Erdbeben in Haiti

Dank Satellitenbildern Hilfe rascher am richtigen Ort

Das Geographische Institut der Universität Zürich stellt nach dem Erdbeben in Haiti der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit Satellitenkarten zur Verfügung. Obwohl noch in der Versuchsphase, können diese Informationen dazu beitragen, die Hilfe gezielt einzusetzen. Ein Gespräch mit Felix Seidel, Experte für Satellitendaten.

Roland Gysin

Satellitenbild und Schädenkarte der haitianischen Hauptstadt Porte-au-Prince: Auswertung durch Spezialisten. (Bild: dlr.de)

UZH News: Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ist in Haiti mit 45 Experten vor Ort. Die Probleme sind enorm, die Situation schwierig zu überblicken. Oft ist unklar, welche Wege passierbar sind, wie gross die Schäden sind und wo, welche Hilfe am dringendsten ist. Unterstützung versprechen Satellitenbilder. Weshalb?

Felix Seidel: Gerade bei Grossereignissen, wie dem Tsunami im Dezember 2004 und nun dem Erdbeben in Haiti, tragen Satellitenbilder wesentlich dazu bei, schnell die nötige Übersicht zu erlangen.

Mit der wachsenden Anzahl von Satelliten der Erdbeobachtung und immer detaillierteren Bildern ist man heute in der Lage, den Zustand von Verkehrsverbindungen, Infrastruktur und sogar einzelnen Häusern rasch und effizient aus dem Weltall zu kartieren – vor allem in unzugänglichen Gebieten.

Dennoch, viele logistische Probleme sind auch mit Satellitenbildern nicht zu lösen: Zu wenige Transportwege, Überbelastung des Flughafens, mangelndes Benzin vor Ort, Nicht-Durchkommen von Hilfslieferungen, eine Uno-Mission, die massiv in Mitleidenschaft gezogen wurde, und eine daraus resultierende prekäre Sicherheitslage.

Herr Seidel, Sie arbeiten am Geographischen Institut der Universität Zürich und werten für die Deza Satellitenbilder aus. Wie kommen Sie zu Ihren Informationen?

Ein internationales Abkommen ermöglicht den raschen Zugriff auf Satellitenbilder nach grossen Naturkatastrophen. Die Uno mit 'Unosat', Deutschland mit dem Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), Frankreich und andere Länder verfügen über spezialisierte Stellen, welche diese Satellitenbilder auswerten und daraus Karten zur Unterstützung bei der Krisenbewältigung herstellen.

Der Schweizer «National Point of Contact for Satellite Images» (NPOC) steht in Kontakt zu diesen Zentren und verfügt über direkten Zugang zu den erstellten Karten im Rahmen des Erdbebens in Haiti.

Nach welchen Kriterien werten Sie die Informationen aus? Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit der Deza im Fall von Haiti konkret?

Wie beim Tsunami im 2004 sind kurz nach einer solchen Katastrophe Informationen rar. Wir sammeln deshalb die für uns verfügbaren Geoinformationen und leiten die relevanten Karten an die Deza weiter. Wichtig sind in dieser frühen Phase Informationen, welche Übersicht und konkrete Hinweise auf das Schadenausmass und den Zustand der Infrastruktur verschaffen.

Um für ein nächstes Ereignis optimal vorbereitet zu sein, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt analysieren, welche Geoinformationen und Karten den grössten Nutzen erbracht haben.

Das Geographische Institut der Universität Zürich stellt der Deza Auswertungen von Satellitenbildern zur Verfügung. Diese werden im Moment hauptsächlich in der Einsatzzentrale in der Schweiz gebraucht und teilweise auch ins Feld übermittelt. Sie dienen als zusätzliche Informationsquelle, welche die Koordination der Schweizer Hilfskräfte in Haiti unterstützen kann.

Roland Gysin ist Leiter Publishing UZH.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000