Veterinärmedizin

Mammakarzinome beim Hund behandeln

«Brustkrebs» ist bei Hündinnen eine häufige Todesursache. Die Veterinärmedizinerin Erika Michel will neue Therapiemethoden entwickeln. In ihrem Habilitationsprojekt untersucht sie, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Hormon Prolactin und der Entstehung von Krebs gibt.  

Stefanie Kahmen

Bei weiblichen Hunden tritt Krebs am Gesäuge – ein so genanntes Mammakarzinom – sehr häufig auf. Bei gut der Hälfte ist der Krebs bösartig und die Erkrankung verläuft tödlich.

Die Humanmedizin kennt viele Therapiearten bei Brustkrebs, von der operativen Krebsentfernung über Bestrahlung bis zu verschiedenen Chemotherapien. Doch sie lassen sich nicht einfach auf Hunde übertragen. «Die meisten Menschen gehen davon aus, dass das, was für den Menschen gilt, auch auf Tiere übertragbar ist», erläutert die Kleintiermedizinerin Erika Michel. «Als Tierärzte wissen wir aber, wie stark sich selbst alle Säugetiere voneinander unterscheiden.» Und so verläuft auch der Krebs beim Hund anders als beim Menschen.

Kenntnisstand nicht einfach übertragbar

Wird bei einer Hündin ein Karzinom am Gesäuge diagnostiziert, wird es in der Regel operativ entfernt. Je nach Stärke der Erkrankung folgt eine Chemotherapie, doch hier ist der Kenntnisstand der Veterinärmedizin längst nicht so weit wie in der Humanmedizin. «Für Forschung an Tieren, die keine Nutztiere wie Schweine oder Rinder sind, ist es schwer, Forschungsgelder zu bekommen. Die meisten Erkenntnisse, die wir über Tiere haben, sind ‚Abfallprodukte’ von Tierversuchen aus der Pharmaforschung. Doch auch hier gilt: Was an der Maus erforscht wurde, kann nicht eins zu eins auf den Hund, und was am Hund, kann nicht eins zu eins auf die Katze übertragen werden.»

Prolactin als Brustkrebspromotor

Erika Michel ist froh, mit Hilfe des Forschungskredits der Universität Zürich eine Grundlagenstudie über «Brustkrebs» bei der Hündin durchführen zu können. Im Fokus steht das Hormon Prolactin, das in den letzten Jahren in der Humankrebsforschung als Brustkrebspromotor entdeckt wurde.

Über den Einfluss von Prolactin auf das Mammakarzinom von Hündinnen ist noch nichts bekannt. «Wir vermuten, dass Prolactin das Wachstum von «Brustkrebs» bei der Hündin fördert», erklärt Michel. «Wir verfolgen drei Ansätze, um erste Hinweise für die Hypothese zu erhalten. Zuerst schauen wir in bereits konservierten Brustkrebsgeweben, ob es einen Zusammenhang zwischen verschiedenen Tumorstadien und der Menge von Prolactinrezeptoren gibt.»

Zwei Mammakarzinome beim Hund. (Bild: Erika Michel )

Die Prolactinrezeptoren binden das Hormon Prolactin in der Zelle nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Wo viele Prolactinrezeptoren sind, ist in der Regel auch viel Prolactin.

Im zweiten Ansatz wird bei den krebskranken Tieren untersucht, ob sich die Konzentrationen von Prolactin und Prolactinrezeptoren bei gutartigem und bösartigem Krebs sowie vor und nach der Krebsoperation unterscheiden.

Und im dritten Ansatz wird der Hormonspiegel nach einer Entfernung der Eierstöcke, einer Kastration, analysiert. Hündinnen, die vor ihrer ersten Läufigkeit kastriert werden, erkranken nur sehr selten am Mammakarzinom. «Wir möchten herausfinden, ob hier das Prolactin eine Rolle spielt. Unsere Hypothese ist, dass durch die Kastration weniger Prolactin im Körper gebildet wird und unter anderem dadurch die Wahrscheinlichkeit, an einem Mammakarzinom zu erkranken, sinkt», erläutert Michel.

Wie in der Veterinärmedizin üblich, arbeitet die Klinikerin nicht alleine. Vom Forschungskredit wird eine Doktorandin für achtzehn Monate finanziert. Im Operationssaal schliesslich ist ein ganzes Team der Abteilung für Kleintierfortpflanzung beteiligt. Und die Differenzierung des kranken vom gesunden Gewebe wird von Professor Franco Guscetti vom Veterinärpathologischen Institut durchgeführt.

Sinnvolle Zusammenarbeit am Institut

Ein besonderer Glücksfall ist eine Forschungskooperation, die sich erst nach dem Projektstart ergeben hat. Mit Mariusz Kowalewski ist letztes Jahr ein Veterinärmediziner ans Veterinäranatomische Institut gekommen, dessen Forschungsinteressen optimal das Projekt von Erika Michel ergänzen.

 «Ich arbeite molekularbiologisch, und mein Interesse gilt dem Hund. In dem Projekt konnte ich gemeinsam mit Erika Michel eine Methode modifizieren, um Prolactinrezeptoren in Hundegewebe quantitativ nachzuweisen», erklärt Kowalewski. Ihm gelang es ausserdem, die Prolactin-RNA zu isolieren. Somit könnte man jetzt bestimmen, an welchen Orten im Körper Prolactin gebildet wird. Mit diesen Kenntnissen wäre es langfristig möglich, neue Therapiemethoden für Mammakarzinome bei Hündinnen zu entwickeln. 

Mariusz Kowalewski freut sich: «Häufig ist unsere Forschung auf ein einzelnes Protein ausgerichtet, so dass man den grösseren Zusammenhang aus den Augen verliert. Besonders reizvoll finde ich an der Kooperation, dass meine molekularbiologischen Untersuchungen an einem Hormon in einem direkten Zusammenhang mit der Krebserkrankung von Hündinnen steht.»

Stefanie Kahmen ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Forschung und Nachwuchsförderung an der Universität Zürich.

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