug durch den Vorhof geleitet. Fliesst das Blut zu langsam durch die Adern, besteht die Gefahr, dass es verklumpt. Je nach Grösse der Klumpen können sie stecken bleiben und zu einer Verstopfung der Adern führen. Erfolgt die Klumpenbildung im Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. Durch den so genannten Vorhofohr-Verschluss wird die Gefahr der Klumpenbildung eingedämmt.

UZH-Herzchirurg Sacha P. Salzberg: «Der Herzohr-Clip verhindert die Bildung von Blutgerinseln.»

Heute wird am USZ bei Patienten, die sich einer solchen Herzoperation unterziehen, das Vorhofsohr entweder von innen zugenäht oder von aussen mit einer Seide zusammengebunden.

Mit dem neuen Herz-Clip wird es möglich, den Blutfluss auf einfachere Weise zu regulieren. (Bild: PD)

Mit dem neuen Herz-Clip wird es jedoch in Zukunft möglich sein, den Blutfluss auf einfachere Weise zu regulieren. Der Clip besteht aus zwei Titanium-Stäben, die durch zwei Nitinol-Gelenke verbunden sind. Das Ganze ist von einer Polyesterhülle umgeben, welche hilft, im Innern des Körpers mit dem Körpergewebe zu verwachsen. «Der Clip wird einfach von aussen über das Herzohr gebracht und klemmt dieses ab. Damit wird die ‚Sackgasse’ abgesperrt und es können sich dort keine Blutgerinnsel mehr bilden», erklärte Salzberg. Der Clip selbst bleibt im Körper.

Von der einfachen Methode versprechen sich die Mediziner einige Vorteile: Das Herz und das Herzohr werden dabei nicht mehr manipuliert. Der Eingriff kann am schlagenden Herzen durchgeführt werden.«In Zukunft wird dieser Clip beim Menschen eine neue Therapie zum Verschluss des Vorhofsohrs darstellen», so Salzberg. Ultimativ könnte dieser Clip dann auch zur Prävention des Hirnschlags ein effektives Werkzeug sein.

Herzoperationen Operationen am Herzen galten lange als undurchführbar. Erst in der zweiten Hälfte des vergangen Jahrhunderts wagten sich vermehrt Chirurgen an die Herz-OP. Möglich wurde das durch die Herz-Lungen-Maschine, die die Pumpfunktion des Herzens sowie die lebenswichtige Sauerstoffzufuhr für die Zeit der OP übernahm. Die erste Operation mit diesem Gerät führte in der Schweiz Ake Senning am Universitätsspital in Zürich aus, hier wurde auch der erste Herzschrittmacher eingesetzt. Danach nahm die Entwicklung einen rasanten Verlauf: In den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts war die Bypass-Operation die häufigste Operationsart am Universitätsspital. PD Sacha P. Salzberghat bei Herzspezialist Marko Turina gearbeitet und ist jetzt in der Gruppe von Herzchirurg Volkmar Falk tätig. Professor Volkmar Falk ist eine internationale Kapazität auf dem Gebiet der minimal-invasiven und katheterbasierten Herzklappenchirurgie. Sacha P. Salzberg ist seit Frühjahrssemester 2010 Privatdozent für Herzchirurgie. Am 22. November hielt er seine Antrittsvorlesung zum Thema: «Das Herz im Wandel der Zeit».

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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