Medizinische Forschung

Mit fünf Franken gegen Malaria

Ein mit Insektizid behandeltes Mückennetz schützt ein Kind vor dem Malariatod und kostet ganze fünf Franken. An einer Veranstaltung des Zürcher Zentrums für Integrative Humanphysiologie berichteten der UZH-Parasitologe Felix Grimm und der Epidemiologe Christian Lengeler vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut über die neusten Erfolge in der Malariabekämpfung. 

Leandra L. Gassmann

«Wären Sie vor hundert Jahren nach Italien in die Ferien gereist, hätten Sie mit einer Malariaerkrankung rechnen müssen», erklärte Christian Lengeler, Professor für Epidemiologie an der Universität Basel und Projektleiter am Schweizer Tropen- und Public-Health-Institut Basel auf einer Veranstaltung an der Universität Zürich.

Um 1900 starben jährlich 10'000 Italiener an Malaria. Damals war die Krankheit noch in weiten Teilen Europas, Nordamerikas und Asiens anzutreffen. Einzig Grönland, Island und ein paar andere Länder waren nie davon betroffen. Dank Einsatz des stark umstrittenen Pestizids DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan) konnte bis heute die Hälfte der weltweiten Malariagebiete entseucht werden.

Die Anopheles-Mücke überträgt Malaria. (Bild: Rsabbatini)

«Mal aria» – schlechte Luft

Bevor man den Zyklus von Malaria entschlüsselte – eine Entdeckung, die 1902 mit dem Nobelpreis geehrt wurde –, war man davon überzeugt, dass die schlechte Luft (ital. mala aria) in der Nähe der Sümpfe für die Erkrankung verantwortlich war.

Verursacht wird Malaria jedoch durch einen winzigen Einzeller: Plasmodium falciparum. Übertragen wird er von der weiblichen Anophelesmücke. Die Erreger dringen durch Blutsaugen der Mücke in den menschlichen Körper, befallen die roten Blutkörperchen und vermehren sich darin.

Nach einigen Tagen platzen die völlig umgebauten Blutzellen. Die nächste Generation von Plasmodien befällt neue rote Blutkörperchen. Genau zu diesem Zeitpunkt leidet das Opfer an hohem Fieber und Schüttelfrost. Dieser Zyklus wiederholt sich stetig. Bleibt die Krankheit unbehandelt, wird der Körper geschwächt. Im Extremfall führen die starke Blutarmut und das Versagen mehrerer Organe zum Tod.

Rückgang von Fehldiagnosen, dank Bluttests

«Die Malaria tötet heute hauptsächlich Säuglinge und Schwangere», erklärte Lengeler, «und diese Gruppen müssen wir schützen.» Hierfür stünden heute fünfzigmal mehr Gelder zur Verfügung als noch vor zehn Jahren; das sei nicht zuletzt dem grossen Engagement des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush zu verdanken.

In Sachen Malariaforschung und -kontrolle ist die Schweiz weltweit führend. Eingesetzt werden die Gelder für Diagnose, Behandlung und Vorbeugung. Seit Einführung eines Blutschnelltestes vor drei Jahren wurde die hohe Rate Fehldiagnosen von Malaria um die Hälfte reduziert. Dies sei von grosser Bedeutung, denn so werden nur noch die effektiv an Malaria erkrankten Patienten adäquat behandelt.

Die Reduktion der Fehldiagnosen erhöht gleichzeitig die Kapazität der Spitäler, sich auch anderen Krankheiten zu widmen. Was aber nützen präzise Schnelldiagnosen und wirksame Medikamente, wenn die Erkrankten keinen Zugang dazu haben?

UZH-Parasitologe Felix Grimm (links) und der Epidemiologe Christian Lengeler vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut. (Bild: Leandra L. Gassmann)

Drugs Stores sorgen für Medikamentennachschub

So genannte Drug Stores können eine Lösung des Verteilproblems sein. Diese kleinen informellen Medikamentenshops verkaufen vor Ort nicht nur Medikamente und Moskitonetze, sondern führen auch Schulungen durch.

Ziel ist es, dass achtzig Prozent der erkrankten Kleinkinder fachgerecht behandelt werden. Viele afrikanische Länder sind aber noch meilenweit davon entfernt. Dennoch, Sri Lanka beispielsweise hat es innerhalb von drei Jahren geschafft, Malaria zu eliminieren.

Impfstoff noch nicht in Sicht

Der ersehnte Impfstoff gegen Malaria ist leider noch nicht spruchreif. «Sich mit einer Impfung zu schützen ist schwierig, denn die immunologische Antwort des Körpers auf eine Plasmodieninfektion läuft anders als bei einer Bakterien- oder Virusinfektion. Die Folge ist, dass man mehrmals an Malaria erkranken kann», erklärte Felix Grimm, medizinischer Parasitologe an der Universität Zürich. «Darum gilt der momentane Kampf der Vermehrung und Infizierung der Mücken.»

Gelingt es nämlich, die mit Plasmodien befallenen Mücken vom Menschen fern zu halten, könnte der Malaria der Garaus gemacht werden. Den grössten Erfolg hinsichtlich dieser Bekämpfung verzeichnen die mit Insektiziden besprühten Netze, die fünf Jahre lang halten. «Würden achtzig Millionen afrikanische Kinder unter diesen Netzen schlafen, dann gäbe es eine halbe Mio. weniger Tote pro Jahr», sagte Lengeler.

Vor wenigen Jahren besass beispielsweise in Tansania fast niemand ein imprägniertes Moskitonetz. Heute sind es über sechzig Prozent der Bevölkerung. Es gelinge immer häufiger, das Moskitonetz als Teil der Alltagskultur zu etablieren. Zudem produziert Tansania seine Netze gleich selbst.

Von Malaria betroffene Länder werden doppelt bestraft: Einerseits sterben jährlich eine Million Erkrankte daran, andererseits werden arme Länder durch die vielen Krankheits- und Todesfälle noch ärmer. Lengeler ist zuversichtlich, dass die heutigen Massnahmen diesen Teufelskreis durchbrechen werden.

Leandra L. Gassmann ist Wirtschaftsstudentin an der Universität Zürich.

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