Krebsrisiko und Ernährung

«Wir sollten einfacher essen»

Ungesundes Essverhalten erhöht das Risiko, an Krebs zu erkranken. Vor allem beim Konsum von rotem Fleisch und Alkohol ist Vorsicht geboten. Präventivmedizinerin Monika Eichholzer vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich sagt, worauf es beim Schlemmen ankommt. 

Marita Fuchs

Frau Eichholzer, ist eine Krebserkrankung Schicksal oder selbstverschuldet?

Krebs gilt im Allgemeinen als weitgehend vermeidbare Krankheit. Das zeigt sich an den international unterschiedlichen Krebshäufigkeiten und an Studien mit Migranten, die innerhalb von einer bis zwei Generationen die Krebshäufigkeit des Gastlandes übernehmen.

Jeder kann dazu beitragen, das persönliche Krebsrisiko zu senken. Allerdings gibt es auch Menschen, die an Krebs erkranken, obwohl sie sich an die Empfehlungen zur Krebsprävention (siehe Kasten) halten. Tatsache bleibt jedoch, dass der Lebensstil eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung spielt.

Der Hamburger: Weniger ist mehr. (Bild: pixelio)

Zudem muss man sich bewusst machen, dass Krebs nicht Krebs ist. Denn die Krankheit umfasst mehr als 100 verschiedene Tumorarten, die fast nichts gemeinsam haben. Sie unterscheiden sich bezüglich Ursachen, Prävention, Frühdiagnose, Therapie, Verlauf und Prognose. Wenn wir die Bedeutung der Ernährung für die Prävention von Krebs diskutieren, müssen wir wissen, dass unser Essverhalten nur eine von vielen Einflussfaktoren darstellt und wir auch vieles noch nicht wissen.

Wie entsteht Krebs und welche Rolle spielt die Ernährung dabei?

Krebserkrankungen entstehen über mehrere Stufen. Krebserzeugende Substanzen können das Erbgut einer normalen Zelle verändern. Werden diese Schäden nicht repariert, sondern bei der nächsten Zellteilung fixiert, wird die Zelle als initiiert bezeichnet.

So genannte Promotoren – Anstifter – fördern dann unter anderem die Zellteilung. Weitere Veränderungen am Erbgut führen schliesslich zur eigentlichen Krebszelle. Krebszellen teilen sich unkontrolliert. Sie können in das benachbarte gesunde Gewebe eindringen und es zerstören, und sie können Ableger, so genannte Metastasen bilden. Die Krebsentstehung kann Jahre bis Jahrzehnte dauern.

Unsere Lebensmittel enthalten zahlreiche Nähr- und andere Inhaltsstoffe, die diesen Prozess fördern oder verzögern können. Die richtige Auswahl und Menge der konsumierten Lebensmittel ist deshalb entscheidend für die Gesundheit.

Bei welcher Krebsart ist es denn nachgewiesen, dass die Ernährung eine wichtige Rolle spielt?

Besonders beim Darmkrebs, also dem Krebs des Dickdarms und des Mastdarms, spielen Ernährungsfaktoren eine wichtige Rolle. Dieser Krebs gehört in der Schweiz zusammen mit dem Krebs der Lunge, der weiblichen Brust und der Prostata zu den drei häufigsten Krebsarten von Männern und Frauen.

Wie senkt man das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken?

Zum Beispiel durch weniger Alkohol: Mehr als 30 Gramm Ethanol pro Tag – das sind zwei bis drei Gläser Bier, Wein oder Schnaps – erhöht das Darmkrebsrisiko. Für Männer ist dieser Zusammenhang überzeugend, für Frauen wahrscheinlich.

Für den hohen Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch ist die Beweislage ebenfalls überzeugend. Der Begriff «rotes Fleisch» umfasst Fleisch von Rindern, Schweinen, Schafen und Ziegen. Der Begriff «verarbeitetes Fleisch» bezieht sich auf Fleisch, dass durch Räuchern, Beizen oder Salzen oder durch die Zugabe von Konservierungsmitteln haltbar gemacht wurde. Beispiele sind Schinken, Speck, Würste, Salami und Hot dogs.

Sollte man auf die Cervelat verzichten und das Glas Bier stehen lassen?

Natürlich muss man nicht auf die Scheibe Wurst verzichten, doch sehr viele Scheiben Wurst machen krank und rund. Wir sollten einfacher essen. Mehr Früchte und Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte. Zudem sollten wir so essen und uns so bewegen, dass Übergewicht vermieden wird. Auch dieses erhöht das Krebsrisiko.

Vom Alkohol sollte man im Hinblick auf die Krebsprävention die Finger lassen.

Monika Eichholzerist Präventivmedizinerin und Ernährungsepidemiologin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich. Sie befasst sich seit vielen Jahren mit der Bedeutung der Ernährung für die Krebsentstehung und neu auch für die Prognose. Im Rahmen des 21. Zürcher Präventionstags über Krebsprävention, der vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin organisiert wird, spricht PD Dr. Monika Eichholzer heute, 19. März, über Ernährung und Krebsrisiko. Ernährungsempfehlungen Im Zusammenhang mit Darmkrebs und anderen Krebsarten ergeben sich folgende Ernährungsempfehlungen zur Verminderung des Krebsrisikos. Mit diesen Empfehlungen wird auch das Risiko von Herzkreislaufkrankheiten und anderen chronischen Krankheiten verringert. Weitere wichtige Empfehlungen zur Krebsprävention sind zum Beispiel auf der Homepage der Krebsliga Schweiz (www.krebsliga.ch) zu finden. Es empfiehlt sich - so schlank wie möglich zu bleiben, und zwar innerhalb des normalen Körpergewichtsbereiches (BMI 18.5 – 24.9) - jeden Tag körperlich aktiv zu sein - den Konsum von Zucker und/oder Fett einschränken - statt dessen überwiegend pflanzliche Lebensmittel zu essen, das heisst täglich fünf Portionen Früchte und Gemüse sowie Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte - weniger rotes und verarbeitetes Fleisch zu essen - wenn alkoholische Getränke konsumiert werden, den Konsum auf zwei Gläser pro Tag für Männer und ein Glas pro Tag für Frauen einzuschränken - den Salzkonsum zu reduzieren - den Nährstoffbedarf durch Lebensmittel zu decken und nicht durch Vitamin- Mineralstoff-Tabletten - Säuglinge zu stillen - Und nicht vergessen:  nicht rauchen, weder aktiv noch passiv.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

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