Ausbildung Gymnasiallehrpersonen

«Lehrdiplom» statt Mastertitel

Künftige Absolventinnen und Absolventen der Gymnasiallehrer-Ausbildung erhalten statt des bisherigen Titels «Master of Advanced Studies in Secondary and Higher Education» (MAS SHE) ein «Lehrdiplom für Maturitätsschulen». Die Umstellung führte zu Irritationen. Reinhard Fatke, alt Dekan der Philosophischen Fakultät, nimmt Stellung. 

David Werner

Herr Fatke, die Umstellung von einem Abschlusstitel auf den anderen ging sehr rasch vor sich, warum?

Reinhard Fatke: Ich muss gestehen, dass auch ich etwas überrascht war vom Tempo, allerdings durchaus positiv. Der Universitätsrat hat seinen Entscheid am 14. Dezember 2009 getroffen und bereits auf 1. Februar 2010 in Kraft gesetzt.

Alt Dekan Reinhard Fatke: «Der Titel 'MAS SHE' ist verwirrend.» (Bild: David Werner)

Er war der Meinung: Je eher die Universität Zürich auf den neuen Studienabschluss umstellt, desto besser für alle Beteiligten. Dieser Meinung bin ich grundsätzlich auch, die Universitätsleitung ebenso.

Können Sie den Unmut der Studierenden nachvollziehen, die jetzt einen anderen Titel als bisher erhalten?

Ja insofern, als die Studierenden auf die rasche Umsetzung des Entscheids nicht genügend vorbereitet werden konnten. Im Sommer 2009 wurde die Änderung angekündigt, die Information erfolgte dann hauptsächlich über die Homepage. Die Umstellung geschah nicht aus Willkür, sondern um den Studierenden einen gesamtschweizerisch anerkannten Abschluss zu bieten.

Die Gymnasiallehrerausbildung hat innerhalb weniger Jahre zweimal ihren Namen gewechselt. Früher hiess sie «Höheres Lehramt», ab 2006 «Master of Advanced Studies in Secondary and Higher Education» (MAS SHE) und seit Februar 2010 «Lehrdiplom für Maturitätsschulen». Warum die Umbenennungen?

Die Gymnasiallehrer-Ausbildung wurde 2005/2006 aus mehreren Gründen neu strukturiert. Sie wurde erstens inhaltlich angereichert, um höheren Ansprüchen zu genügen. Zweitens sollte sie den Bologna-Richtlinien entsprechen. Der dritte Grund lag in der Lancierung eines gesamtschweizerischen Anerkennungsverfahrens für Gymnasiallehrer-Ausbildungsgänge durch die Eidgenössische Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektorinnen und –direktoren (EDK).

Ein interkantonales Anerkennungsverfahren hatte es zuvor nicht gegeben, bis dahin war die Anerkennung allein Sache der einzelnen Kantone.

Die EDK hat den «MAS SHE» nicht anerkannt. Mit welcher Begründung?

Der Titel MAS SHE ist verwirrend. Er suggeriert, dass es sich bei der Gymnasiallehrer-Ausbildung um eine pädagogisch-didaktische Weiterbildung handelt – was so nicht stimmt.

Die angehenden Gymnasiallehrerinnen und -lehrer kommen aus 19 verschiedenen Fachrichtungen, etwa Biologie oder Französisch. Weiterbildung würde heissen, dass sie ihre Biologie- oder Französischkenntnisse vertiefen würden. Die Gymnasiallehrer-Ausbildung aber ist eine berufliche Grundausbildung, in der pädagogisch-didaktische Kompetenzen vermittelt werden.

Der Universitätsrat hat aufgrund der Nicht-Anerkennung durch die EDK beschlossen, den MAS-Studiengang durch einen Lehrdiplom-Studiengang zu ersetzen. Finden Sie diesen Entscheid richtig?

Ja. Es war ein Irrtum, die Gymnasiallehrerausbildung in die Nähe von Weiterbildungsprogrammen zu rücken. Das widerspricht nicht nur dem Charakter der Lehrerausbildung, es hätte darüber hinaus auch administrativ Verwirrung gestiftet: Weiterbildungsprogramme müssen selbsttragend sein, die Teilnehmenden müssen für die Kosten selbst aufkommen. Das wäre bei der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung weder wünschenswert noch politisch richtig.

Warum hat man dann den MAS-Titel 2006 überhaupt eingeführt?

Man ging davon aus, dass sich der MAS als international anerkannter Titel durchsetzen würde, was nicht der Fall war. MAS-Studiengänge konnten sich nur an einigen Schweizer Hochschulen etablieren, und hier haben sie eine spezifische Prägung als Bezeichnung für Weiterbildungsstudiengänge erhalten, was bei der Konzeption des «MAS SHE» noch nicht absehbar war. Es mangelte damals noch an Erfahrung mit dem Bologna-Vokabular.

Studierende haben in einem Protestschreiben gefordert, am «MAS SHE» festzuhalten, weil er international anerkannt sei.

Wie gesagt, genau diese internationale Anerkennung fehlt dem «MAS SHE». Der Titel «MAS» klingt zwar international, existiert aber ausserhalb der Schweiz und Liechtensteins nicht. Gerade mit Blick auf internationale Verwendbarkeit wäre es unsinnig, an einem Titel festzuhalten, der nicht einmal von der EDK anerkannt ist.

Was wird jenen geboten, die ihr Studium bereits abgeschlossen und einen MAS SHE  erworben haben?

Sie erhalten eine Gleichwertigkeitsbescheinigung. Darin wird festgehalten, dass das MAS-SHE-Studium inhaltlich dem neuen Studiengang zum Lehrdiplom entspricht.

Viele der Studierenden, die momentan mitten in ihrer Gymnasiallehrerausbildung stehen, hätten gern die Option gehabt, auch nach Einführung des Lehrdiploms zusätzlich einen MAS-Titel zu erhalten. Warum kann Ihnen der Wunsch nicht erfüllt werden?

Aus rechtlichen Gründen. Man kann nicht für einen Studiengang zwei verschiedene Abschlüsse vergeben.

Geht die Umbenennung vom «MAS SHE» zum «Lehrdiplom für Maturitätsschulen» mit inhaltlichen Veränderungen des Studiengangs einher?

Es gibt inhaltlich nur minimale Änderungen. Alle Leistungen, welche die Studierenden bisher im MAS-Studiengang erbrachten, werden für das Lehrdiplomstudium automatisch angerechnet.

Der Universitätsrat hat die Verordnung über den Studiengang «Lehrdiplom für Maturitätsschulen»auf den 1. Februar 2010 in Kraft gesetzt. Dies, weil die Konferenz der Erziehungsdirektoren (EDK) die Anerkennung des Weiterbildungstitels «MAS SHE» verweigerte. Die Universität Zürich strebt für ihren Studiengang zur Ausbildung von Lehrpersonen für Maturitätsschulen die Anerkennung der (EDK) an. Alt Dekan Reinhard Fatke hat das Mandat der Universitätsleitung, die Umstellung des «MAS SHE» auf das Lehrdiplom für Maturitätsschulen zu betreuen.

David Werner, Redaktor unijournal.

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