Anthropologie

Gemeinsam forschen für die Orang-Utans

Das Anthropologische Institut und Museum der UZH hat mit der renommierten indonesischen «Bogor Agricultural University» ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Es ermöglicht den Austausch und die Unterstützung von Studierenden. Die gemeinsamen Projekte zielen auf die Erforschung der bedrohten Orang-Utans in Indonesien.  

Marita Fuchs

Der Regenwald Indonesiens ist durch intensive Rodungen bedroht. Doch versucht die Regierung die reichhaltige Biodiversität des Landes zu erhalten. Sie verstärkte unter anderem in Nationalparks das Management der Schutzgebiete, um der illegalen Jagd, Fischerei und Rodung Einhalt zu gebieten. Viele der Schutzgebiete sind letzte Refugien für seltene Arten wie Orang-Utan, Sumatra-Elefant, Sumatra-Tiger oder Schabrackentapir.

Unterzeichnen das Momorandum (v. l.n.r.): Prof. Carel van Schaik (Direktor des Anthropologischen Instituts der UZH), Dr. Muhammad Agil (Head of Division of International Programs, Bogor Agricultural University), Prof. Daniel Wyler (Prorektor UZH), Prof. Herry Suhardiyanto (Rector, Bogor Agricultural University) and H. E. Mr. Djoko Susilo (Ambassador of the Republic of Indonesia). (Bild: Marcus Gisi)

Der Direktor des Anthropologischen Instituts an der UZH, Carel van Schaik, erforscht seit Jahren Primaten, vor allem die auf den beiden indonesischen Inseln Borneo und Sumatra lebenden Orang-Utans. Sein Interesse gilt dabei den sozialen Interaktionen von Orang-Utans, dem Gebrauch von Werkzeugen und den sich daraus entwickelnden sozialen Kompetenzen. Orang-Utans sind für die Forschung interessant: Sie verwenden Werkzeuge und schaffen es, knifflige Problemstellungen zu lösen. Das ermöglicht ihnen, auch bei Futterknappheit an Nahrung zu gelangen.

Bewährte Zusammenarbeit besiegelt

Auf Institutsebene arbeiten van Schaik und sein Team schon längere Zeit mit einer der grössten und renommiertesten Universitäten Indonesiens, der «Bogor Agricultural University» zusammen. Das gemeinsame Interesse gilt der Erforschung der Orang-Utans. Jetzt bekräftigen die Universität Zürich und die «Bogor Agricultural University» ihre Zusammenarbeit mit einem Memorandum of Understanding.

Im Memorandum wird die enge Zusammenarbeit festgehalten, sie ermöglicht gemeinsame Forschungs- und Lehrprojekte, die Unterstützung und den Austausch von Studierenden, sowie die Erstellung gemeinsamer Publikationen. Das Dokument gilt für drei Jahre, soll jedoch jeweils verlängert werden. «Unsere schon bewährte gute Zusammenarbeit bekommt jetzt einen offiziellen Rahmen», freut sich der wissenschaftliche Mitarbeiter Tony Weingrill vom Anthropologischen Institut.

Indonesische Studierende an der UZH: (v.l.n.r. erste Reihe) Fitriah Basalamah, Puji Rianti, Taufig Nugraha. Zwischen den Studentinnen steht Dr. Muhammad Agil, in der zweiten Reihe links Direktor Carel van Schaik. (Bild: Marcus Gisi)

Seit September 2010 sind bereits drei PhD-Studierende der Bogor Agricultural University Gäste an der Universität Zürich. Sie werden am Anthropologischen Institut in verschiedene Themen eingeführt und bereiten hier ihre Doktorarbeit vor. Anfang Februar 2011 arbeiten sie vor Ort in Indonesien weiter. Puji Rianti, eine der Studierenden, analysiert mit Hilfe genetischer Daten, zu welcher Unterart und Population die Orang-Utans in Rehabilitationsstationen gehören. Das ist bei Aussiedlungsprojekten wichtig, da darauf geachtet werden muss, dass Populationen nicht durchmischt werden.

Der PhD-Student Taufiq Nugraha wird Stresshormone mit einer nicht-invasiven Methode aus Kotproben messen. Er untersucht welche Haltungsbedingungen in Zoos und Rehabilitationsstationen zu erhöhtem Stress führen, und wird die Hormonwerte mit Messwerten der wilden Populationen vergleichen. Die dritte Studentin, Fitriah Basalamah, wird den Erfolg eines Auswilderungsprojekts auf Sumatra untersuchen. Sie wird die Population mit wissenschaftlichen Methoden erfassen und das Verhalten dieser Tiere beobachten.

Unterstützung vom SNF Die Forschungsprojekte werden vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Rahmen des Förderungsinstruments «Forschungspartnerschaften mit Entwicklungsländern» unterstützt.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

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