10 Jahre Internationale Bodensee-Hochschule

Aus dem Schatten der Virtualität

Die Internationale Bodensee-Hochschule feiert ihren zehnten Geburtstag. Mitglied im virtuellen Verbund von 29 Hochschulen und Universitäten ist auch die Universität Zürich. Am Jubiläumsevent in Kreuzlingen war sie unter dem Titel «Spitzenforschung für den Alltag» mit drei innovativen Forschungsprojekten präsent. 

Sylvia Läng

Netzwerke bündeln Kompetenzen und schaffen Synergien. So auch die Internationale Bodensee-Hochschule (IBH), ein virtueller Verbund von 29 Hochschulen und Universitäten aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein.

Die Krux an Netzwerken: Sie sind meist unsichtbar. Die IBH durchbricht an ihrem 10. Geburtstag diese Regel. Alle Protagonisten der IBH, darunter auch die Universität Zürich (UZH), nutzten das Jubiläum, um aus dem Schatten der Virtualität zu treten und sich erstmals gemeinsam der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Universität Zürich am IBH-Jubiläumsevent in Kreuzlingen: Grosse Forschungsvielfalt. (Bild: Sylvia Läng)

Wissenschaftler, Studierende und offizielle Vertreter aller IBH-Institutionen trafen sich am 4. November im Kreuzlinger Kulturzentrum Dreispitz. Auf dem Programm standen Workshops und eine Ausstellung. Die regionale Bevölkerung – darunter auch Studieninteressierte – konnten unter dem Jubiläumsmotto «Menschen Wissenschaft Zukunft» die Vielfalt der IBH-Bildungslandschaft erleben.

Am Stand der Universität Zürich (v.l.n.r.): Prorektor Egon Franck und die Mumienforscher Frank Rühli und Roger Seiler. (Bild: Sylvia Läng)

Die UZH setzte an ihrem Stand auf das interaktive Erlebnis mit Alltagsbezug: Die Besucherinnen und Besucher erfuhren auf spielerische Art und Weise, was Forschung mit ihrem Leben zu tun hat und wie gross die Themenvielfalt der UZH-Forschung ist. Unter dem Titel «Spitzenforschung für den Alltag» standen drei verschiedene Forschungsprojekte im Mittelpunkt.

Mumienforschung: Besucher konnten Mumie am Bildschirm enthüllen. (Bild: Sylvia Läng)

Mumienforschung gegen Grippe-Epidemien

Beim Projekt «Mumie» konnten die Besucherinnen und Besucher eine Mumie am Bildschirm enthüllen. Sie klickten sich durch die verschiedenen Schichten des Mumienkörpers, von den bemalten Bandagen bis zum Skelett, und sie staunten über die hnlichkeit zwischen der Rekonstruktion eines 2000-jährigen Mumienkopfes und sich selber. Dass Mumienforschung künftig unter anderem dazu beitragen kann, Grippe-Epidemien zu bekämpfen, wird dabei für viele sicher eine überraschende Information gewesen sein.

Kinder und Jugendliche im Fokus

Jugendforschung: Kindergesichter deuten und erfahren, wie man sich von Vorurteilen leiten lässt. (Bild: Sylvia Läng)

Wenig überraschend hingegen ist die Erkenntnis, dass es überaus nützlich wäre, die Bedingungen für eine ideale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu kennen. Und genau damit beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschafter am Jacobs Center for Productive Youth Development, einem interdisziplinären Forschungszentrum der UZH.

Im Ausstellungsprojekt «Jugend» konnten die Besucherinnen und Besucher in einem Zuordnungsspiel unter anderem Kindergesichter deuten und erfuhren auf überraschende Weise, wie sehr man sich von Vorurteilen leiten lässt.

Nanotechnologieforschung: Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. (Bild: Sylvia Läng)

Nano-Technologie konkret

Wasserabweissende Oberflächen finden in der Sportbekleidung oder bei anderen Textilien bereits rege Verwendung. Doch um wie viel umfassender und bahnbrechender diese Innovation der UZH für andere Bereiche, etwa für die Industrie, für Fassadentechnologien oder für die Pharmabranche, sein wird, konnte der Besucher beim Projekt «Nano» erfahren. Dazu schickte er in einem Geschicklichkeitsspiel Wasserkugeln über eine Schanze und beobachtete dabei, dass Wasser aufgrund des sogenannten Lotus-Effekts auf Nano-Oberflächen keine Tropfen, sondern Kugeln bildet.

Anlässlich der Weltausstellung 2010 in Shanghai wurde dieses Projek übrigens zu den dreissig weltweit wichtigsten Erfindungen gezählt, die unser Leben am stärksten verändern werden.

Die Besucherinnen und Besucher machten regen Gebrauch von der Gelegenheit, ihre Fragen direkt den Expertinnen und Experten stellen zu können. Unter dem Titel «Gut informiert, erfolgreich studieren!» gab zudem der Studienberater der UZH den Studieninteressierten Anleitungen zu Fächerwahl, Studienplanung, Lernverhalten und Prüfungsvorbereitung.

Die Internationale Bodensee-Hochschule

  • 29 Hochschulen aus Deutschland, Liechtenstein, Deutschland, Österreich und der Schweiz kooperieren
  • 10 Bundesländer und Kantone beteiligt
  • Über 40 grenzüberschreitende Projekte
  • Rund 1’000’000 Euro Fördergelder jährlich
  • 10 innovative Studiengänge
  • über 400 Studierende in IBH-Masterstudiengängen
  • bisher 500 Absolventinnen und Absolventen
  • Förderschwerpunkte:Themenfelder Energie, Umwelt und Mobilität sowie die Regional- und Standortentwicklung im Bereich Bildung, Soziales und Gesundheit. Unterstützt werden Projekte von mindestens zwei Hochschulen aus unterschiedlichen Ländern. IBH-Projekte mit Beteiligung der UZH (Auszug)
  • «Biologie und Photonics». Ein interdisziplinäres Projekt der UZH und der Universität Konstanz zur Erforschung von Hautkrebs.
  • «Information Engineering». Ein Mastergang als Kooperation zwischen der Universität Konstanz und dem Institut für Informatik der UZH.
  • Gemeinsamer Bibliothek- und Mensenzugang. Der IBH-Ausweis berechtigt Studierende und Angestellte der Mitgliedshochschulen zur Nutzung aller Bibliotheken und Mensen im IBH-Verbund.
  • Sylvia Läng ist Event Managerin an der UZH.

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